Letztes Update am Fr, 28.06.2019 15:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst ernannte Administrator für Diözese Gurk-Klagenfurt



Papst Franziskus hat am Freitag Militärbischof Werner Freistetter zum Administrator der Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt. Die Bestellung sei für ihn überraschend gekommen, sagte Freistetter in einer ersten Reaktion. Kardinal Christoph Schönborn sah eine „gute Interimslösung“. Der abgesetzte Administrator Engelbert Guggenberger sprach von einem hilflosen Versuch, einen unbequemen Mahner loszuwerden.

Freistetter hat damit Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger abgelöst, der sein Amt am 2. Juli vergangenen Jahres angetreten hat, er war vom Domkapitel gewählt worden. Nun wurde er knapp vor dem ersten „Jahrestag“ abgelöst. Hätte er die Diözese länger als ein Jahr interimistisch geleitet, wären ihm mehr Kompetenzen zugebilligt worden. Guggenberger hatte sich mit seinem Wirken nicht nur Freunde gemacht, sowohl durch seinen Umgang mit der Affäre rund um Bischof Schwarz, gegen den die Justiz ermittelt, und seine Offenheit bezüglich sämtlicher Entscheidungen seiner Amtszeit. So informierte er die Öffentlichkeit auch gegen den Willen des Vatikans. Im Frühjahr gab es eine päpstliche Visitation durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Dessen Bericht liegt in Rom, dort wird er derzeit noch bearbeitet. Der Inhalt ist nicht bekannt.

Freistetter sagte am Freitag, seine Aufgabe als Administrator sei es, die Amtsgeschäfte so lange fortzuführen, bis ein neuer Bischof durch den Papst ernannt worden sei. Der gebürtige Oberösterreicher will zuallererst einmal viele Gespräche führen, um die Menschen in der Diözese kennenzulernen, kündigte der 65-Jährige an. Militärbischof bleibt er.

Kardinal Schönborn bezeichnete die Bestellung als „gute Interimslösung auf dem Weg der Heilung in der Diözese Gurk“. Schönborn: „Bischof Freistetter kommt nicht mit schweren Waffen nach Kärnten, sondern ist von seiner fachlichen Qualifikation und Erfahrung gewöhnt, Friedensprozesse zu begleiten“, sagte der Wiener Erzbischof. Er sprach von einer „nicht einfachen Aufgabe“, die aber voraussichtlich nicht sehr lange dauern werde. Er habe die Zusage vom Nuntius und aus Rom, dass die Ernennung eines neuen Bischofs zügig erfolgen werde, sagte Schönborn und betonte, Freistetter sei „kein Probebischof für Kärnten“. Der Kardinal meinte auch, er respektiere und anerkenne das Bemühen von Diözesanadministrator Guggenberger um Klarheit und Transparenz und fügte hinzu: „Gleichzeitig sehe ich in der Ernennung eines apostolischen Administrators das Bemühen um Beruhigung in der Diözese.“

Guggenberger selbst bezeichnete seine Absetzung als „hilflosen Versuch, sich eines unbequemen Mahners zu entledigen“. Er bekräftigte seine Vorwürfe gegen den jetzigen St. Pöltener Bischof Alois Schwarz. Dieser habe der Kirche und dem Bischofsamt schweren Schaden zugefügt und die Glaubwürdigkeit der Kirche und deren Amtsträger nachhaltig beschädigt.“ Seine Absetzung sei nicht nur aus seiner Sicht ein hilfloser Versuch, sich eines unbequemen Mahners zu entledigen.

Man werde erst zu einem guten Ende kommen, wenn auch die „kirchlich übergeordneten Stellen in Wien und Rom sich der Realität stellen, Fakten anerkennen und dann auch entsprechenden Konsequenzen ziehen“. Sowohl Kardinal Christoph Schönborn als auch Erzbischof Franz Lackner hätten öffentlich davon gesprochen, dass es personelle Konsequenzen geben müsse. „Wenn meine Absetzung nun die Einlösung dieser Ankündigung ist, dann werden dadurch nur noch mehr Fragen aufgeworfen, denn die im Raum stehenden Vorwürfe bleiben von den kirchlich übergeordneten Stellen weiterhin unbeantwortet“, so Guggenberger. Der Kirche warf er vor, auf Probleme mit „Verleugnen, Vertuschen und Unter-den-Teppich-Kehren“ zu reagieren.




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