Letztes Update am Di, 25.06.2019 16:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ex-Partnerin erstochen: Mordprozess in NÖ fortgesetzt



In Wiener Neustadt ist am Dienstag ein Mordprozess gegen einen 43-Jährigen, der im Jänner seine ehemalige Lebensgefährtin erstochen haben soll, fortgesetzt worden. Eine andere Ex-Partnerin, die der Angeklagte gestalkt haben soll, wurde kontradiktorisch als Zeugin einvernommen. Für die Dauer der Befragung wurde die Öffentlichkeit mit Verweis auf den höchstpersönlichen Lebensbereich ausgeschlossen.

Der Beschuldigte soll heuer am 9. Jänner seiner Ex-Partnerin vor ihrem Wohnhaus im Bezirk Wiener Neustadt-Land aufgelauert und die Frau mit 15 Stichen getötet haben. Weiters wird ihm vorgeworfen, Familienmitglieder der 50-Jährigen sowie eine andere frühere Lebensgefährtin gestalkt zu haben.

Der 43-Jährige ist wegen Mordes, beharrlicher Verfolgung, gefährlicher Drohung, schwerer Nötigung und fortgesetzter Belästigung im Wege eines Computersystems angeklagt. Er bekannte sich schuldig. Ein Urteil soll am heutigen Tag fallen. Dem Mann droht lebenslange Haft und eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Am Nachmittag gingen die Geschworenen am Dienstagnachmittag in Beratung. Die Staatsanwältin forderte im Schlussvortrag Schuldsprüche in allen Anklagepunkten und eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Der Verteidiger verwies auf die herabgesetzte Schuldfähigkeit seines Mandanten.

Die Geschworenen haben Hauptfragen nach Mord, beharrlicher Verfolgung, gefährlicher Drohung, versuchter schwerer Nötigung und fortgesetzter Belästigung im Wege eines Computersystems (Cyber-Mobbing) zu beantworten. Zur Tötung hob die Staatsanwältin im Schlussvortrag hervor: „Der Tathergang ist aufgrund der erschütternden Videoaufzeichnung klar.“ Der Beschuldigte habe mehr als eine Stunde lang gewartet, bis seine Ex-Partnerin nach Hause kam, und sie sofort beim Garagentor „überfallen“ und mit dem Messer attackiert. „Wir haben die durchdringenden Todesschreie des Opfers gehört“, betonte die Staatsanwältin. Der Beschuldigte habe erst von der Frau abgelassen, als sie zu Boden ging. Er habe ein „heimtückisches und geplantes Vorgehen“ an den Tag gelegt.

In Bezug auf die übrigen Vorwürfe erinnerte die Staatsanwältin u.a. an die Zeugenaussagen und die zahlreichen sichergestellten Nachrichten. Die Privatbeteiligten-Vertreterin beantragte eine finanzielle Unterstützung für Angehörige der Verstorbenen, um eine gute Therapie zu ermöglichen, sowie ein Schmerzengeld für eine Ex-Partnerin, die der Angeklagte gestalkt haben soll.

Die Abwärtsentwicklung des 43-Jährigen habe 2010 begonnen, sagte Verteidiger Wolfgang Blaschitz. Letztlich sei die Gesamtsituation - ohne Partnerin, Arbeit, Strom und Wärmeversorgung - „unerträglich“ für den Angeklagten gewesen, die für 10. Jänner anberaumte Gerichtsverhandlung „hat das Fass zum Überlaufen gebracht“. Die Zurechnungsfähigkeit des Beschuldigten sei aufgrund der Persönlichkeitsstörung herabgesetzt gewesen. Der Verteidiger verwies auf das Geständnis seines Mandanten zum Mordvorwurf. In Bezug auf die anderen Anklagepunkte forderte er Freisprüche. Cyber-Mobbing liegt nach Ansicht der Verteidigung nicht vor, da die Nachrichten nicht öffentlich einsehbar gewesen seien. In Bezug auf gefährliche Drohung und versuchte schwere Nötigung erklärte der Rechtsanwalt, dass der Angeklagte die Video-Sequenzen ohne Kommentar geschickt habe.




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