Letztes Update am Do, 27.06.2019 07:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hohe Temperaturen besonders für Bauarbeiter sehr gefährlich



Steigt das Thermometer auf über 30 Grad, wird das Gesundheitsrisiko gerade für Arbeiter im Außenbereich viel größer. Zwar gibt es bei unerträglichen Temperaturen theoretisch hitzefrei, doch entscheidet darüber einzig und allein der Arbeitgeber. Unbedachtes Verhalten kann schwerwiegende Folgen für die Arbeiter haben und schlimmstenfalls tödlich enden, erklärten Experten im APA-Gespräch.

„Da der Mensch eine konstante Körpertemperatur von circa 37 Grad hat, ist der Organismus bestrebt, diese aufrecht zu erhalten. Das geht nur durch Kühlungsmaßnahmen, vor allem durch Schweißabsonderung. Um das zu bewerkstelligen, muss das Herz viel mehr arbeiten“, sagte Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien im APA-Gespräch. Kommt dieser Hitzestress zur ohnehin anstrengenden Arbeit hinzu, kann es laut Hutter schnell zu einem Sonnenstich oder sogar Hitzekollaps kommen.

Seit 1. Mai regelt ein neuer Kollektivvertrag für Bauarbeiter, dass sie ab 32,5 Grad anstatt der vorher geltenden 35 Grad hitzefrei bekommen können. „Werden die Bauarbeiten wegen der Hitze eingestellt, greift die ‚Schlechtwetter‘-Regelung und Arbeiter erhalten 60 Prozent des Lohns. Für die Betriebe entstehen keine Kosten, da die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) den Betrieben den Ausfall refundiert“, erklärte Ulrike Sangeorzan-Sporer von der Wirtschaftskammer Österreich auf APA-Anfrage. Üblich sei bei Hitze, dass die Arbeitszeit in den Morgen verlegt oder dass durch abwechselnde Arbeiten in Innen- und Außenbereichen längere Sonneneinwirkung vermieden wird. Zudem stelle der Arbeitgeber meist Trinkwasser, Sonnencreme und Kopfbedeckung zur Verfügung. Bedarf an zusätzlichen Regelungen sieht Sangeorzan-Sporer nicht.

„Es ist natürlich jetzt so, dass der Arbeitgeber gesetzlich gefordert ist, die 32,5 Grad im Auge zu behalten. Es gibt ja auch noch andere Tätigkeiten, und es geht schon immer darum, dass die Arbeit nicht komplett eingestellt werden muss“, sagte Hildegard Weinke vom Arbeitnehmerschutz der Arbeiterkammer zur APA. Wird aber trotz der Temperaturen einfach weitergearbeitet, kann es zu ersten Symptomen wie Kopfschmerzen oder Schwindel kommen. „Wenn diese ignoriert werden, kann man auch in eine akute Situation hineingeraten. Betroffene könnten einen Hitzekollaps bekommen oder sogar einen Hitzschlag erleiden. Durch eine dermaßen große Erwärmung des Körpers kann es zu bleibenden Hirnschäden oder sogar zum Tod kommen“, sagte Hutter.

Dieser Gefahr sind sich viele aber nicht bewusst, dabei ist die Hitze nicht das einzige Problem. „Ebenfalls wichtig ist der Schutz vor UV-Strahlen, denn Hautkrebs ist immer eine Gefahr. Präventionsmaßnahmen müssen gesetzt werden. Der Arbeitgeber ist beispielsweise verpflichtet, geeignete Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen“, sagte Weinke.

Um ein größeres Bewusstsein für das Thema zu schaffen, forderte Hutter auch einen ganz anderen Akteur zum Handeln auf. „Die Berichterstattung ist völlig wahnsinnig, wenn es 34 oder 38 Grad hat und bestimmte Medien schreiben ‚Endlich ist der Sommer da‘ und Menschen im Bikini im Bad zeigen“, sagte Hutter. Vielmehr solle laut ihm über die negativen Folgen der Hitze berichtet werden.




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