Letztes Update am Di, 09.07.2019 13:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Federer gegen Nishikori um seinen 100. Wimbledon-Matchsieg



Das Herren-Viertelfinale des Grand-Slam-Tennisturniers in Wimbledon zeigt ein gewohntes Bild. Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal stehen unter den letzten acht, und das gemeinsam zum 24. Mal auf Major-Ebene. Die Quoten stehen gut, dass das Trio am Mittwoch auch ins Halbfinale einzieht und die Szenerie weiter beherrscht. Aus den Top 20 der Setzliste ist sonst nur Kei Nishikori im Bewerb.

Will die Turnier-Nummer 8 verhindern, dass die seit 2003 anhaltende Wimbledon-Titelserie von Djokovic, Federer, Nadal und des diesmal nicht im Einzel angetretenen Andy Murray (GBR) anhält, müsste er womöglich der Reihe nach Federer, Nadal und Djokovic besiegen. Doch schon Federer im Viertelfinale scheint kaum überwindbar, nachdem der als Nummer 2 gesetzte Schweizer gegen Matteo Berrettini (17) in 73 Minuten für das kürzeste Herren-Achtelfinale der Wimbledon-Geschichte gesorgt hat.

„Ich muss gut spielen, um Roger zu besiegen, da er der beste Spieler auf Rasen ist“, ist sich Nishikori der Schwere seiner Aufgabe gegen den achtfachen Wimbledonsieger bewusst. Andererseits freut sich der 29-jährige Japaner angesichts eigener guter Form auf das elfte Duell mit dem 37-Jährigen. Immerhin drei Vergleiche mit Federer hat Nishikori gewonnen, u.a. den jüngsten bei den ATP-Finals im November in London. Das einzige Rasen-Duell ging 2014 im Halle-Halbfinale 6:3,7:6(4) an Federer.

Der Rekord-Grand-Slam-Sieger würde mit dem Einzug ins Halbfinale seinen 100. Wimbledon-Einzelsieg und damit einen weiteren Meilenstein seiner einzigartigen Karriere fixieren. Eine dreistellige Anzahl an Erfolgen bei einem einzigen Major hat in der Open Era noch niemand erreicht. Auf die leichte Schulter will er Nishikori aber nicht nehmen: „Ich denke, er ist für dieses Match bereit. Ich bin auch ein großer Fan seines Spiels. Kei hat eine der besten Rückhände und er ist ein großartigen Return-Spieler.“

Am anderen, oberen Ende des Tableaus nimmt es Djokovic mit David Goffin (Nr. 21) auf. Der Belgier steht erstmals in Wimbledon und bei Majors erstmals seit den Australian Open 2017 im Viertelfinale. Gegen Djokovic hat er das jüngste von sechs Duellen gewonnen, allerdings vor bereits mehr als zwei Jahren und auf Sand in Monte Carlo. Rasen-Vergleich der beiden hat es noch keinen gegeben, der Titelverteidiger und insgesamt vierfache Wimbledon-Triumphator Djokovic ist klar zu favorisieren.

Der „Djoker“ will gegen den vom Schweden Thomas Johansson betreuten Goffin jedenfalls nichts dem Zufall überlassen. „Ich muss für diese Partie einiges analysieren, denn ich denke, Davids Spiel passt sehr gut für Rasen“, meinte der 32-Jährige. „Er ist einer der Schnellsten auf der Tour, sein vielleicht größtes Plus ist seine Beinarbeit.“ Djokovic gab an, recht viel mit Goffin zu trainieren, er möchte den 28-Jährigen ein wenig aus der Komfortzone holen. „Aber ich bin mir sicher, das will er bei mir auch.“

Nadal hat mit Sam Querrey die vielleicht größte Hürde der großen Drei. Der US-Amerikaner hat nur in Runde eins gegen Dominic Thiem einen Satz abgegeben und schickt sich an, gestützt auf Service und Vorhand wie 2017 an der Church Road ins Halbfinale und in der Weltrangliste zurück in die Top 30 einzuziehen. „Es wird hart“, ließ Querrey im Ausblick wissen. „Ich muss unglaublich gut servieren und meine Chancen nutzen. Aber ich liebe es, hier zu spielen, habe Selbstvertrauen.“

Mit Nick Kyrgios hat Nadal schon einen Ungesetzten vom Kaliber Querreys ausgeschaltet, für ein mögliches Duell mit Federer ist nun der fünfte Sieg im sechsten Duell mit Querrey nötig. Auch hier gab es noch keinen Rasen-Vergleich. Nadal ist noch nie in einem Wimbledon-Viertelfinale ausgeschieden, sechsmal ging es für den 33-Jährigen darüber hinaus. Seine Blütezeit hatte er von 2006 bis 2011 mit zwei Titeln und drei weiteren Finali. Im Vorjahr zog er im Halbfinale gegen Djokovic nur knapp den Kürzeren.

Wäre der Halbfinal-Einzug von Djokovic, Nadal und Federer keine Überraschung, wird es im zweiten Raster-Viertel nach dem frühen Aus von Kevin Anderson (RSA-4) und Alexander Zverev (GER-6) einen neuen Major-Halbfinalisten geben. Guido Pella (ARG-26) oder der bisher ohne Satzverlust gebliebene Roberto Bautista Agut (ESP-23) wird der Vorschlussrundengegner von Djokovic oder Goffin heißen. Bautista führt im Head-to-Head 2:0, auf Rasen spielen die beiden erstmals gegeneinander.




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