Letztes Update am Do, 27.06.2019 12:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tote bei Gasexplosion in Wiener Wohnhaus



Die verheerende Detonation - die Einsatzkräfte gehen von einer Gasexplosion aus - in einem Gemeindebau in Wien-Wieden hat zumindest ein, wahrscheinlich zwei Todesopfer gefordert. In der Nacht auf Donnerstag wurde in den Trümmern des Hauses Ecke Preßgasse - Schäffergasse eine weibliche Leiche geborgen. In einem weiteren Hohlraum ortete man eine weitere Person, die keine Lebenszeichen gab.

Bei dem Todesopfer handelt es sich nach Angaben der Polizei um eine 29-jährige Frau. Bis Donnerstagvormittag wurden 14 verletzte Personen, zwei davon schwer, von der Berufsrettung versorgt bzw. in Spitäler gebracht. Bei den Schwerverletzten handelt es sich einerseits um einen 31-jährigen Mann, der im betroffenen Haus aufhältig war, andererseits um einen 53-jährigen Bewohner des gegenüberliegenden Gebäudes. Bisher war das Alter des Mannes mit 35 angegeben worden.

Am Vormittag wurde nach einer weiteren verschütteten Person gegraben, die im Bereich des eingestürzten Gebäudes vermutet wurde. Dabei wurde ein Feuerwehrmann verletzt. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Es dürfte sich um keine lebensbedrohliche Verletzung handeln.

Die Verkehrssperren wurden mit 5.40 Uhr bis auf den unmittelbar betroffenen Kreuzungsbereich Schäffergasse/Preßgasse aufgehoben. Insgesamt sind im von der Explosion hauptbetroffenen Mehrparteienhaus 42 Personen in 22 Wohnungen gemeldet. Nach wie vor wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Personen im zum Teil eingestürzten Gebäude eingeschlossen sind.

Hinweise auf eine weitere vermitsste Person hätten sich „verdichtet“, sagte Feuerwehr-Sprecher Gerald Schimpf Donnerstagmittag. Demnach gab es Anzeichen, dass sich jemand zum Unglückszeitpunkt im Stiegenhaus befunden hat. Der oder die Betreffende sei zunächst nicht als vermisst gemeldet worden, so dass sie vorerst niemandem abging. „Die konkrete Position ist nicht bekannt“, sagte Schimpf. Die Rettungsmannschaften würden auch in dem Bereich intensiv suchen, in dem eines der beiden Stiegenhäuser eingestürzt ist.

Rettungshunde durchkämmten erneut den Schutt im Unglücksbereich. Unter den Trümmern wird nach wie vor eine vermisste Person vermutet. Die Hunde sollen auch angeschlagen haben, erfuhr die APA an Ort und Stelle. Das müsse aber nicht zwangsläufig heißen, dass sich jemand unter dem Schuttberg befindet. „Es sind inzwischen so viele Einsatzkräfte über diesen Bereich gegangen, dass das die Spurenlage vermischt“, hieß es.

Da befürchtet werden muss, dass das Haus in der Preßgasse zur Gänze einstürzt, hat sich die Feuerwehr mittlerweile mit zusätzlichen Kräften verstärkt. Ein Kran mit Drehleiter wurde an den Unglücksort gebracht, die Feuerwehrmänner wurden mit Leinen gesichert, so dass sie - sollten während der Bergungsarbeiten Trümmer vom Dach oder der beschädigten Fassade fallen - rasch ins Freie gezogen werden können.

Zur Stunde waren 50 Mann der Wiener Berufsfeuerwehr im Einsatz. Aufgrund der schwierigen Arbeitsbedingungen - Teile des Dachs stürzten immer wieder in die Tiefe, zudem machte die Hitze den Rettungskräften zu schaffen - wechselten die Spezialisten einander regelmäßig ab, um sich wechselseitig unerlässliche Arbeitspausen zu ermöglichen.

„Über die Ursache der Explosion können weiterhin keine Rückschlüsse gezogen werden, da die Beamten der zentralen Brandermittlung des LKA aufgrund noch nicht abgeschlossener Sicherungsmaßnahmen das Gebäude noch nicht betreten konnten“, berichtete Polizeisprecher Harald Sörös. An erster Stelle stehe vorerst die Suche nach möglichen weiteren Personen, „erst danach können die kriminalpolizeilichen Ermittlungsmaßnahmen gesetzt werden“. Auch eine Drohne der LPD Wien kam zum Einsatz, um sich ein Lagebild aus der Luft zu verschaffen.

Gerhard Fida, Geschäftsführer der Wiener Netze, schloss eine Undichtheit in der Hausleitung aus. Das hätten Messungen der Gaskonzentration im Keller des betroffenen Gebäudes in der Preßgasse ergeben, sagte Fida der APA. „Es besteht keine unmittelbare Gefahr. Wir haben alle Leitungen in den benachbarten Straßen überprüft“, betonte der Geschäftsführer. Das teilweise eingestürzte Gebäude wurde ebenso von der Strom- und Gasversorgung genommen wie einige benachbarte Häuser. Letztere sollten im Laufe des Tages wieder mit Gas und Strom versorgt werden.

Die letzte Überprüfung der Gasleitungen des Hauses hatte von 2017 bis 2018 durch einen Installateur stattgefunden, hieß es aus dem Büro der Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ). Wiener Wohnen habe bis zur Explosion keine Hinweise auf Gasgeruch, Probleme mit Gas oder Ähnliches aus der Wohnanlage erhalten. Das gesetzliche Prüfintervall von Gasleitungen liegt bei zwölf Jahren, informierte die Stadträtin. Die letzte Sanierung der Wohnanlage erfolgte von 2006 bis 2007.

„Wir alle sind bewegt von dem Unglück und dessen fatalen Auswirkungen“, sagte Kathrin Gaal. „Mein aufrichtiges Mitgefühl und meine tiefe Anteilnahme gelten den Angehörigen der Opfer.“ Die Stadträtin, die den Helfern ihren Dank und Respekt übermittelte, versicherte allen Betroffenen „die volle, unkomplizierte Unterstützung durch Wiener Wohnen.“

Die von der Explosion betroffene Stiege (das Haus besteht aus zwei) „ist definitiv verloren“ und wird abgerissen werden müssen, hieß es aus dem Büro der Stadträtin. Man habe noch Mittwochnacht erste Sofortmaßnahmen beauftragt, „damit wir zur Absicherung anrücken können, wenn die Feuerwehr das Haus an uns übergibt“. Ob die zweite Stiege gerettet werden kann, werde sich erst nach Überprüfungen zeigen.

Die Stadt Wien organisierte Ersatzquartiere für sämtliche betroffene Bewohner. Am Donnerstagvormittag stand am Unglücksort ein Bus des Stadtservice Wien bereit, um Interessenten die Notquartiere zu vermitteln.




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