Letztes Update am Di, 09.07.2019 02:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Doha-Treffen: Gewalt in Afghanistan soll reduziert werden



Die innerafghanischen Gespräche im Golfemirat Katar haben am Montag die Hoffnung auf Fortschritte im Friedensprozess genährt. Laut der gemeinsamen Erklärung am Ende der von Deutschland und Katar ausgerichteten sogenannten „innerafghanischen Dialogkonferenz“ beabsichtigen die Seiten eine Reduzierung der Gewalt in dem kriegszerrissenen Land.

Angriffe auf religiöse Zentren, Schulen, Krankenhäuser, Bildungszentren, Basare, Wasserdämme oder Arbeitsplätze sollen demnach eingestellt werden. Die Zahl der zivilen Opfer solle auf Null gesenkt werden. Unklar blieb zunächst, ab wann diese Zielsetzung gelten soll und ob die Erklärung bindend ist.

Die sogenannte „innerafghanische Dialogkonferenz“ hatte am Sonntag begonnen. Zu dem Treffen in der Hauptstadt des Golfstaats Katar waren Vertreter der radikalislamischen Taliban sowie aus verschiedenen Regionen des Landes stammende Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft eingeladen worden. Vertreter der Regierung in Kabul waren zwar anwesend, repräsentierten aber nicht offiziell die Regierung von Präsident Ashraf Ghani. Die Taliban lehnen direkte Gespräche mit Ghani ab, den sie als Marionette Washingtons betrachten. Ghanis Regierung nimmt auch nicht an den direkten Gesprächen zwischen den USA und den Taliban teil, die derzeit in Doha stattfinden.

Laut Abschlusserklärung sollen zudem ältere, behinderte und kranke Gefangene freigelassen werden. Frauen wurde die Aufrechterhaltung ihrer Rechte in den Bereichen Soziales, Wirtschaft, Bildung und Kultur „im Rahmen der islamischen Werte“ zugesichert. Laut dem Teilnehmer Nader Naderi weigern sich die Taliban aber, die breiter gefassten internationalen Verpflichtungen Afghanistans anzuerkennen, insbesondere jene im Bereich Frauenrechte.

Der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network wies darauf hin, dass es sich bei der Dialogkonferenz um keine formellen Verhandlungen gehandelt habe. Das Ergebnis sei daher „wohl kaum“ bindend, sondern eher als Absichtserklärung zu werten, an der die Unterzeichner - darunter die Taliban - in der Öffentlichkeit gemessen werden könnten.




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