Letztes Update am Mo, 01.07.2019 09:15

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mindestens 65 Verletzte bei schwerer Explosion in Kabul



Bei der Explosion einer Autobombe in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montag mindestens 65 Menschen verletzt worden. Ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, sagte, dass nach der Explosion mehrere Angreifer ein Gebäude gestürmt hätten. Die Gegend, in der sich unter anderem Militär- und Regierungsgebäude befinden, wurde abgeriegelt. Der Einsatz dauere an.

Rettungskräfte würden die Verwundeten in Krankenhäuser bringen, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wadihullah Mayar, im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Er warnte, die Opferzahl könne noch steigen.

Das Ziel der Explosion war zunächst unklar. Der afghanische Fußballverband, der seinen Sitz ebenfalls in der Gegend hat, erklärte, die Explosion habe sich in der Nähe seines Gebäudes ereignet. „Einige unserer Kollegen sind im Inneren eingeschlossen, wir haben Berichte über einige Verletzte“, sagte ein Sprecher. Es sei unklar, ob die Angreifer in das Gebäude eingedrungen seien.

In der Nähe des Explosionsortes befindet sich auch der Sender Shamshad TV, der sein Programm kurzzeitig unterbrach. Anschließend wurden Bilder der Räumlichkeiten des Senders gezeigt, die stark beschädigt waren. Unter anderem waren zerborstene Fensterscheiben zu sehen. Der Sender war aber nach eigenen Angaben nicht das Ziel. Lokale Medien berichteten, dass sich in der Nähe des Anschlagortes eine Logistikeinrichtung der afghanischen Militärs befinde.

Ein Mitarbeiter eines Regierungsgebäudes in der Nähe des Anschlagsortes, der bereits mehrere Anschläge in dem Viertel miterlebte, sprach von einer sehr starken Explosion. Das Fenster hinter ihm sei auf seine Schultern gefallen. „Ich dachte, das ist der letzte Tag meines Lebens“, sagte er. „Leben in Afghanistan ist ein Glücksspiel.“

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu der Explosion. In Kabul sind sowohl die radikalislamischen Taliban als auch die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) aktiv.

Die Explosion ereignete sich zwei Tage nach Beginn der neuen Verhandlungsrunde zwischen den Taliban und den USA in Katar. In einem Friedensabkommen soll ein Abzug der US-Streitkräfte nach mehr als 17 Jahren im Land vereinbart werden.

Im Gegenzug müssten die Taliban Garantien dafür geben, dass das Land nie wieder Rückzugsgebiet für islamische Extremisten wird, wie dies vor den Anschlägen vom 11. September in den USA der Fall war. Die USA streben einen Durchbruch bei den Verhandlungen bis Ende August an. Im September sollen in Afghanistan Präsidentschaftswahlen stattfinden.




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