Letztes Update am Mi, 26.06.2019 15:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nur USA durchbrechen Europas Dominanz bei Frauen-WM



Die Dominanz der europäischen Teams bei der Frauen-Fußball-WM in Frankreich ist frappierend. Sieben der acht Viertelfinalisten kommen aus Europa, nur die USA gehören sonst noch zum elitären Kreis. Das ist erstmals in der WM-Geschichte der Fall. Mit Ex-Weltmeister Japan verabschiedete sich Dienstagabend ein Anwärter auf einen Spitzenplatz durch ein unglückliches 1:2 gegen Europameister Niederlande.

Auch für China, Kanada, Kamerun, Nigeria, Australien und Brasilien war bereits im Achtelfinale Schluss. Japans Nationaltrainerin Asako Takakura haderte mit der erst durch einen Elfer-Gegentreffer in der 90. Minute kassierten Niederlage. Aber sie gestand ein, dass die besten Clubs der Welt in Übersee beheimatet sind. Das heißt: in den USA und in Europa. „Wir müssen uns weiter verbessern, hart arbeiten und von den europäischen Vereinen lernen“, sagte Takakura.

Europas Dominanz kommt nicht unerwartet - und schon gar nicht aus heiterem Himmel. Insbesondere weil in England, Frankreich und Spanien, aber auch in den Niederlanden und Italien seit Jahren massiv in den Frauenfußball und die Talentförderung investiert wird. Großclubs wie Arsenal, Manchester City, FC Barcelona, Atletico Madrid, Olympique Lyon, Paris Saint-Germain oder Bayern München haben ihre Frauen-Abteilungen mit Nachdruck aufgebaut. Ab 2020 wird auch Real Madrid den Schritt tun, wie die Spanier ankündigten. In Österreich sind Sturm Graz, die Austria mit USC Landhaus, St. Pölten und Wacker Innsbruck mit Frauen-Abteilungen in der obersten Spielklasse vertreten.

Seit 1991 haben die USA drei der sieben Weltmeisterschaften gewonnen. Schlechter als Dritter waren die Vereinigten Staaten nie. Das Wall Street Journal stellte bereits zu Beginn der WM fest, dass die Dominanz nun zu Ende sei. „In den vier Jahren seit der letzten WM haben Clubs wie Barcelona, Juventus und Manchester City in ihre tiefen Taschen gegriffen. Obwohl es noch immer winzige Summen im Vergleich zu den Männer-Teams sind, haben ein paar Millionen Dollar gereicht, um den Standard im europäischen Fußball drastisch zu heben“, schrieb das Blatt.

Im ersten Viertelfinale trifft Norwegen am Donnerstag auf England. Am Samstag spielen die Niederlande gegen Italien, Deutschland bekommt es mit Schweden zu tun. Allein der Weltranglisten-Erste und Titelverteidiger USA vertritt in der K.o.-Runde den Rest der Frauenfußball-Welt. Die Amerikanerinnen sind Freitag gegen Gastgeber Frankreich im Einsatz, es ist der Schlager. Die nun für die BBC kommentierende ehemalige US-Torfrau Hope Solo sieht die Ausgangssituation offen. Den Respekt vor der US-Auswahl hätten die Gegnerinnen abgelegt, stellte sie fest. „Sie verneigen sich nicht mehr vor den USA wie früher. Viele Teams haben gezeigt, dass sie die USA schlagen können.“




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