Letztes Update am So, 23.06.2019 15:11

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA starteten nach Drohnenabschuss Cyberangriffe auf Iran



Nach dem Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch den Iran haben die Vereinigten Staaten US-Medienberichten zufolge Cyberangriffe auf iranische Raketenkontrollsysteme und ein Spionagenetzwerk gestartet. Laut der Zeitung „Washington Post“ waren die Cyberangriffe seit Wochen geplant. Zunächst seien sie von Militärs als Antwort auf die Tanker-Angriffe von Mitte Juni vorgeschlagen worden.

US-Präsident Donald Trump hatte einen militärischen Vergeltungsangriff erwogen, diesen dann aber kurzfristig abgebrochen. Wie die „Washington Post“ am Samstag berichtete, wies Trump stattdessen das US-Cyber-Kommando an, zur Vergeltung Cyberattacken gegen den Iran zu starten.

Einer der Angriffe galt demnach iranischen Computern, mit denen Starts von Raketen und Lenkwaffen überwacht werden. Bei „Yahoo! News“ hieß es unter Berufung auf zwei ehemalige Geheimdienstvertreter, die US-Cyberangriffe hätten zudem ein Spionagenetzwerk getroffen, das Schiffe in der Seestraße von Hormuz beobachtete. Dort waren Mitte Juni zwei Tanker aus Norwegen und Japan angegriffen worden, wofür Washington den Iran verantwortlich macht.

Irans Präsident Hassan Rouhani forderte internationale Maßnahmen gegen die USA. Der Iran wirft den USA vor, mit einer Aufklärungsdrohne den Luftraum des Landes verletzt zu haben, was die Regierung in Washington bestreitet. „Dieser jüngste Vorfall war erneut ein Verstoß gegen internationale Vorschriften (...) da sie (die Amerikaner) unsere Warnungen ignorierten, mussten wir die Drohne abschießen“, sagte Rouhani.

Der Iran will nun auch juristisch gegen die USA vorgehen, kündigte die Vizepräsidentin und Leiterin der Rechtsabteilung im Präsidialamt, Lejla Jonejdi, an. „Eine Spionagedrohne in den iranischen Luftraum zu schicken, ist ein klarer Verstoß Washingtons gegen internationales Recht, und daher erwägen wir auch, rechtliche Schritte gegen die USA einzuleiten.“

Bereits Ende Mai drang nach Angaben aus Teheran eine US-Drohne in den iranischen Luftraum ein. Der Vorfall mit der „Spionagedrohne“ habe sich am 26. Mai ereignet, schrieb der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif am Sonntag auf Twitter. Bei der Drohne, die Ende Mai trotz „mehrerer Warnungen“ in den iranischen Luftraum eingedrungen sei, handelte es sich den Angaben zufolge um eine in den USA hergestellte „MQ9 Reaper“. Diese wird häufig genutzt, um militärische Angriffe auszuführen. Zarif veröffentlichte bei Twitter zudem eine Karte zu dem Vorfall.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten am Donnerstag eine US-Aufklärungsdrohne abgeschossen. Teheran erklärte, das unbemannte Fluggerät habe den iranischen Luftraum verletzt. Washington weist diese Darstellung zurück.

Es handelt sich nicht um die ersten Cyberattacken im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Im Jahr 2010 beschuldigte Teheran die USA und Israel, den Stuxnet-Computervirus entwickelt zu haben, um die Atomanlagen des Iran zu treffen. Stuxnet hatte mehrere tausend iranische Computer befallen und die Zentrifugen zur Anreicherung von Uran blockiert. Es wird vermutet, dass auch der Iran seine Cyberfähigkeiten inzwischen ausgebaut hat.

Trump war im Mai 2018 aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und hatte eine Politik des „maximalen Drucks“ verkündet. Die seitdem verhängten US-Sanktionen treffen die iranische Wirtschaft schwer. Trotz des Vertragsbruchs der USA hielt die Regierung in Teheran zunächst am Atomabkommen fest, kündigte Anfang Mai aber an, gewisse Bestimmungen nicht mehr einzuhalten. Die Lage in der Golfregion ist seither extrem angespannt.




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