Letztes Update am Sa, 22.06.2019 20:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Abschied von Vassilakou bei Grüner Landesversammlung



Die Wiener Grünen haben sich im Rahmen der Landesversammlung am Samstag von ihrer langjährigen Spitze Maria Vassilakou verabschiedet. Als Nachfolgerin der scheidenden Vizebürgermeisterin wurde Birgit Hebein nominiert. 438 Delegierte votierten für die Entsendung der Noch-Gemeinderätin in die Stadtregierung. Das waren 94,19 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Die Wahl wird am Mittwoch im Gemeinderat erfolgen. Hebein ist auch designierte Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl 2020. Vor ihrer Nominierung zur Wiener Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin präsentierte sich Birgit Hebein in einer Rede den Delegierten. Hauptthema ihrer Ansprache war der Kampf gegen die Klimakrise, sie bedankte sich aber auch bei ihrer Vorgängerin.

„Maria Vassilakou hat genau das getan, was Politik tun muss, nämlich das Leben der Menschen so zu gestalten, dass es auch möglich ist. Sie hat es getan mit enormen Widerständen von allen Parteien, sie hat Stand gehalten“, sagte Hebein. Sie trete „nicht um des Amtes willen“ als Vizebürgermeisterin an, betonte sie, sondern „weil es um unsere Zukunft geht, weil ich etwas beitragen möchte“. Sie habe zwei Ziele: „Ich will Wien zur ersten Stadt machen, wo es keine Kinderarmut mehr gibt und ich will Wien zur ersten Klimahauptstadt Europas machen.“

Es gehe nicht darum, dass die einzelnen Menschen die gesamte Verantwortung übernehmen: „Auch ich bin nicht perfekt und ich will es gar nicht werden“, sagte Hebein, die etwa verriet, dass sie mit dem Taxi zur Landesversammlung kam, weil sie zu nervös gewesen sei, um mit dem Rad zu fahren.

„Keines unserer Kinder wird fragen, warum wir Milliarden in ein Klimarettungspaket gesteckt haben, sie werden uns fragen, verdammt noch mal, warum habt ihr es nicht gemacht“, plädierte sie dafür, auch Schulden für den Klimaschutz in Kauf zu nehmen. „Niemand hat etwas davon, wenn die Menschheit mit einem Nulldefizit untergehen wird.“

Das Rote Wien habe die Antworten auf die sozialen Krisen des 20. Jahrhunderts gehabt. „Das Grüne Wien muss die Antworten auf die Klimakrise im 21. Jahrhundert finden. Helft mir dabei“, appellierte sie an ihre Parteifreunde. Das Ziel für die kommenden Wahlen steckte sie hoch: So viele Menschen wie noch nie hätten in Wien zuletzt Grün gewählt, verwies sie auf die EU-Wahl. „Wir haben 20 Prozent erhalten, das ist eine Vorgabe, liebe Leute.“

Die Wiener Grünen haben im Rahmen der Landesversammlung auch die Funktion des Parteichefs bzw. der Parteichefin beschlossen - die es bisher noch nicht gab. Gleichzeitig wurde Hebein, die künftige Vizebürgermeisterin und Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl 2020 in diese Funktion berufen. Sie ist damit neue und erste Parteiobfrau der Wiener Grünen. Die Funktion des Landessprechers wurde gleichzeitig abgeschafft. Er wird durch einen Landesparteisekretär ersetzt, wobei vorerst der bisherige Landessprecher Peter Kristöfel interimistisch das Amt bekleidet.

„Ich liebe euch, danke!“ - Mit diesen Worten verabschiedete Maria Vassilakou von den Grünen. „Es waren großartige lange, lange Jahre““, resümierte sie ihre Zeit in der Stadtpolitik. Wobei sie keine „eitle Leistungsbilanz“ ziehen wolle, wie sie betonte. Stattdessen gab es Danksagungen an die Weggefährtinnen und Weggefährten.

Es seien die Grünen, die darauf achten würden, dass Menschenrechte und Grundrechte nicht verhandelbar seien. „Bleibt genauso wie ihr seid, bleibt voller Ideen für die Zukunft“, appellierte sie an die Anwesenden. Und sie versicherte: „Wenn ihr Trost und Rat braucht, ich bin just around the corner.“ Die Rede wurde immer wieder von Zwischenapplaus unterbrochen - und zum Ende gab es erneut Standing Ovations für die scheidende Vizebürgermeisterin.

Zuvor wurde ein kurzer Film mit Fotos aus den Jahrzehnten ihrer politischen Karriere gezeigt. Die sichtlich gerührte, scheidende Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin wurde von den Teilnehmern der Landesversammlung mit minutenlangen Standing Ovations gewürdigt.

Der Bundessprecher der Grünen, Werner Kogler, hat am Samstag bei der Landesversammlung der Wiener Grünen an die Partei appelliert, trotz des „überraschend guten“ Ergebnisses bei der EU-Wahl „auf dem Boden“ zu bleiben. Nach so einem Ergebnis sei klar: „Demut ist immer besser als Hochmut.“

„Aber möglicherweise sind wir dabei, die größte Comeback-Geschichte der europäischen Grünen zu schreiben“, befand Kogler. Er erinnerte an die Mariahilfer Straße - und die negative Stimmung, die gegen das Projekt verbreitet worden sei. Letztendlich sei es geschafft worden, die Stimmung zu drehen. Auch dies sei ein Comeback gewesen, betonte er.

Der bisherige umweltpolitische Sprecher der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Lukas Hammer, wird die Landesliste der Wiener Grünen bei der kommenden Nationalratswahl anführen. Er wurde am Samstag im Rahmen einer Landesversammlung auf den ersten Platz gehievt. Auf den weiteren Plätzen folgen Bundesrätin Ewa Dziedzic, die frühere Nationalratsabgeordnete Sigrid Maurer, die Rektorin der Akademie der bildende Künste Eva Blimlinger und Gemeinderätin Faika El-Nagashi.




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