Letztes Update am Fr, 28.06.2019 11:02

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alfred Weidinger wird neuer Chef im Oö. Landesmuseum



Alfred Weidinger wird der neue wissenschaftliche Leiter des Oberösterreichischen Landesmuseums. Der derzeitige Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig kehrt damit in sein Geburtsland zurück. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) kündigte bei seiner Vorstellung am Freitag in Linz die Ausgliederung des Landesmuseums und des OÖ. Kulturquartiers in eine eigenständige Gesellschaft an.

Weidinger (58) wurde unter sieben konkreten Bewerbungen und bei einem Hearing von drei Kandidaten durch eine Begutachtungskommission unter Beteiligung der Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien Sabine Haag am Donnerstag erstgereiht. Er wird seine neue Funktion mit März 2020 antreten. Bis dahin versichert er: „Ich werde meinen Vertrag in Leipzig zu 100 Prozent erfüllen. Es ist nicht meine Art jemand hängen zu lassen“.

„Es geht um die Zukunft“, nannte Weidinger in der Pressekonferenz als „Übertitel“ seiner künftigen Amtszeit. Er hätte die Aufgabe, ein Universalmuseum wie in Oberösterreich zu leiten, vor 15 Jahren nicht angenommen, betonte er. Aber die Situation habe sich verändert. Die Zeit der klassischen Kunstmuseen sei vorbei, sie seien ein „Auslaufmodell“, ein „Museumsmuseum“. Er wolle das Universalmuseum, das gut kontextualisieren könne, zu einem Museum der Zukunft machen und es „dorthin führen, wo es hingehört: ins 21. Jahrhundert“ - interdisziplinär, weltoffen, demokratisch, partizipativ. Es solle ein Erlebnis bieten und zu einem Museum für alle Generationen werden, nicht nur für Pensionisten oder nur für Zielgruppen.

Alfred Weidinger wurde 1961 in Schwanenstadt geboren und ist in Seewalchen am Attersee (beides Bezirk Vöcklabruck) aufgewachsen. Er studierte Kunstgeschichte und klassische Archäologie an der Universität Salzburg, wo er 1997 promovierte. Bereits während des Studiums erstellte er im Auftrag der Albertina und des Wissenschaftsministeriums Werk-Kataloge zu den Arbeiten von Oskar Kokoschka und Gustav Klimt. Ab 1994 wurde er Kurator für die Kunst des 20. Jahrhunderts in der Albertina und verwirklichte zahlreiche internationale Ausstellungsprojekte, ab 2000 war er Vizedirektor. 2007 wurde er Vizedirektor im Belvedere. Im Sommer 2017 wechselte er als Direktor in das Museum der bildenden Künste Leipzig, das er schon in ein „Haus für alle Generationen“ umprogrammierte - heuer sollen sich dort die Besucherzahlen nahezu verdoppeln.

Auch wenn er in Linz erst im März 2020 Chef wird, ist er ab sofort in alle Entscheidungen eingebunden - „eine Übergangsphase“, wie Stelzer betonte. Denn unter der Federführung des OÖ. Landesholding und auch unter Einbindung der Personalvertretung soll die Ausgliederung des Landesmuseums und des OÖ. Kulturquartiers in eine eigenständige Gesellschaft betrieben werden. Konkretes werde in den kommenden Monaten erarbeitet. Aber das Landesmuseum habe „das Potenzial ein Besuchermagnet zu sein“. Für die bereits bestehenden Mitarbeiter soll sich nichts ändern: „Sie werden Landesbedienstete bleiben“, sicherte Stelzer zu. Das Land soll zudem Eigentümer der Liegenschaften, Sammlungen und Rechte der Museen bleiben.

Die frühere Direktorin Gerda Ridler hatte ihr Dienstverhältnis mit dem Land Anfang 2018 einvernehmlich vorzeitig aufgelöst. Hintergrund war die angedachte Neupositionierung der einzelnen Kulturinstitute und Häuser des Landes. Als Interimsdirektoren fungieren seither Bernhard Prokisch und Walter Putschögl. Das Landesmuseum zählt mit 14 Standorten, einem Jahresbudget von 5,3 Millionen Euro und rund 19 Millionen Exponaten zu den größten Universalmuseen Österreichs.




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