Letztes Update am So, 30.06.2019 10:07

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trump betrat als 1. US-Präsident nordkoreanischen Boden



Als erster amtierender US-Präsident hat Donald Trump nordkoreanischen Boden betreten. An der innerkoreanischen Grenze vollzog er am Sonntag einen historischen Handschlag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Bei dem Treffen sagte Trump, er wolle Kim nun auch ins Weiße Haus nach Washington einladen. Kim sagte, er hätte nicht erwartet, Trump jemals an der innerkoreanischen Grenze zu treffen.

Trump betonte mehrmals sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim, dem er zuvor bereits zweimal bei Gipfeltreffen in Singapur und Hanoi begegnet war. „Wir mochten uns vom ersten Tag an“, sagte Trump im Grenzort Panmunjom.

Trump hatte das Treffen angeblich in einer spontanen Einladung erst am Vortag via Twitter initiiert. „Gestern habe ich mir so gedacht: Hey, wir sind hier, lasst uns treffen“, hatte Trump kurz vor dem Treffen gesagt. Dann habe er seine Twitter-Nachricht herausgegeben. „Nur Händeschütteln und Hallo sagen“, sagte Trump. In der Folge gab es eine hektische Last-Minute-Diplomatie, die offenbar zur Akzeptierung der Einladung seitens Nordkoreas geführt hat.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in, der Trump in die entmilitarisierte Zone, nicht aber zum Handschlag mit Kim begleitete, hatte die Pläne für ein kurzes Treffen („zwei Minuten“) mit Kim als Ereignis von hoher Symbolkraft begrüßt. Ein Treffen zwischen Trump und Kim wäre ein „bedeutender Meilenstein“, hatte Moon gesagt. Er könne fühlen, „dass die Blume des Friedens auf der koreanischen Halbinsel“ blühe.

Die entmilitarisierte Zone (DMZ) trennt Süd- und Nordkorea seit ihrem Bruderkrieg (1950-53) auf vier Kilometern Breite und etwa 250 Kilometern Länge. Trump und Moon wollen Angaben des Weißen Hauses zufolge ihre Anstrengungen fortsetzen, eine vollkommen überprüfbare atomare Abrüstung Nordkoreas zu erreichen. Außerdem sollen die Beziehungen zwischen den USA und Südkorea gestärkt werden.

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim im Februar in Vietnam gibt es keine Fortschritte im Atomstreit mit Nordkorea. Beide Seiten konnten in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Pjöngjangs und Gegenleistungen der USA keine Einigung erzielen. Von ihrem ersten Gipfel in Singapur im Jahr 2018 waren hoffnungsvolle Signale ausgegangen. Kim hatte seine Bereitschaft zu einer „kompletten Denuklearisierung“ bekräftigt. Doch gibt es bisher keine konkreten Zusagen, bis wann die kommunistische Führung in Pjöngjang ihr Atomwaffenarsenal abrüsten will.

Die USA verlangen von Nordkorea den Verzicht auf Atomwaffen, Nordkorea will die Aufhebung von Sanktionen. Noch vor wenigen Tagen hatte Nordkorea im Atomstreit mehr Entgegenkommen von den USA gefordert. Das Zeitfenster für neue Gespräche schrumpfe.

Experten sind skeptisch, ob das kurze Treffen an der Grenze dazu beigetragenen kann, die Verhandlungen über Nordkoreas Atomprogramm voranzutreiben. Es handle sich um „eine Begegnung für die Kameras und ohne Tagesordnung“, sagte der US-Politikwissenschaftler Joshua Pollack. Um Bewegung in den Konflikt zu bringen, sei mehr nötig als ein weiterer Handschlag und die kurzen Briefe, die sich Trump und Kim regelmäßig schreiben.




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