Letztes Update am Do, 04.07.2019 20:43

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Festspiele stellten „Jedermann“-Neubesetzung vor



Am vierten Tag der gemeinsamen Probenarbeit stellten die Salzburger Festspiele am Donnerstag die Neubesetzung von Michael Sturmingers diesjähriger „Jedermann“-Besetzung vor. In dieser werden die Brüder Tobias Moretti und Gregor Bloeb als Jedermann und Guter Geselle/Teufel nach langer Zeit einmal wieder gemeinsam auf der Bühne stehen.

„Das letzte Mal standen wir, glaube ich, in Felix Mitterers ‚Drachendurst‘ auf der Bühne der Tiroler Volksschauspiele. Er als Rostiger Ritter und ich als Depp“, scherzte Bloeb vor Journalisten. Bloeb spielt sowohl den Guten Gesellen, als auch den Teufel. Die Intimität zwischen Jedermann und seinem Gesellen sei ihm schon vertraut, die zwischen Teufel und Geselle noch nicht ganz, aber man stehe ja noch am Anfang der Proben. Moretti fügte hinzu, dass es manchmal erstaunlich sei, „dass der beste Freund und der Teufel der eigene Bruder sein können.“

Auch Regisseur Michael Sturminger, wie Moretti bereits im dritten Jahr dabei, genießt bereits die Proben. „Da passiert eine Abfolge von Duellen, und dieses Jahr konnte ich in die Besetzung eingreifen und sie nachschärfen. Ich habe hier ein richtiges Wunschensemble“, schwärmt der Regisseur. Die Zusammensetzung sei für ihn ein „Blumenstrauß großartiger Theaterfarben“.

Dazu gehört nicht zuletzt Valery Tscheplanowa, die neue Buhlschaft auf dem Domplatz. „Wenn mir irgendwas bestimmt nie angeboten wird, dann ist es die Buhlschaft“ - zumindest habe sie das noch vor fünf Jahren gesagt, erzählt die in Russland geborene Deutsche. Aber nach all der schweren Literatur und auch vielen Männerrollen genieße sie jetzt das reine Buhlen um den Jedermann. Zwar war sie bereits im vergangenen Jahr in Ulrich Rasches Inszenierung der „Perser“ bei den Festspielen zu sehen, jedoch habe sie es bewusst vermieden, eine Vorstellung des „Jedermanns“ zu besuchen. Auch das Spielen im Freien wird für Tscheplanowa zu einer Premiere, worauf sie sich aber sehr freue.

Auch für andere Neuzugänge in der Besetzung wird die Premiere am 20. Juli zu Premiere auf dem Domplatz (oder dem Festspielhaus, so es das Wetter schlecht meint). Falk Rockstroh ist als Glaube überhaupt zum ersten Mal bei den Festspielen dabei, und auch Tino Hillebrand ist mit Björn Meyer gemeinsam als die Vetter in diesem Jahr Salzburgdebütant. Markus Kofler hat es 2000 immerhin schon einmal an den Tisch der Gesellschaft gebracht und wird diese als Koch heuer erstmals in offizieller Rolle verköstigen. Michael Masula und Helmut Mooshammer waren bereits mit anderen Produktionen zu Gast beim Festival, feiern dieses Jahr aber beide ihren Einstand beim „Jedermann“.

Alles in allem wirkt die Truppe um Sturminger gelassen und freudig. Auch der Regisseur freut sich, dass die Dinge wieder in Bewegung kommen, er das Stück aus neuen Blickwinkeln entdecke und die neuen Ensemblemitglieder eine neue Färbung mitbringen. „Wir wissen aber noch nicht, wo wir landen werden“, so Sturminger. Wenn es nach Tobias Moretti geht, aber hoffentlich auf dem Domplatz. Endlich eine Premiere im Freien erleben zu können, das wäre für den Jedermann ein Herzenswunsch.

Besser als das Wetter hat Moretti jedenfalls den „Jedermann“-Text in der Hand. Auf Bitte des Haymon Verlages hat er seine Arbeit am Werk in einem Buch zusammengefasst, das als „Jedermann in der Übertragung von Moretti“ herausgegeben wurde. Sein Debüt als Autor sei im Prinzip eine Gegenüberstellung seiner Arbeit mit dem Urtext von Hofmannsthal. „Viele Menschen haben gefragt, wo der Text so, wie er in Salzburg momentan gespielt wird, zu finden sei“, so der Neuautor. Die Antwort darauf kann man sich jetzt gedruckt ins Regal stellen.




Kommentieren