Letztes Update am Fr, 28.06.2019 09:20

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„How much is the fish?“: Schau inspiriert von Machokultur



Das Österreichische Kulturforum New York zeigt in diesem Sommer eine Kunstinstallation von Gabriele Edlbauer, Gewinnerin des Erste Bank ExtraVALUE Art Award 2019. „How much is the fish?“ betrachtet die Brüderlichkeit im Zeitalter des Spätkapitalismus durch eine anthropomorphe Linse. „Es soll eine Handlungsaufforderung seien, also Anti-Biedermeier“, erzählt die gebürtige Linzerin der APA.

Der „Bro“ (Kurzform von brother/Bruder) wurde in Subkulturen, Studenten- und Sportverbindungen, im Surfermilieu und Skater-Kreisen kultiviert. Er ist seit mehr als dreißig Jahren ein fester Bestandteil der amerikanischen Kultur und bekannt für seine schamlose, hemmungslose Art. Hypermaskulin und gleichzeitig homoerotisch, entstand er in den 1980er Jahren im Schatten des Feminismus.

In dem verspielten, bunten Raum, den Gabriele Edlbauer im Herzen von Manhattan geschaffen hat, versammeln sich vier weiße Skulpturen männlicher Körper mit „tierischen“ Köpfen, die denen von Ameisenbären oder Elchen ähneln und Titel wie „Finanzhai“ tragen. Eines verbindet die Skulpturen: sie angeln nach Fischen. Umgeben von kleinen Pools und Kübeln zeigen die Figuren stolz die Trophäen einer Angeltour. Einer reitet auf einer Banane. Auf den ersten Blick ist es eine idyllische Bro-Szene, dabei schwingen dunklere Untertöne einer Machokultur mit.

„Es ist unklar, ob diese Figuren einem unschuldigen Hobby oder einem gewissen Jägerstolz nachgehen“, sagt Edlbauer. Also ob es sich um eine Gruppe von Kumpels handelt, die einfach herumalbern, oder ob es sich vielleicht nicht doch um eine Gruppe fragwürdiger Männer handelt. Immerhin verteidigt der amtierende US-Präsident seine frauenverachtenden Aussagen in Umkleidekabinen nonchalant als ganz normalen „locker room talk“.

Gabriele Edlbauers Installation fordert die Besucher dazu auf, sich mit komplizierten Gefühlen und traditionellen Vorstellungen auseinanderzusetzen. „Man soll sich auf ein Chaos von verrutschten Symbolen einlassen“, so die 31-Jährige. Mit Hilfe der in Wien lebenden US-Künstlerin Julia Goodman hat Edlbauer auch ein Comic-Wandgemälde mit dem Titel „Bromance is a Ticket to Paradise II“ geschaffen, das eine zweite brüderliche Angelszene darstellt, und quasi mit den Skulpturen „kommuniziert“. In einem Boot hocken vier New Yorker Ikonen aus der Finanz- und Sportwelt: Charging Bull, Wolf of Wall Street, Mr. Met und Sparky the Dragon, das Maskottchen einer New Yorker Eishockey-Mannschaft. Das Bild scheint nach Machokultur und Geld zu stinken. Ob ihre Installation als Kritik an Machismos zu verstehen ist? „Es ist eher so, dass sie einen dazu auffordert, sich diese komplizierten Strukturen anzuschauen: Sie macht es einem schwer nur kritisch zu sein, indem sie ja doch niedlich ist“, sagt die Künstlerin.

Für den Titel ihrer ersten Einzelausstellung in New York City ließ sich die Künstlerin, die an der Universität für angewandte Kunst unterrichtet, von dem gleichnamigen Hit der deutschen Technoband Scooter inspirieren. Sie hat die Ausstellung zunächst kreiert ohne an den mehr als zwanzig Jahre alten Song zu denken, sagt sie, aber er hat dann „wie die Faust aufs Auge gepasst“. Viele New Yorker werden das Lied vielleicht nicht kennen, aber wenn wir es hören, dann läuft vielleicht dem ein oder anderen bei der Erinnerung an die Neunziger Jahre ein Schauer über den Rücken.

Natürlich gibt es einen Elefanten im Raum. Die Idee, die hier mitschwingt, sagt Edlbauer, ist: „Indem sie abwesend sind, stellt sich natürlich die Frage: wo sind denn die Frauen?“

Der Erste Bank ExtraVALUE Art Award, eine Kooperation zwischen dem Österreichischen Kulturforum New York, Studio das weisse haus und der Erste Bank, wurde 2016 ins Leben gerufen und ermöglicht es einem aufstrebenden Künstler oder einer Künstlerin pro Jahr, seine oder ihre Arbeiten in New York City auszustellen.




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