Letztes Update am Fr, 28.06.2019 10:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Letzte Pfeiler von Unglücksbrücke in Genua gesprengt



Zehn Monate nach dem verheerenden Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua mit 43 Todesopfern sind am Freitagvormittag die zwei noch stehenden Pfeiler gesprengt worden. Drei Mal läutete eine Sirene vor der Explosion, die um 9.38 Uhr erfolgte. Tausende Kubikmeter Stahl und Beton brachen in sechs Sekunden ein, die Brückenpfeiler stürzten zu Boden.

Tausende Menschen, die den Einsturz verfolgten, applaudierten, als die Brückenteile gesprengt waren. Eine große Staub- und Rauchwolke stieg hoch. Die Explosion wurde auch von den beiden Vizepremiers Matteo Salvini und Luigi Di Maio beobachtet.

3.000 Menschen mussten zuvor ihre Wohnungen, die bis zu einem Radius von 300 Metern von der Brücke entfernt liegen, verlassen, mehrere Straßen wurden gesperrt. Alle Häuser der Umgebung wurden kontrolliert, um sicher zu sein, dass sich niemand mehr darin befindet. Die Explosion erfolgte dann mit einigen Minuten Verspätung, da zunächst befürchtet worden war, dass sich ein Pensionist in seiner Wohnung verbarrikadiert hatte.

Die viel befahrene, fast 1.200 Meter lange Morandi-Brücke war auf einer Länge von 200 Metern eingestürzt. 43 Menschen kamen ums Leben, darunter vier Kinder. Dutzende Menschen wurden verletzt und zahlreiche Anrainer mussten in der Folge ihre Häuser räumen.

Experten hatten nach dem Unglück erklärt, der Einsturz sei wegen der vielen baulichen Mängel an der Spannbetonbrücke vorhersehbar gewesen. Die italienische Justiz ermittelt in dem Fall gegen eine Reihe von Beschuldigten und gegen die Betreiberfirma Autostrade per l‘Italia (Aspi).

Am Dienstag war im Beisein von Verkehrsminister Danilo Toninelli das erste Beton-Fundament der neuen Brücke gegossen worden, die nach einem Plan des Stararchitekten Renzo Piano gebaut wird. Sie soll im Frühjahr 2020 ihrer Bestimmung übergeben werden. „Wir werden der Stadt Genua bald ihre Brücke zurückgeben“, twitterte der italienische Premier Giuseppe Conte.




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