Letztes Update am Mi, 10.07.2019 16:30

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Patient stach Arzt im Wiener SMZ Süd nieder



Ein Patient hat am Mittwochvormittag einen Arzt in der Herzambulanz des Wiener Sozialmedizinischen Zentrums Süd (SMZ) - das frühere Kaiser-Franz-Josef-Spital - niedergestochen. Der 33-jährige Mann, der in der voll besetzten Ambulanz auf den 64-jährigen Oberarzt gewartet hatte, rammte diesem ein Messer in den Bauch, wodurch der Mediziner zunächst lebensgefährliche Verletzungen erlitt.

Die Bluttat wurde gegen 10.00 Uhr verübt. Als der 64-Jährige erschien, zog der Täter das Messer und griff an. „Der Arzt wurde lebensgefährlich verletzt, durch eine Notoperation konnte er stabilisiert werden“, teilte Polizeisprecher Paul Eidenberger der APA mit. Die Lebensgefahr sei inzwischen gebannt.

Der 33-Jährige wurde nach der Bluttat am Tatort festgenommen. „Er hat sich hingesetzt und auf die Polizei gewartet“, berichtete Eidenberger. Der Messerangriff auf den Mediziner spielte sich vor zahlreichen geschockten Augenzeugen im Wartebereich der Herzambulanz ab, die zum Tatzeitpunkt stark frequentiert war.

Der Angreifer war im Juni auf der Kardiologischen Abteilung des SMZ Süd behandelt worden, gab der KAV bekannt. Der 33- Jährige wurde dabei auch einem operativen Eingriff unterzogen. Am Mittwoch hatte der Mann allerdings keinen Untersuchungs- oder Behandlungstermin auf der Herzambulanz. Er erschien, „ohne dass etwas ausgemacht war“, meinte Marion Wallner vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) gegenüber der APA.

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Hinter einer Messerattacke dürfte ein „persönliches Motiv“ gestanden sein. Das Opfer und der Verdächtige aus Sierra Leone, ein Patient des Krankenhauses, kannten einander seit längerer Zeit. Der 33-Jährige stand dort in Behandlung, hieß es am Nachmittag.

„Es dürfte sich um einen gezielten Angriff gehandelt haben“, sagte Gerhard Winkler vom Landeskriminalamt Süd. Der Verdächtige mit Asylstatus sei seit 2011 im SMZ-Süd in Behandlung gewesen. Die Ärztliche Direktorin des Krankenhauses, Michaela Riegler-Keil, schilderte den groben Hergang der Messerattacke. Der Verdächtige sei gegen 10.00 Uhr unangemeldet und ohne Termin in den Ambulanzbereich der kardiologischen Abteilung gekommen, habe sich nicht am Schalter angemeldet und im Wartebereich niedergelassen. Als der Arzt vorbeigekommen sei, wäre der Mann aufgestanden und habe dem Arzt gezielt einen Bauchstich versetzt. Der Verdächtige war laut dem Kriminalisten bisher wegen Gewaltdelikten nicht auffällig. Die Einvernahmen liefen am Nachmittag noch.

Beim Opfer handelt es sich um einen Oberarzt für Kardiologie. Der Mediziner soll sich kurz vor seiner Pensionierung befinden. Im SMZ Süd und beim KAV zeigte man sich bestürzt und betroffen. „Ich bin schockiert über den Angriff auf unseren Kollegen“, meinte die Ärztliche Direktorin des Spitals, Michaela Riegler-Keil.

Den Patienten und Mitarbeitern standen vor Ort Kriseninterventions-Teams zur Seite. „Diese schreckliche Tat zeigt auf traurige Weise, dass selbst gegen diejenigen Gewalt ausgeübt wird, die sich um das Wohl anderer kümmern. Wir werden den Vorfall gemeinsam mit der Polizei lückenlos aufklären und analysieren, ob und wie wir solche Vorfälle künftig vermeiden können“, sicherte KAV-Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb zu.

Kölldorfer-Leitgeb, verwies darauf, dass man im Bereich des KAV zahlreiche Maßnahmen zur Gewaltprävention und zur Verhinderung solcher Ereignisse setze. Man werde die Tat vom Mittwoch zum Anlass nehmen, diese Aktivitäten zu verstärken.

Als „außerordentlichen Einzelfall“ und einen „gezielten Gewaltakt“ gegen den betroffenen Arzt hat die Wiener Ärztekammer die Bluttat bezeichnet. Grundsätzlich ist aber die Gewalt in Spitälern, der Ärzte und Pflegepersonal ausgesetzt sind, weiter im Steigen begriffen, gab die Ärztekammer am Mittwoch zu bedenken. Sie forderte aufgrund dessen 300 zusätzliche Spitalsärzte.

Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, appellierte an den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), nun „raschest“ zu reagieren. „Es ist absolut essenziell, dass die Sicherheit von Ärztinnen und Ärzten sowie Patienten gleichermaßen sichergestellt wird“, betonte Weismüller.




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