Letztes Update am Mi, 26.06.2019 16:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sea-Watch erreicht trotz Haltesignal italienische Gewässer



Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ mit 42 Migranten an Bord, hat ein Haltesignal der italienischen Küstenwache zwölf Seemeilen von der Küste der süditalienischen Insel Lampedusa ignoriert. Das Schiff steuert auf Lampedusa zu. „Wir sind in italienischen Gewässern. Schluss, lasst die Migranten an Land gehen“, twitterte die NGO „Sea-Watch“.

„Ich habe beschlossen in den Hafen von Lampedusa einzufahren. Ich weiß, was ich riskiere, aber die 42 Geretteten sind erschöpft. Ich bringe sie jetzt in Sicherheit“, twitterte die deutsche Kapitänin der „Sea-Watch 3“ am Mittwoch. Zuvor hatte das Schiff der deutsche Hilfsorganisation zwei Wochen vergeblich auf Landeerlaubnis gewartet. „14 Tage hat die EU die ́Sea-Watch 3 ́ im Stich gelassen. Unsere Kapitänin hat keine Wahl“, erklärte die deutsche NGO.

„Die Schuld der Migranten ist, von einer NGO gerettet worden zu sein. Die Strafe ist, wochenlang auf einem Schiffsdeck ausharren zu müssen. Von Europa abgelehnt und im Stich gelassen: Inzwischen sind über 200 Menschen in den letzten Tagen auf Lampedusa gelandet“, erklärte die NGO.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini kündigte an, die Sicherheitskräfte einsetzen zu wollen, um die Landung der Migranten zu verhindern. „Die Verteidigung unserer Grenzen ist heilig“, erklärte Salvini auf Facebook. Der Rechtspopulist kündigte exemplarische Strafen für die Kapitänin an, sollte sie sich dem Landeverbot widersetzen. „Hier geht es um ein erbärmliches politisches Spiel. Die Kapitänin wird für ihre Verantwortung bezahlen müssen“, warnte Salvini.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der italienische Vizepremier Luigi Di Maio forderte unterdessen eine sofortige Änderung der Dubliner Asylregeln. „Es ist inakzeptabel, dass alle Migranten weiterhin in Italien landen“, so der Chef der in Rom regierenden Fünf Sterne-Bewegung.

Italien hatte es der NGO verwehrt in italienische Hoheitsgewässer einzufahren. Bei Einfahrt in den Hafen von Lampedusa drohen der Kapitänin neben der Geldstrafe auch strafrechtliche Ermittlungen wegen Beihilfe zur Schlepperei. Zudem dürfte das Schiff konfisziert werden. Das Schiff hatte die Migranten vor rund zwei Wochen vor der Küste Libyens aufgenommen und wartete seitdem auf eine Landegenehmigung.




Kommentieren