Letztes Update am Sa, 29.06.2019 21:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ferrari-Youngster Leclerc sicherte sich Spielberg-Pole



Ferrari-Zukunftsaktie Charles Leclerc hat sich nach zwei Trainingsbestzeiten auch im Qualifying für den Grand Prix von Österreich als schnellster Mann erwiesen. Der Monegasse verwies am Samstag den amtierenden Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes um 0,259 Sekunden auf Platz zwei. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton musste eine Strafe von drei Startplätzen hinnehmen.

Hinter dem Briten landeten Max Verstappen im Red Bull sowie Valtteri Bottas im zweiten „Silberpfeil“. „Come on, Baby!“, freute sich Leclerc noch in seinem Wagen. Für den 21-Jährigen war es die zweite Pole nach jener in Bahrain in diesem Jahr. Sein Ferrari-Kollege Sebastian Vettel erlebte hingegen ein Fiasko. Wegen eines Problems mit der Luftdruck-Verbindung zum Motor, wie es von der Scuderia offiziell hieß, konnte der Deutsche im letzten Quali-Abschnitt nicht mehr auf die Strecke.

„Es fühlt sich gut an, aber auf der anderen Seite tut es mir leid für das Team wegen dem, was Seb passiert ist“, sagte Leclerc. Sein Teamkollege erklärte, es habe gegen Ende von Q2 auf einmal ein „Problem mit der Pneumatik“ gegeben. „Die Jungs haben dann alles probiert. Aber leider ist am Schluss noch eine Verbindung kaputt gegangen.“

Leclerc, der noch kein Formel-1-Rennen gewonnen hat, sorgte mit seiner Q3-Zeit von 1:03,003 Minuten für die schnellste bisher gedrehte Runde auf dem Red Bull Ring. Den offiziellen, im Rennen aufgestellten Rundenrekord hält Räikkönen. Der 39-Jährige umrundete den Red Bull Ring im Vorjahr noch im Ferrari-Cockpit in 1:06,957 Minuten. Im Alfa Romeo kam Räikkönen am Samstag auf den siebenten Platz - sein bestes Quali-Resultat heuer.

Ferrari rechnet sich beim Österreich-Grand-Prix größere Chancen auf den Sieg aus als in der Vorwoche in Le Castellet. Auf der kurzen Strecke im Murtal kommt es mehr auf den Geraden-Speed an, diesbezüglich hat die Scuderia in der Saison 2019 einen Vorteil gegenüber Mercedes. „Das ist nicht so gut gelaufen, aber das muss man nehmen“, erklärte Mercedes-Teamboss Toto Wolff. „Wir wussten, dass es ganz schwierig wird, weil uns einfach die Power fehlt.“

Die Ferrari nahmen die Topzeiten mit den weicheren Reifen in Angriff, während die Konkurrenz auf Medium setzte. „Nachdem, was wir im zweiten Freien Training probiert haben, sind wir sehr zufrieden mit der Wahl, daher werden wir das morgen auch probieren“, erklärte Leclerc, der Lob von Lewis Hamilton bekam. „Gratulation an Charles. Er war das ganze Wochenende schnell.“ Erstmals in dieser Saison stehen Autos von drei verschiedenen Teams auf den ersten drei Positionen. „Das ist ziemlich cool“, meinte der englische Fünffach-Champion.

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton musste eine Strafe von drei Startplätzen hinnehmen. Der Brite hatte den Finnen Kimi Räikkönen mit einem gefährlichen Manöver behindert, entschieden die Stewards etwa zwei Stunden nach dem Qualifikationstraining. Vom Finnen im Alfa Romeo gab es dafür zu Beginn der Qualifikation sogar den Mittelfinger. Hamilton muss somit am Sonntag von Platz vier aus ins Rennen gehen. „Ich verdiene die Strafe heute total“, schrieb der Mercedes-Star später in einer Instagram-Story. „Es war ein Fehler von mir und ich übernehme die volle Verantwortung. Es war keine Absicht dahinter. Wie auch immer, morgen ist ein neuer Tag und eine neue Chance, um wieder aufzustehen.“ Hamilton, der die zweitbeste Zeit hinter Pole-Mann Charles Leclerc markiert hatte, kassierte auch einen in seiner Lizenz wirksamen Strafpunkt.

Hamilton war vor dem Zwischenfall im Q1 zunächst langsam unterwegs gewesen, beschleunigte dann jedoch plötzlich und verließ in der Kurve die Strecke, als Räikkönen hinter ihm mit höherer Geschwindigkeit heranfuhr. „Ich bin von der Bremse gegangen, um ihm aus dem Weg zu gehen, da ich ihn nicht in der Kurve treffen wollte“, erklärte Hamilton. „Ich glaube nicht, dass das der Fall war, aber es hat ihn vielleicht etwas beeinträchtigt. Ich wusste nicht, dass ein Auto von hinten ankam, deshalb war es nicht so einfach.“

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff nahm die Strafe ohne Kritik hin. „Das Regelbuch besagt, dass man, wenn man jemanden behindert und das klar ist, drei Plätze nach hinten muss“, sagte der Wiener. Zwar verteidigte er seinen Piloten auch: „Ich denke, es ist nicht der Fehler des Fahrers, weil er ihn nicht gesehen hat.“ Dennoch stand für ihn fest: „Aus unserer Sicht ist die Strafe zu akzeptieren.“

Die Sanktion hatte zur Folge, dass Vorjahressieger Max Verstappen ausgerechnet beim Red-Bull-Heimrennen in der Steiermark erstmals in dieser Saison in der ersten Startreihe stehen wird. Der Niederländer wird mit seinem Red Bull auf dem zweiten Platz neben Ferrari-Jungstar Leclerc Aufstellung nehmen, hinter ihm folgen Valtteri Bottas im zweiten Mercedes und McLaren-Rookie Lando Norris. Vettel müsste am Sonntag vorbehaltlich von weiteren Strafen voraussichtlich nur vom neunten Startplatz aus ins Rennen gehen. Insgesamt waren am Samstag gleich sechs Piloten wegen diverser Vergehen oder Austausch von Technikteilen an ihren Autos von Rückversetzungs-Strafen in der Startaufstellung betroffen.

Die Chance, dass Mercedes am Sonntag den neunten Sieg im neunten WM-Rennen 2019 beziehungsweise den insgesamt elften in Serie feiert, ist somit deutlich gesunken. Hamilton hat in dieser Saison sechs von acht Läufen gewonnen, sein Teamgefährte Bottas zwei. Der bisher letzte Sieg eines Piloten eines anderen Rennstalls datiert vom 28. Oktober 2018, als Verstappen in Mexiko triumphierte.

Verstappen, der wegen der Armada von niederländischen Fans am meisten Applaus bekam, freute sich über seine Platzierung. „Ich bin natürlich echt glücklich im Moment. Für uns ist das ein wunderbares Ergebnis auf dieser Strecke, die nicht einfach für uns ist“, sagte der 21-Jährige. Red-Bull-Konsulent Helmut Marko zeigte sich sehr zufrieden. „Die Ferrari waren außer Reichweite, aber die waren mit dem Soft unterwegs.“ Aufgrund der erwarteten höheren Temperaturen am Sonntag sei der Medium-Reifen zu Beginn jedoch die bessere Option, glaubte der Steirer.

Eine gefährliche Situation hatte Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat im Q1 zu überstehen. Auf einer schnellen Runde fuhr der Russe beinahe auf den sich sehr langsam in die Boxeneinfahrt bewegenden Williams von George Russell auf. Im letzten Moment verhinderte Kwjat einen schlimmen Unfall. Am Ende war er dennoch der Leidtragende, da er mit seiner Rundenzeit ausschied.

Aufgrund von Strafen für einige Fahrer wegen des Tauschs von Motorenteilen oder Getriebe wurde die Startaufstellung später noch gehörig durcheinandergewirbelt. Die endgültige Startaufstellung steht wie immer erst am Sonntag kurz vor dem Rennen fest.




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