Letztes Update am Mi, 26.06.2019 22:12

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zahlreiche Verletzte nach Gasexplosion in Wohnhaus in Wien



Vermutlich bei einer Gasexplosion in einem mehrstöckigen Wohnhaus der Preßgasse in Wien-Wieden am Mittwochnachmittag gegen 16.35 Uhr sind zahlreiche Menschen verletzt worden, einer davon lebensgefährlich. Aus dem Gebäude wurden zehn bis 15 Menschen geborgen. Unter einem Schuttkegel vor dem primär von der Gasexplosion betroffenen Wohnhaus dürften noch Menschen verschüttet sein.

Bei der Explosion wurde in 35-jähriger Mann lebensgefährlich verletzt. Das gab Daniel Melcher von der Wiener Berufsrettung am Mittwochabend bekannt. Der Mann befand sich zum Zeitpunkt der Explosion in seiner Wohnung im primär betroffenen Gebäude an der Ecke Preßgasse - Schäffergasse. Er dürfte von herabfallenden Bauteilen getroffen worden sein.

Laut Melcher hat der Hausbewohner Knochenbrüche, Rissquetschwunden und schwere innere Verletzungen erlitten. Bei einem zweiten Schwerverletzten handelt es sich um einen 54 Jahre alten Mann, der von Glassplittern getroffen wurde und Schnittverletzungen davongetragen hat.

Insgesamt erhöhte sich die Anzahl der Verletzten mit Stand 20.45 Uhr auf 14. Auch alle leichter Verletzten wurden ins Spital gebracht. Wie Melcher mitteilte, wurden sie wegen Verbrennungen, Schnittwunden und Atembeschwerden behandelt.

Die Suche nach möglicherweise Verschütteten gestaltete sich unterdessen schwierig. Kurz vor 21.00 Uhr wurde schweres Bergegerät der Wiener Berufsfeuerwehr an den Ort der Explosion gebracht. „Wir räumen bereits gesichertes Material damit ab. Dann wird händisch weitergegraben. Es ist ein Wettlauf gegen die Uhr“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Weiterhin seien möglicherweise sehr leise Kratz- oder Klopfspuren zu vernehmen. „Wir beschallen den Kegel und fordern eventuell Verschüttete auf, sich mit unregelmäßigen Zeichen zu melden“, sagte der Sprecher. Damit wolle man ausschließen, dass man bloß auf Geräusche eines technischen Gerätes reagiere. Möglicherweise seien auch unregelmäßige Geräusche zu hören.

Überhaupt hätte man die Bergungstruppe wieder geteilt. Einerseits werde der Schuttberg über den Autos in der Preßgasse abgetragen, andererseits suche man auch im Inneren des Hauses. Es könnte nämlich auch möglich sein, dass die potenziellen Signale von einem Verschütteten aus der Zone zwischen dem Innenraum an der Hausmauer und der Straße stamme.

„Wir graben händisch mit so vielen Einsatzkräften wie möglich. Sie dürfen einander aber auch nicht behindern. Außerdem sorgen wir für regelmäßige Ablösen“, verriet der Feuerwehrsprecher. Man könne nicht abschätzen, wie lange es Überlebenschancen gibt. „Das hängt von dem Hohlraum ab, in dem sich jemand befindet und von seinen Verletzungen. Nach Erdbeben wird immer wieder von ‚Wundern‘ gesprochen, wenn nach zwei oder drei Tagen noch jemand geborgen wird. Wir geben jedenfalls die Hoffnung nicht auf.“

Wie ein Polizeisprecher gegen 21.30 Uhr erklärte, dürfte es sich um ein Auto handeln, das von den Schuttmassen begraben wurde. Unterdessen war auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Unglücksort eingetroffen, um sich selbst ein Bild über die Rettungsmaßnahmen zu verschaffen.

Die Explosion hatte die Region um die Preßgasse/Margaretenstraße erschüttert. Sie war noch in einer Entfernung von mehreren hundert Metern spürbar. „Es waren zwei Häuser betroffen. Dort sind mehrere Stockwerke eingestürzt“, sagte ein Sprecher der Wiener Polizei.

Nach außen war am primär betroffenen Gebäude ein riesiges Loch zur Straßenseite entstanden. Das Gebäude wurde evakuiert. Auch in der Nachbarschaft wurden Fenster und Außenfassaden beschädigt.

Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte standen bereits unmittelbar nach der Explosion im Einsatz. Die Rettung versorgte mit einem Katastrophenzug die Verletzten. „Wir sind unmittelbar nach der Explosion alarmiert worden. Es war zunächst nicht leicht, den eigentlichen Unglücksort herauszufiltern, weil so viele Menschen angerufen haben“, erklärte der Sprecher der Feuerwehr. „Als wir am Unglücksort eintrafen, nahmen unsere Einsatzkräfte noch Gasgeruch wahr. Das ist der Grund, warum wir eine Gasexplosion für möglich bis wahrscheinlich halten.“

Das nächste Nachbarhaus sei offenbar nicht einsturzgefährdet. Die Explosion dürfte sich zwischen dem zweiten und vierten Stock ereignet haben, hieß es an Ort und Stelle gegenüber der APA. 22 Wohnungen, in denen 42 Personen gemeldet sind, wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Auf einem am Unglücksort aufgenommenen Video, das sich über Twitter verbreitete, war ein Augenzeuge zu hören, der „Es riecht immer noch nach Gas“ äußerte. Rauchschwaden waren zu sehen, am Boden lagen Glasscherben und Trümmerteile.

Bei einem Lokal in der Margaretenstraße hatte die Polizei einen Treffpunkt für potenzielle Angehörige und sonst Betroffene eingerichtet. Weiterhin blieb die unmittelbare Umgebung beim Explosionsort abgesperrt.

Mehrere Straßenzüge wurden in Folge des Unglücks gesperrt. Davon betroffen waren die Preßgasse, die Heumühlgasse, die Operngasse ab Karlsplatz und die Margaretenstraße. Die Verbindung zwischen Wiedner Hauptstraße und Wienzeile über die Schleifmühlgasse war demgegenüber befahrbar.




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