Letztes Update am Do, 27.06.2019 18:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rabenhof 2019/20: Monster, Nymphen, Diven und erste Operette



Mit Monstern, Nymphen, Diven sowie mit der ersten Operette seiner Geschichte wartet der Wiener Rabenhof in der nächsten Saison auf. Thomas Gratzer bleibt dem Gemeindebautheater erhalten. „Grundsätzlich ist es für mich kein Horrorszenario, dass ich nicht Volkstheater-Direx geworden bin“, sagte er der APA. „Ich bin im Rabenhof nach wie vor sehr inspiriert und mir gehen weder Energie noch Ideen aus.“

„Die große Geste lebt“, ist man in Wien-Erdberg überzeugt. „Der nach wie vor erfolgreiche Mix aus Theater, Politsatire, musiktheatralischen Projekten, Literatur- und Edutainment-Veranstaltungen hat nichts an Attraktivität eingebüßt, ganz im Gegenteil“, heißt es in den Unterlagen zur Vorstellung der Saisonvorhaben, die Gratzer mit seinem Team am Donnerstagabend (18.30 Uhr) erstmals nicht als Pressekonferenz, sondern als Präsentation vor Publikum mit anschließendem Meet und Greet gestaltet, und zu der „wahnsinnig viele Anmeldungen“ entgegengenommen wurden.

81.556 Zuschauer in 312 Vorstellungen bedeuten eine Auslastung von 90,05 Prozent und eine Rückkehr zu früheren Zahlen. „Weniger Vorstellungen zu spielen hat sich als keine tragfähige Spar-Strategie erwiesen. Daher haben wir die Taktzahl jetzt wieder erhöht“, so Gratzer, der die finanzielle Situation des Hauses als „immer an der Wand - jetzt aber wirklich!“ beschreibt. „Vor zehn Jahren wurde unsere Subvention auf 900.000 Euro erhöht. Inflationsbereinigt müssten wir jetzt 1,1 Mio. Euro bekommen.“

Auf der anderen Seite wurden für das Volkstheater mitten im Ausschreibungsprozess zwei Millionen Euro zusätzlich locker gemacht. Gratzer war unter jenen, die auf die Aufforderung der Wiener Kulturstadträtin, sich zur Zukunft des Hauses am Arthur-Schnitzler-Platz Gedanken zu machen, nachgekommen sind, und wurde bis zuletzt als aussichtsreicher Kandidat gehandelt. „Ich verstehe, dass sich Kollegen und Kolleginnen aus der Szene vor den Kopf gestoßen fühlen, zumal ja dieses monatelange zersetzende Ringen um eine Lösung sehr nervig war. Die anfängliche Kommunikation und Einbindung der Szene ist ja vorbildlich gewesen, da dachte man halt, dass - auch aufgrund der heiklen Situation des Hauses - letztendlich eine Wiener oder Österreichische Lösung am Ende steht“, meint Gratzer zur APA. „Dass nun einem deutschen ‚Theater heute‘- und Feuilleton-Liebling der Vorzug gegeben wurde, birgt gerade beim Wiener Volkstheater, noch dazu im Spannungsfeld zwischen sehr starken anderen Playern in der Stadt, ziemliches Sprengpotenzial. Dem Kollegen ist toi-toi-toi zu wünschen - Spaziergang wird das keiner.“

Auch im Rabenhof spaziert man nicht über eine gemähte Wiese. „Das Publikum ist ein scheues Reh!“, weiß der Chef, und hegt und pflegt es dementsprechend. Schließlich ist der Kostendruck enorm. „Ideal wären ausverkaufte Produktionen ohne Bühnenbild und mit nur einem Schauspieler.“

Bei den beiden Hauptproduktionen der kommenden Saison weiß man dagegen schon jetzt, dass die Abendkosten kaum eingespielt werden können. Am ehesten gilt das noch für „Monster“, die Dramatisierung des jüngsten Romans von Kurt Palm durch Christina Tscharyiski und Fabian Pfleger, die am 5. November zur Uraufführung kommt. Bei „Orpheus in der Unterwelt“ von und nach Jacques Offenbach (Premiere: 14. Februar 2020, Regie: Ruth Brauer-Kvam, musikalische Bearbeitung: Kyrre Kvam) gibt es dank Live-Musik zwar keine Chance auf eine schwarze Null, doch alle Aussichten, damit „ein neues, interessiertes Publikum“ zu erreichen. Er sei begeistert von der „Wiener Blut“-Produktion des Power-Couples Brauer-Kvam und Kvam im kleinen Bronski & Grünberg Theater gewesen und habe danach gesagt: „So etwas möchte ich auch haben“, erzählte Gratzer die Vorgeschichte. Angekündigt ist „schräger 70er-Glamrock-Trash auf höchstem Niveau“, wobei Gratzer hinzufügte: „Auch Trash will gekonnt sein. Trash heißt eben nicht: Eh‘ wurscht!“

Die Kinder- und Jugendtheaterschiene wird mit „König Drosselbart“ und „Prometheus“ ebenso weitergeführt wie andere erfolgreiche Formate: „Wir Staatskünstler“ sagen am 4. Oktober, also unmittelbar nach der Nationalratswahl: „Jetzt erst recht!“ Ulrike Beimpold, Angelika Hager, Maria Happel und Petra Morzé liefern als „Nymphen in Not“ eine exzentrische Sonntags-Matinée-Show, mit Sandra Cervik, Erni Mangold und Esra Özmen kommen dagegen „Drei Frauen und 1000 Bücher“ auf die Bühne. Im April 2020 kehren Maschek wieder (Gratzer: „Das ist der Geist des Rabenhofs!“), im Mai bringt Christina Tscharyiski ein internationales Co-writing-Projekt von sechs Autoren aus sechs Ländern nach Erdberg. „Das Ende der Toleranz“ besteht aus sechs Einaktern, die zu einem Gesamtbogen zusammengefügt werden.

Und schließlich gastiert der österreichische Bühnenstar Sophie Rois am 30. November und 1. Dezember mit einem in Berlin erarbeiteten Programm in Erdberg. Gratzer: „Da bin ich stolz darauf. Sie könnte überall spielen. Sie wollte aber zu uns in den Rabenhof!“




Kommentieren