Letztes Update am Mo, 24.06.2019 12:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Königsklasse vor Österreich-Rennen Hamiltons Solobühne



Mercedes beherrscht die Formel 1 vor dem Österreich-Gastspiel auf dem Red Bull Ring mit einer selten gesehenen Dominanz. Unter der Eintönigkeit leidet die Motorsport-Königsklasse, Kritiker sehen sich bestätigt. Dabei schreibt Lewis Hamilton die Rekordbücher um. Hoffnungen macht der Konkurrenz ausgerechnet Toto Wolff, der die Bedingungen in Spielberg als möglichen Spielverderber ausgemacht hat.

Am Sonntag war Hamilton in Le Castellet in allen Belangen überlegen, sein 79. Grand-Prix-Sieg geriet nie in Gefahr. Nur um ein Haar schrammte der 34-Jährige auch am perfekten Rennen vorbei. Dazu fehlte nur die schnellste Runde, die sich Ferraris Ex-Titelkandidat Sebastian Vettel schnappte. Beinahe an Frechheit grenzte, dass Hamilton mit alten Reifen fast gleich schnell fahren konnte wie der Deutsche mit einem frischen Satz. Nur um 24 Tausendstelsekunden verpasste er den Zusatzpunkt.

Teamkollege Valtteri Bottas musste in Südfrankreich zum vierten Mal heuer mit Platz zwei hinter Hamilton vorliebnehmen. „Wir wollen auch spannende Rennen“, fühlte sich Mercedes-Motorsportchef Wolff im Interview mit dem ORF-Fernsehen quasi zu einer Entschuldigung gedrängt. „Aber dieses Wochenende ist es uns wirklich gut gegangen.“ Als erst zweites Formel-1-Team schaffte Mercedes 50 Doppelsiege oder mehr - an der Spitze steht Ferrari mit 83.

Acht Mal waren die beiden „Silberpfeile“ 2019 ganz vorne, sechs Mal davon stand Hamilton ganz oben auf dem Podest. Mit mittlerweile 187 Zählern führt der Brite die Gesamtwertung an. Noch nie hatte ein Fahrer nach acht Rennen mehr Punkte auf dem Konto. „Es ist verrückt, dass wir jetzt so dastehen. Sechs Siege, das hatte ich an diesem Punkt nicht erwartet“, sagte der Mann aus Stevenage. „Das war bisher unser bester Start in ein Jahr und das müssen wir genießen.“

Bottas hat mit 36 Punkten Rückstand schon Respektabstand. Dass der Finne an der Hamilton‘schen Übermacht kiefelt, ist kaum zu überzusehen. Noch vor seiner Medienrunde verließ er am frühen Sonntagabend die Strecke. „Letztendlich hatte Lewis heute einen Pace-Vorteil, er ist besser mit den Reifen umgegangen. Das muss ich mir ansehen und daraus lernen“, hatte er vor seiner Abreise gemeint.

Dabei hatte es in Kanada noch gut für Mercedes-Herausforderer Ferrari ausgesehen. Vettel wäre ohne seinen Fauxpas, der ein mit einer Zeitstrafe belegtes Manöver nach sich zog, der Sieger gewesen. Jedenfalls stimmte in Montreal die Geschwindigkeit. Die ging offenbar mit den Updates, die das Team in Europa installierte, wieder verloren. „Unsere Teile haben nicht so funktioniert, wie wir es erwartet hatten“, räumte Vettel ein. „Wir müssen verstehen, was wir besser machen können.“

Wobei auch das Profil des Kurses in Frankreich für Mercedes sprach. Denn auf den kurvenreichen Strecken ist das Modell W10 einsame Spitze. „Unser Auto hat Downforce, da haben wir uns in diesem Jahr darauf konzentriert“, erklärte Wolff. Nachsatz: „Österreich ist wieder ganz anders.“

In Spielberg gibt es nur wenige Kurven, der Speed auf den Geraden steht im Vordergrund. Deshalb hofft auch Ferrari in Österreich auf einen Schub nach vorne. Auch die erwartet hohen Temperaturen sollen der Scuderia in die Karten spielen. „Das sind unsere zwei Schwächen. Es fehlt uns ein bisschen an Schnelligkeit auf den Geraden und es fehlt uns ein bisschen an Kühlung“, sagte der Wiener Wolff, der sich aber dennoch auf sein Heimrennen freut. Nachdem er bisher bei fünf Rennen im Murtal vier Mercedes-Siege gesehen hat, kann er das auch.

Nur im vergangenen Jahr schlug der Defektteufel zu, sowohl Hamilton als auch Bottas fielen vorzeitig aus. Den Sieg holte 2018 zum Gaudium vor allem der Heerscharen an niederländischen Fans Red-Bull-“Hausherr“ Max Verstappen. 185.000 Zuschauer waren damals über das gesamte Wochenende gerechnet in die Steiermark gepilgert. In diesem Jahr peilt das Projekt Spielberg sogar 200.000 Besucher an.




Kommentieren