Letztes Update am Mo, 24.06.2019 06:11

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


2,7 Millionen Besucher an drei Tagen des 36. Donauinselfests



Reine Vernunft darf niemals siegen - aber für die Band, die dies fordert, ist ein Auftritt auf der FM4-Bühne jedenfalls eine Art Heimsieg. Tocotronic boten einen höchst würdigen Abschluss des 36. Donauinselfestes. Parallel dazu war mit Revolverheld auch auf der von Ö3 bespielten Festbühne eine deutsche Formation zu Gast. Apropos Gäste: 2,7 Millionen Besucher wurden heuer auf der Insel gezählt.

„Guten Abend Wien! Es ist so herrlich“: Mit diesen Worten begrüßte die deutsche Rock-Pop-Band Revolverheld die Fans. Frontmann Johannes Strate scherzte, dass man sich wie „Opas vom Donauinselfest“ vorkomme, immerhin sei man schon vor 13 Jahren dabei gewesen. Mit im Gepäck hatte die Band Altes und Neues - von „Freund bleiben“ über „Halt dich an mir fest“ bis hin zu „Ich werde nie erwachsen“ reichte das Repertoire. Natürlich durfte auch der Riesenhit „Ich lass für dich das Licht an“ nicht fehlen.

Auch an Entertainment-Faktor fehlte es den Deutschen nicht: Zwischenzeitlich schlüpften die Revolverhelden in weiße Jacken, um eine Tanzeinlage a la Boygroup zu zeigen, wobei es Strate nicht an Selbstironie fehlte, um schnell raus „aus dem Fummel“ zu schlüpfen: „Ich schaue aus wie ein Schneemann.“ Mit „So wie jetzt“ und Konfettiregen setzte Revolverheld den Schlussakkord für die Festbühne.

Fulminant fiel dieser auch auf der FM4-Bühne aus. Auch wenn sich der Auftakt eine Spur anders gestaltete als bei den Rap-Stars der vergangenen Tage, bei denen mitunter (also bei Yung Hurn) der Bereich wegen des großen Andrangs kurzfristig abgeriegelt werden musste. Es folgte nicht sofort ein kollektives Auszucken der Crowd, als Dirk von Lowtzow und seine Mannen die Bühne enterten. Auch das Hallo war eher von der höflichen Sorte: „Wir sind die Band Tocotronic und begrüßen euch auf das Allerherzlichste.“

Was folgte war ein stimmiger Gig, in dem sich Freunde der Hamburger Formation fühlen durften wie im Fanhimmel. „Let There Be Rock“, „Hi Freaks“, das fast enthusiastisch gefeierte „Aber hier leben, nein danke“, „This Band is Tocotronic“, „Macht es nicht selbst“ oder „Letztes Jahr im Sommer“ wurden druckvoll dargeboten. Die Band befand sich sichtlich in Spiellaune - und bedankte sich artig: „Ihr seid ein ausgesprochen reizendes Publikum.“

Schön dazu passte auch die Nummer „Electric Guitar“ vom aktuellen Album „Die Unendlichkeit“. Die Jugend, von der dort erzählt wird, ist schon einige Jahre her - was sich eh gut ergab: Der Altersschnitt der Menschen vor der FM4-Stage war geringfügig höher als bei den Auftritten der Rapper. Sogar eine Zugabe ging sich nach der obligatorischen Zuspielung des Chansons „Die großen weißen Vögel“ von Ingrid Caven noch aus. Das mit „Freiburg“ ein absoluter Klassiker zum Zug kam, war schließlich ein perfekter Inselfestabschluss. Dass „Reine Vernunft darf niemals siegen“ in der Setlist fehlte, war somit verschmerzbar.




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