Letztes Update am Di, 02.07.2019 11:55

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konrad „mit rausgestreckter Brust“ zur Tour de France



Im Trikot des Staatsmeisters und nach dem dritten Platz in der Tour de Suisse voller Selbstvertrauen nimmt Patrick Konrad am Samstag die Tour de France in Angriff. Der Siebente des Giro d‘Italia 2018 ist im Bora-Team so wie der Deutsche Emanuel Buchmann für die Gesamtwertung vorgesehen. Ein Top-Ten-Platz im wichtigsten Radrennen des Jahres ist das erklärte Ziel.

Erstmals seit den Zeiten des Teams Gerolsteiner zu Beginn des Jahrtausends setzt ein Rennstall beim Saisonhöhepunkt auf drei Österreicher. Team-Manager Ralph Denk hat große Erwartungen in sein Duo für das Gesamtklassement, Konrad soll an die Leistung und die Platzierung im Giro 2018 anschließen. Während der 27-jährige Niederösterreicher auf den 21 Etappen (3.476 km) ins Rampenlicht fahren will, sind seinen Kollegen Lukas Pöstlberger und Gregor Mühlberger Helferaufgaben zugedacht. Marco Haller startet zum vierten Mal für das Katjuscha-Team, das diesmal voll auf Etappenerfolge setzt.

Konrad hat im Vorfeld seines zweiten Tourstarts nach 2016 auch die für ihn selbst wichtige Bestätigung seiner starken Form geliefert. Dem Podestplatz in der Schweiz folgte am vergangenen Sonntag der erste ÖRV-Meistertitel. „Nach dem Tour-de-Suisse-Podium fahre ich mit rausgestreckter Brust zur Tour“, erklärte Konrad gegenüber der APA. „Und mit dem Meistertrikot zu fahren, macht mich stolz.“

Konrad erwartet Ineos mit Vorjahressieger Geraint Thomas und Egan Bernal auch ohne den verletzten Vierfach-Gewinner Christopher Froome als dominierende Mannschaft. Der Kletterspezialist ist aber optimistisch, dass er trotz großer Konkurrenz das gesteckte Ziel erreicht. „Es ist viel möglich, das Traumszenario wäre, dass Buchmann und ich weit vorne mitfahren.“ Konrad schloss auch nicht aus, selbst die Initiative zu ergreifen. „Ich habe das Niveau, dass man sich was trauen kann, aber es darf keine Harakiri-Aktion sein.“

Die ersten Berge warten auf der 6. Etappe in den Vogesen, nach den Pyrenäen (Bergankunft auf dem Tourmalet/14. Etappe am Tag nach dem einzigen Einzelzeitfahren) fällt in der letzten Woche in den Alpen die Entscheidung. An den zwei Tagen vor der Zielankunft in Paris (28.7.) stehen die Bergankünfte in Tignes und Val Thorens auf dem Programm.

Die Dienste von Pöstlberger und Mühlberger sind an vielen Fronten gefragt. Pöstlberger, der Sieger der Giro-Auftaktetappe von 2017, soll sich um die Klassementfahrer, aber auch um Sprintstar Peter Sagan kümmern. Der dreifache Weltmeister will zum siebenten Mal das Grüne Punkte-Trikot. „Am besten wäre es, allen gleich gut zu helfen. Das wird eine Challenge“, sagte der 27-Jährige. Eigene Ziele hat der Oberösterreicher hintangestellt, er soll in der Sprintvorbereitung von fünf bis drei Kilometer vor dem Ziel für hohes Tempo sorgen. „Wenn dann ein Teamkollege gewinnt, freut man sich so mit, als ob man selbst gewonnen hätte“, betonte Pöstlberger. Die Stars wüssten, was sie an ihren Helfern im Teamsport Radfahren hätten.

Mühlberger soll als starker Kletterer die Chefs in den Bergen möglichst lange unterstützen. „Es kann viel passieren, daher ist es gut, dass wir zwei Kapitäne haben“, sagte der 25-Jährige. Eigene Ziele bleiben vorerst im Hintergrund. „Aber vielleicht ergibt sich eine Situation, dass ich meine Chance ergreifen kann.“

Haller ist einer der größten „Kilometerfresser“ im Feld der 176 Radprofis. Der Kärntner hat heuer schon den Giro d‘Italia absolviert und wird am Samstag zum Tour-Auftakt an seinem 60. Renntag die Marke von 10.000 Rennkilometern 2019 überschreiten. „Das ist ein ordentliches Programm“, meinte Haller untertreibend. „Aber wichtig ist, dass mir Radfahren richtig viel Spaß macht.“

Sein Team setzt diesmal auch mit dem Russen Ilnur Sakarin, den Haller beim 10. Giro-Rang unterstützt hatte, ausschließlich auf Etappenerfolge. „Somit öffnen sich ein paar Türen“, erklärte der 28-Jährige vor dem vierten Tour-Start gegenüber der APA. „Ich hoffe, dass ich mich in einer guten Fluchtgruppe zeigen kann.“ Illusionen gibt sich der routinierte Klassiker-Spezialist aber nicht hin. „20 Prozent der Fahrer im Feld haben eine realistische Chance auf einen Etappensieg, alle anderen und auch ich müssen darauf hoffen, dass es nicht programmgemäß läuft.“




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