Letztes Update am Mi, 26.06.2019 12:28

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grazer Kunsthaus zeigt Peter Koglers Welt



Das Grazer Kunsthaus widmet sich in der Ausstellung „Connected. Peter Kogler with...“ dem Werk des Medienkünstlers, eingebettet in die Arbeiten von Vorreitern, Vorbildern oder Einfluss ausübenden Kollegen. Ein Theatermodell von Friedrich Kiesler ist ebenso zu sehen wie Wohnbauentwürfe von Charlotte Perriand oder Kommunikationserfindungen von Otto Neurath und Hedy Lamarr.

Peter Kogler war international längst ein Begriff, als er 2003 durch seine Wandarbeit am Grazer Hauptbahnhof einem breiten Publikum vor Ort bekannt wurde. Auch einen Zubau und einen Übergang gestaltete Kogler mit seinen Arbeiten.

Für das Kunsthaus kuratierte nun Katrin Bucher-Trantow eine Werkschau mit Arbeiten aus rund 30 Jahren und zeigt seine Verbindungen zu anderen Künstlern auf. Der nicht gerade kompakte Titel der Ausstellung lautet „Connected. Peter Kogler with...George Antheil with Friedrich Kiesler with Hedy Lamarr with Fernand Leger with museum in progress with Otto Neurath with Charlotte Perriand with Franz Pomassl with Winfried Ritsch with Franz West...“ Auf der oberen Ebene wird in einem ansonsten leeren Raum eine Installation gezeigt, die die gesamte Wand einnimmt. Drei verschiedene für Kogler typische Muster - Punkte, Kreise, Raster - wechseln einander ab, dazu Klangmischungen und hohe Töne.

Die zweite Ebene zeigt als große räumliche Collage eine konsequente Weiterentwicklung der Bildcollagen Koglers. So wie in seinen zweidimensionalen Bildschichtungen erschließt sich hier ein dichtes Netz an Bezügen, die seine Ideen erweitern. Hinter den digital bedruckten Screens aus dem Kunstverein Hannover (2004), die als fahrende Wände den Raum öffnen und schließen, gibt es ein Aufeinandertreffen von Friedrich Kiesler und Fernand Leger. 1924 organisierte der österreichische Architekt Kiesler die „Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik“ im Rahmen des Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien und lud dafür zahlreiche progressive Künstler aus ganz Europa ein, Theater-, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Modelle und Plakate zu zeigen. Unter ihnen war der französische Künstler Fernand Leger, der dort erstmals seinen gemeinsam mit Dudley Murphy produzierten Film „Ballet mecanique“ zeigte.

1926 emigrierte Friedrich Kiesler in die USA, wo er zunächst die Theaterausstellung ein weiteres Mal zeigte und 1942 schließlich die Ausstellung „Art of This Century“ in New York für die Galeristin Peggy Guggenheim gestaltete. Die Fotos dieser bahnbrechenden Schau zeigen nicht nur erneut die großen Namen der damaligen künstlerischen Avantgarde sondern auch die sehr ungewöhnliche Montage der Bilder von Fernand Leger an einer konkaven Wand, deren Wirkung im Kunsthaus aufgrund seiner speziellen Architektur nachvollziehbar wird.

George Antheil komponierte die Musik zu „Ballett mecanique“, die er sich für 16 Pianolas vorstellte. Die Synchronisation von auch nur zwei Klavierautomaten war allerdings unmöglich, das gelang erst durch die Funksteuerung, an deren Entwicklung die österreichische Schauspielerin Hedy Lamarr beteiligt war.




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