Letztes Update am Do, 27.06.2019 14:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wettquoten sehen Großen Drei in Wimbledon wieder voran



Seit 2003 haben nur vier Profis das Herren-Einzel in Wimbledon gewonnen, laut Wettquoten wird der Gewinner der 133. Auflage der All England Tennis Championships in zwei Wochen erneut aus diesem Kreis kommen. Während Andy Murray (2 Wimbledon-Titel) nur Doppel spielt, spitzen Roger Federer (8), Novak Djokovic (4) und Rafael Nadal (2) darauf, ihre Position in der Major-Titelstatistik auszubauen.

Titelverteidiger ist Djokovic. Dominic Thiem vereitelte dem Serben vor drei Wochen im Halbfinale der French Open sein Ziel, zum zweiten Mal in seiner Karriere die vier Grand Slams hintereinander zu gewinnen. „Damit hatte ich mir eine Menge Druck gemacht“, erklärte Djokovic im Vorfeld des dritten Saison-Majors. „In Wimbledon trete ich aber nun mit deutlich weniger Gewicht auf meinen Schultern an, da es der Start in einen neuen Zyklus ist.“

Auch der 32-Jährige schätzt sich, Federer und Nadal als erste Titelanwärter ein. Anders als 2018 hat der „Djoker“ diesmal auf ein Rasen-Vorbereitungsturnier verzichtet, verbrachte dafür einige Juni-Tage bei der Familie in Belgrad, schlug sich dort mit seinem Landsmann Viktor Troicki - in Ermangelung eines Rasenplatzes - auf Hartplatz für den Londoner Event ein. 2018 profitierte Djokovic davon, dass Kevin Anderson (RSA) vom Halbfinale ausgelaugt nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte war.

Hätte der nunmehrige Weltranglistenerste in Satz fünf des Halbfinales gegen Nadal verloren, hätte womöglich dieser seinen dritten Wimbledontitel eingefahren. So aber liegt Nadals zweiter und letzter Wimbledon-Triumph nun bereits neun Jahre zurück, wodurch er in der Setzliste prompt eine Rückreihung auf Position drei hinnehmen musste. Damit kann ihm die am Freitag (11.00 Uhr MESZ) angesetzte Auslosung auf dem Weg zum Titel mögliche Duelle mit Djokovic und Federer bringen.

Prompt kritisierte Nadal das in Wimbledon eigene Setzungssystem, zeigte sich bei einer gegen Marin Cilic (CRO) mit 3:6,3:6 verlorenen Exhibition aber auch noch von seiner besten Rasen-Form entfernt. „Es war für mich noch zu viel, Punkte auf Rasen zu spielen“, gestand der 33-Jährige danach. „Aber es hat mir geholfen, in Wimbledon bereit zu sein.“ Nadal wäre der gesamt zweite Spieler nach Björn Borg (SWE) mit French-Open- und Wimbledon-Titeln in drei verschiedenen Jahren.

Während er wie Djokovic seit den French Open kein Turnier gespielt hat, hat sich Federer mit seinen zehnten Halle-Titel aufgewärmt. Noch hat der 37-jährige Rekord-Majorsieger mit 20 Titeln deren zwei Vorsprung auf Nadal und fünf auf Djokovic. Vor zwei Jahren beeindruckte Federer bei seinem achten Wimbledon-Triumph ohne Satzverlust. 2018 scheiterte er aber im Viertelfinale an Anderson, ehe dem Südafrikaner ein 6:36-Stunden-Sieg über John Isner (USA) zum Verhängnis wurde.

Trotzdem ist das, was für Nadal Roland Garros (12 Titel) ist, mit kleinen Abstrichen für Federer Wimbledon. Mit seinem neunten Titel auf dem „heiligen Rasen“ würde der Eidgenosse mit Damen-Rekordhalterin Martina Navratilova gleichziehen. Alleiniger Rekordhalter bei den Herren ist er bereits seit zwei Jahren, als er sich mit knapp 36 zum ältesten Titelträger kürte. Zieht Federer ins Halbfinale ein, würde er bei 100 Match-Siegen in Wimbledon halten. Schon seine aktuellen 95 sind Rekord.

Vom Rest wird der auf Setzposition Thiem vorgezogene Anderson einen neuen Anlauf auf seine Grand-Slam-Titelpremiere nehmen. Der seit dem Miami-Finale Ende März nicht in Aktion getretene Isner wird es hingegen schwer haben, den ersten US-Titel in Wimbledon seit 2000 zu holen. Thiem wiederum will zeigen, dass er in Wimbledon zu mehr fähig ist, als er bisher gezeigt hat (Achtelfinale 2017). Qualifikant Dennis Novak bemühte sich vorerst noch um den Einzug in das Hauptfeld.

Im Damen-Feld wird Ashleigh Barty zugetraut, nach ihrem French-Open-Titel nachzudoppeln. Nach ihrem Paris-Triumph hat die 23-Jährige in Birmingham auf Rasen nachgelegt und sich damit zur ersten australischen Weltranglisten-Ersten seit 43 Jahren gemacht. Mit Finalsiegen bei den Majors auf Sand und Rasen in einem Jahr würde sie sich nun in eine Reihe mit den Größen Margaret Court, Billie Jean King, Chris Evert, Martina Navratilova, Steffi Graf und Serena Williams begeben.

Letztere hat es selbst in der Hand, dies zu verhindern. Seit dem Gewinn der Australian Open 2017 bemüht sich Williams vergeblich um ihren 24. Grand-Slam-Titel, womit sie Courts Bestmarke einstellen würde. 2018 wurde sie erst im Finale von Angelique Kerber (GER) gestoppt, im September bei den US Open von Naomi Osaka (JPN). Mit nur zwölf heuer bestrittenen Matches fehlt es der 37-Jährigen an Spielpraxis, Evert aber warnte: „Solange Serena spielt, kann sie immer alles gewinnen.“




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