Letztes Update am Do, 27.06.2019 12:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Monica Bonvicini errichtet Grenzmauer im Belvedere 21



Eigentlich ist der Schwanzer-Pavillon, heute Belvedere 21, ein lichter, offener Raum, dessen Atrium sich zu den Galerien des Obergeschoß aufschwingt und dessen gläserne Hülle das Grün des Parks hereinholt. Jetzt nicht mehr: Monica Bonvicini hat das Zentrum des Raumes zugemacht und die Besucher ausgesperrt. „I Cannot Hide My Anger“ ist eine monolithische Ausstellung um einen massiven Grenzwall.

„Man kann heute nicht anders, als an Grenzen zu denken“, sagte die Künstlerin im APA-Gespräch am Rande der Pressekonferenz zur Ausstellung. „USA und Mexiko, Bulgarien und Türkei. Italien und seine Häfen.“ 112 unbehandelte Aluminiumplatten bilden einen Wall rund um den zentralen, nach oben offenen Teil des Raumes. Mit mehr als fünf Metern Höhe umschließen sie etwa 1.600 Kubikmeter Raum. An den unregelmäßigen Oberkanten ist eine Stacheldraht-Assoziation angebracht. Sind wir innen, sind wir außen?

„Die Grundlage der Rezeption ist ein Unbehagen“, so Generaldirektorin Stella Rollig. Bonvicini, das sei von Anfang an klar gewesen, greife nicht nur auf Räume zu, sie packe ordentlich an. Der untere Raum des Pavillons neige dazu, „Werke wegzusaugen“, erklärte Rollig, das sei durch den Umbau 2011 nicht leichter geworden. Bonvicini aber sei in ihrer langen Karriere - genau 20 Jahre ist es her, seit sie den „Goldenen Löwen“ der Biennale Venedig erhielt - stets eine „unverwechselbare, starke, laute“ Stimme gewesen, die schnell durchschaut habe, „wie sehr sich Machtstrukturen in der gebauten Umwelt widerspiegeln“.

An den Wänden des Aluminiumwalls hat die Künstlerin auch weitere Werke platziert. „hy$teria“ prangt an der Front, eine vielfache Anspielung auf Stereotypen von Weiblichkeit, auf die Überreiztheit der Gesellschaft und vieles mehr, an der hinteren Ecke ist ein Marlboro Man gleichsam als grenzschützender Cowboy unterwegs. Im hinteren Bereich ist mit „Double Trouble“ ein Etagenbett aufgestellt, dessen Liegeflächen durch Spiegel ersetzt wurden, was eine endlose Illusion des Fallens erzeugt. So ein Bett, erläuterte Kurator Axel Köhne, könnte in einem Flüchtlingslager, einem Wanderarbeiterschlafplatz oder an sonstigen Transitorten stehen.

Bonvicini, gebürtige Venezianerin, ausgebildet in den USA und bis zum Vorjahr 15 Jahre lang Professorin an der Wiener Bildenden, verhandelt ihre Themen frei von Subtilität, lieber durch das Manifestieren von - mitunter unangenehmen - Tatsachen. US-Präsident Donald Trump spricht gerne von seiner „beautiful wall“, seiner wunderschönen Grenzmauer zu Mexiko. Nein, schön ist es nicht, vor einer Mauer zu stehen. Auch nicht im Museum.




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