Letztes Update am Do, 27.06.2019 17:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anschläge in Tunesien - Präsident Essebsi schwer erkrankt



Im Stadtzentrum der tunesischen Hauptstadt Tunis sind am Donnerstag bei zwei kurz aufeinanderfolgenden Explosionen mindestens zwei Menschen getötet und neun weitere verletzt worden. Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass der Präsident des nordafrikanischen Urlaubsland, Beji Caid Essebsi, in „kritischem, aber stabilen Zustand“ im Krankenhaus liegt.

Ein Polizist starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen, nachdem sich ein Selbstmordattentäter nahe der französischen Botschaft und der historischen Altstadt in die Luft gesprengt hatte, teilte das Innenministerium in Tunis am Donnerstag mit.

Kurz darauf gab es auch eine Explosion vor einer Polizeistation im Stadtzentrum. Die Angriffe galten offenbar gezielt Sicherheitskräften. Wie das Innenministerium mitteilte, sprengte sich der erste Attentäter direkt neben einem Polizeiwagen in die Luft, der an einer Ecke der zentralen Prachtstraße, der Avenue Habib Bourguiba, von Tunis geparkt war. Fotos vom Anschlagsort zeigten einen demolierten Wagen und Leichenteile des mutmaßlichen Angreifers. Der Innenstadtbereich wurde weiträumig abgesperrt.

Kurz darauf gab es eine weitere Explosion im Stadtteil Al-Gorjani an einer Polizeistation. Hier ist eine spezielle Anti-Terror-Einheit der tunesischen Sicherheitskräfte untergebracht. Nach offiziellen Angaben wurden dabei vier Polizisten verletzt.

Bereits in der Nacht auf Donnerstag hatte es auch im Süden von Tunesien einen weiteren Zwischenfall gegeben. Mehrere „Terroristen“ griffen nach Angaben des Verteidigungsministeriums gegen 3:30 Uhr tunesische Soldaten an, die an einer Funkstation stationiert waren. Es habe einen Schusswechsel gegeben, bei dem niemand verletzt worden sei.

Tunesiens Präsident Beji Caid Essebsi liegt schwer erkrankt im Krankenhaus. Essebsis Berater Firas Guefrech teilte am Donnerstag auf Twitter mit, der 92-Jährige befinde sich in „kritischem, aber stabilem Zustand“. Zuvor hatte das Präsidialamt auf Facebook erklärt, Essebsi leide unter einer „schweren Krankheit“ und sei ins Militärkrankenhaus der Hauptstadt Tunis verlegt worden.

Bereits vergangene Woche war Essebsi ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Präsidialberater hatte damals erklärt, Essebsi habe sich routinemäßigen medizinischen Untersuchungen unterzogen, während ein anderer Sprecher von „leichten Beschwerden“ des Präsidenten gesprochen hatte. Laut tunesischen Medienberichten soll der ebenfalls Essebsis Partei angehörende Parlamentspräsident Mohamed Ennaceur in Essebsis Abwesenheit die Rolle des Interimspräsidenten übernehmen.

Berichten zufolge wollen Ennaceur und die Abgeordnete Myriam Boujbel noch am Donnerstag im Parlament mit den Chefs der anderen Parteien zusammentreffen. Sollte dabei keine Einigung über die kommissarische Präsidentschaft erzielt werden, ist es theoretisch am Verfassungsgericht, eine Entscheidung zu treffen. Ein ordentliches Verfassungsgericht befindet sich in Tunesien aber noch im Aufbau.

Wenige Monate vor den bevorstehenden Wahlen im Herbst ist das politische Klima in dem nordafrikanischen Land angespannt. Die Tunesier wählen am 17. November einen neuen Präsidenten, Parlamentswahlen sind für den 6. Oktober anberaumt. Bereitss im April hatte Essebsi seinen Verzicht auf eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im November erklärt.

Essebsi ist ein altgedienter Politiker. 2014 wurde er bei den ersten demokratischen Wahlen Tunesiens zum Staatsoberhaupt gewählt. Nach dem Arabischen Frühling und dem Sturz des langjährigen Diktators Zine El Abidine Ben Ali 2011 hatte Essebsi die säkularistische Partei Nidaa Tounès gegründet.




Kommentieren