Letztes Update am Fr, 28.06.2019 12:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zwei Migranten konnten Schiff „Sea-Watch 3“ verlassen



Während noch keine Lösung für die 42 Migranten an Bord des Rettungsschiffes „Sea-Watch 3“ vor der süditalienischen Insel Lampedusa in Sicht ist, konnten in der Nacht auf Freitag zwei Flüchtlinge an Land gehen. Ein 19-Jähriger mit starken Schmerzen und sein minderjähriger Bruder konnten die „Sea-Watch 3“ verlassen, kündigte die Crew per Twitter an.

„Wir können nicht warten, bis jeder Einzelne ein Notfall ist, damit die EU ihre Rechte anerkennt“, sagte die deutsche Kapitänin Carola Rackete. Sie bemängelte, dass Italien und die EU die Migranten in Stich gelassen hätten. Die Nacht an Bord verbrachten einige Parlamentarier der oppositionellen Demokratischen Partei (PD), die am Donnerstag mit einem Schlauchboot die „Sea-Watch 3“ erreicht hatten.

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte laut Medienangaben, er werde nur dann die Genehmigung für die Landung der Migranten erteilen, wenn sie von anderen EU-Ländern aufgenommen werden. Salvini forderte die Festnahme oder die Ausweisung der Crew und die Konfiszierung des Schiffes.

Einige EU-Länder sind nach Angaben des italienischen Premiers Giuseppe Conte zur Aufnahme der 40 Migranten bereit. „Drei oder vier Länder sind zur Migrantenaufnahme bereit. Die Umverteilungsprozedur ist in die Wege geleitet worden“, so Conte am Rande des G-20-Gipfels im japanischen Osaka am Freitag. Conte sprach in Osaka mit dem niederländischen Premier Mark Rutte und machte Druck für die Aufnahme der Migranten. Die „Sea-Watch 3“ ist mit niederländischer Flagge unterwegs. Rutte erklärte, sein Land sei nicht für das Verhalten einzelner Personen zuständig, berichtete Conte.

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Seit Mittwoch befindet sich das Schiff in italienischen Gewässern vor Lampedusa, aber die italienischen Behörden haben das Schiff gestoppt und verhindern ein Anlegen. Die Situation an Bord ist laut der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, die das Schiff betreibt, dramatisch. Dennoch will die italienische Regierung keine Landung erlauben. Sie hatte vor zwei Wochen ein umstrittenes Sicherheitsdekret beschlossen, wonach Kapitäne, Eigentümer und Betreiber von Flüchtlingsschiffen mit bis zu 50.000 Euro Strafe sowie der strafrechtlichen Verfolgung wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie mit Beschlagnahme der Schiffe rechnen müssen, wenn für die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer keine Genehmigung vorliegt.

Die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Agrigent hat Ermittlungen gegen die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ aufgenommen. Der Vorwurf lautet auf Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts, berichteten italienische Medien. Die Kapitänin hatte das Schiff mit 42 Migranten an Bord trotz italienischen Verbots vor Lampedusa geführt.

Die Kapitänin berichtete, dass die Lage an Bord sehr schwierig sei. Sie fürchte, dass die schwer belasteten Menschen an Bord sich selbst verletzen könnten, um zu bewirken, auf Lampedusa medizinisch versorgt zu werden. Wasser und Lebensmittel an Bord seien zwar knapp, problematischer sei jedoch die psychologische Lage der Migranten, sagte Rackete im Gespräch per Skype mit ausländischen Journalisten in Rom am Freitag.

Wegen der drohenden Strafen hat die NGO Sea-Watch in den vergangenen Tagen über Facebook zu Spenden aufgerufen und laut Medienangaben bereits über 220.000 Euro für mögliche Anwaltsko562sten gesammelt. Die italienische Sprecherin der NGO, Giorgia Linardi, bedankte sich am Donnerstag für die eingegangenen Spenden. „Das verdanken wir Salvinis Verhalten“, kommentierte Linardi.




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