Letztes Update am Mo, 24.06.2019 11:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Washington strebt weltweite Koalition gegen Iran an



Im Konflikt mit dem Iran will Washington jetzt eine weltweite Koalition aufbauen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach am Sonntag (Ortszeit) von „einer Koalition, die sich nicht nur über die Golfstaaten erstreckt, sondern auch über Asien und Europa“. Der Iran meldete unterdessen, dass zahlreiche Cyber-Angriffe der USA abgewehrt worden seien.

Die geplante Koalition gegen den Iran soll nach den Worten des US-Außenministers bereit sein, den „größten Sponsor des Terrors auf der Welt“ zurückzudrängen, sagte Pompeo vor einer Reise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit beiden Ländern will er über eine gemeinsame strategische Linie reden.

Diese neue weltweite Koalition erinnert an die „Koalition der Willigen“, die den Angriff der USA auf den Irak im März 2003 unterstützte. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein.

Der iranische Telekommunikationsminister Mohammed Jawad Azari Jahromi teilte am Montag mit, dass mehrere Cyber-Angriffe der USA erfolgreich abgewehrt worden seien. Die USA versuchten es immer wieder, hätten aber keinen Erfolg gehabt, teilte der Minister per Twitter mit.

Das US-Verteidigungsministerium hatte Medienberichten zufolge am Donnerstag mit einem seit längerem geplanten Cyber-Angriff begonnen. Dieser habe das iranische Raketenstartsystem außer Kraft gesetzt, berichtete die „Washington Post“ am Samstag.

Im vergangenen Jahr seien 33 Millionen Cyber-Angriffe durch die nationale Firewall abgewehrt worden, sagte Azari Jahromi und sprach von „Cyber-Terrorismus“. Er verwies auch auf das erste bekannt gewordene, gegen die Industrie eingesetzte Computer-Virus Stuxnet, mit dem 2007 iranische Atomanlagen attackiert wurden. Stuxnet war 2010 entdeckt worden, nachdem das Virus das Computersystem der Uran-Anreicherungsanlage im iranischen Natanz befallen hatte. Stuxnet wurde vermutlich von den USA und Israel entwickelt.

Die seit Monaten andauernden Spannungen zwischen dem Iran und den USA hatten sich Ende vergangener Woche gefährlich zugespitzt. Der Iran schoss am Donnerstag eine Aufklärungsdrohne ab, die nach Angaben aus Teheran den Luftraum des Landes verletzt hatte. Nach US-Angaben flog das unbemannte Flugzeug dagegen in internationalem Luftraum. Die USA bereiteten danach einen Gegenschlag vor, den Trump nach seinen Worten nur kurz zuvor stoppte.

Am Montag droht das iranische Militär mit einem erneuten Abschuss einer US-Drohne über dem Golf. Die Zerstörung der Aufklärungsdrohne am Donnerstag sei eine „entschiedene Antwort“ gewesen, sagte der Kommandant der iranischen Marine der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. „Jeder hat den Abschuss der unbemannten Drohne gesehen“, sagte Konteradmiral Hossein Khansadi. „Ich kann versichern, dass diese entschiedene Antwort wiederholt werden kann, und der Gegner weiß das.“

Nach den Worten Pompeos treten am Montag neue Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Die USA wollen das Land demnach daran hindern, Atomwaffen und Raketen zu bauen und damit dafür sorgen, dass US-amerikanische Interessen gewahrt würden und Amerikaner weltweit sicher seien. US-Präsident Donald Trump hatte die neuen Sanktionen am Wochenende per Twitter angekündigt. In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders NBC sagte Trump allerdings auch, er sei „ohne Vorbedingungen“ zu Gesprächen mit dem Iran bereit.

Die iranische Führung lehnt dieses ab. Der Vorschlag zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen sei inakzeptabel, solange die Sanktionen gegen den Iran bestünden, twitterte ein enger Berater von Präsident Hassan Rouhani am Montag. Wenn die USA Zugeständnisse des Irans über das bisherige Atom-Abkommen hinaus wollten, sollten sie dafür auch Anreize über die alte Vereinbarung hinaus anbieten, erklärte Hessameddin Ashena weiter.




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