Letztes Update am Sa, 29.06.2019 14:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Sea-Watch 3“-Kapitänin im Hafen von Lampedusa festgenommen



Nach wochenlangem Tauziehen hat das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Nach dem Festmachen sei die deutsche Kapitänin Carola Rackete festgenommen worden, teilte die Hilfsorganisation Sea-Watch am Samstag mit. Die 40 Migranten sind mittlerweile von Bord gegangen und registriert worden.

Rackete wird vorerst auf Lampedusa unter Hausarrest gestellt. Die Deutsche gab eine Wohnung auf Lampedusa als Domizil an, wie italienische Medien berichteten. Der 31-jährigen Kapitänin drohen zwischen drei und zehn Jahren Haft, weil sie Gewalt angewendet habe, um das Schiff in den Hafen von Lampedusa zu bringen. Ihr wird auch Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Das Schiff wurde von der Polizei beschlagnahmt. Der Kapitänin und der deutschen NGO Sea-Watch droht eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini warf der Kapitänin des Migrantenrettungsschiffes „Sea-Watch 3“, Carola Rackete, „kriminelles Verhalten“ vor. Sie habe unter anderem das Leben von Zollpolizisten aufs Spiel gesetzt.

Das italienische Zollboot habe versucht, das Rettungsschiff vom Anlegen abzuhalten, es hatte dann aber ausweichen müssen. Dabei sei knapp ein Zusammenstoß mit der „Sea-Watch 3“ abgewendet worden, das Motorboot wurde leicht beschädigt, berichteten italienische Medien.

„Rackete hat dies alles getan, während Parlamentarier der Opposition, darunter Ex-Verkehrsminister Graziano Delrio, an Bord des Schiffes waren. Unglaublich“, kommentierte der rechte Politiker Salvini laut Medienangaben.

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Kapitänin habe „genau das Richtige getan“. Rackete habe das Seerecht eingehalten und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht. Die 31-Jährige hatte am Mittwoch trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert. Auf Anweisung der Polizei musste das Schiff aber rund eine Seemeile vor dem Hafen stoppen. Rackete gab an, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen an Land gebracht worden.

Die Migranten wurden in ein Flüchtlingslager der süditalienischen Insel gebracht, berichtete die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI am Samstag. Sie stiegen in Fahrzeuge ein, die sie zum Flüchtlingslager brachten. Vor der Landung umarmten die Migranten die Crewmitglieder des Rettungsschiffes der NGO Sea-Watch, mit denen sie 16 Tage lang an Bord verbrachten.

Aktivisten von Menschenrechtsorganisationen feierten im Hafen von Lampedusa die Landung der Migranten. Eine Gruppe von Anrainern beschimpften die Crewmitglieder der „Sea-Watch 3“. Parlamentarier der oppositionellen Demokratischen Partei (PD) attackierten die italienische Regierung, die dem Rettungsschiff mehr als zwei Wochen verweigert hatten, in einen Hafen einzulaufen.

Noch unklar ist, was im Weiteren mit den Migranten geschieht. Fünf Länder - Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Finnland und Portugal - haben sich laut Angaben des italienischen Außenministeriums bereit erklärt, jeweils ein paar der Migranten aufzunehmen.

EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos bestritt unterdessen, dass Brüssel Italien im Umgang mit der Migrationsproblematik im Stich gelassen habe. „Leider denken einige EU-Mitgliedstaaten, das was an der italienischen Küste geschieht, nicht ihr Problem ist. Das ist falsch, denn die italienische Grenze ist die gemeinsame EU-Außengrenze“, sagte Avramopoulos im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ (Samstagsausgabe). Er dankte den fünf EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Portugal und Finnland, die sich zur Aufnahme der jüngsten „Sea-Watch 3“-Migranten bereit erklärt haben“, so Avramopoulos.




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