Letztes Update am Mi, 10.07.2019 22:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wimbledon hat Traum-Halbfinale Federer gegen Nadal



Der Erfolgslauf von Sam Querrey beim Tennis-Grand-Slam-Turnier von Wimbledon ist am Mittwoch erwartungsgemäß von Rafael Nadal gestoppt worden. Der spanische Weltranglistenzweite ließ dem Auftaktrunden-Bezwinger von ÖTV-Star Dominic Thiem im Viertelfinale keine Chance und setzte sich nach etwas mehr als zwei Stunden mit 7:5,6:2,6:2 durch. Im Halbfinale kommt es zum Klassiker gegen Roger Federer.

Titelverteidiger Novak Djokovic zog zum neunten Mal ins Halbfinale von Wimbledon ein. Der 32-Jährige fertigte am Mittwoch im Viertelfinale den Weltranglisten-23. David Goffin aus Belgien in knapp weniger als zwei Stunden mit 6:4,6:0,6:2 ab. Im Kampf um den Finaleinzug wartet auf den topgesetzten Serben der Spanier Roberto Bautista Agut.

Der 31-jährige Ranglisten-22. setzte sich gegen den Argentinier Guido Pella 7:5,6:4,3:6,6:3 durch und erreichte erstmals ein Grand-Slam-Halbfinale. Djokovic strebt demgegenüber bei seiner 15. Wimbledon-Teilnahme bereits den fünften Titel an. „Er hat sehr gut angefangen und das Spiel von der Grundlinie diktiert. Das Match hätte in eine andere Richtung gehen können, wenn ich den ersten Satz verloren hätte. Da war er größtenteils der bessere Spieler. Im zweiten und dritten Satz habe ich mein bestes Tennis gespielt, immer wieder die richtigen Schläge ausgepackt. Damit bin ich sehr zufrieden“, analysierte Djokovic.

Nur bis zum Gewinn des ersten Satzes musste Djokovic gegen den Finalisten von Halle hart schuften. Anfangs zwang der flinke Belgier den Weltranglistenführenden in begeisternde Ballwechsel und sicherte sich das erste Break zum 4:3. Dann überrollte der 15-fache Grand-Slam-Sieger, der 2011, 2014, 2015 und 2018 in Wimbledon triumphiert hat, seinen 28-jährigen Kontrahenten, machte zehn Games in Folge und legte damit den Grundstein für den Sieg. Djokovic hat damit weiter in den vergangenen zwölf Monaten nur ein Match (French-Open-Halbfinale gegen Dominic Thiem) auf Grand-Slam-Ebene verloren.

Der Schweizer Roger Federer hatte mit dem auf Position acht eingestuften Japaner Kei Nishikori Mühe und behielt in 2:36 Stunden mit 4:6,6:1,6:4,6:4 die Oberhand. Für Federer war es der 100. Matchsieg am „Heiligen Rasen“. Der beförderte ihn zum 13. Mal ins Wimbledon-Halbfinale. Mit Nadal kommt es nun zum 40. direkten Duell. Der Spanier hat mit 24:15-Siegen die Nase vorne. 2019 profitierte Federer im Indian-Wells-Halbfinale von einem Nicht-Antreten Nadals, in der French-Open-Vorschlussrunde siegte Nadal 6:3,6:4,6:2. Es war zugleich der einzige Erfolg des Mallorquiners in den jüngsten sieben Aufeinandertreffen.

In Wimbledon trafen die beiden Superstars bisher dreimal aufeinander und dabei jeweils im Finale. 2006 siegte Federer in vier Sätzen, 2007 in fünf Durchgängen. In einem packenden Endspiel 2008 drehte Nadal den Spieß in einem fast fünf Stunden dauernden und mit 9:7 endenden Fünf-Satz-Krimi um. „Viele haben 2008 schon gesagt, es ist das Ende, und bei mir 2009 genauso. Aber wir sind noch immer da. Es ist toll, hier wieder einmal gegen ihn zu spielen“, sagte der 37-jährige Federer. Der 33-jährige Nadal sah das genauso: „Das ist großartig. Es ist aufregend, hier in Wimbledon nach so einer langen Zeit wieder gegen Roger zu spielen.“

Federer hatte während der Partie nicht im Kopf, als erster Spieler die 100-Einzelsiegmarke bei ein und demselben Grand-Slam-Turnier zu knacken. „Während der Partie habe ich nicht daran gedacht, ein Fan hat mich daran erinnert, als ich Autogramme geschrieben habe“, gab Federer Einblick. Die Freude darüber ist natürlich da. „Es ist schon speziell. Wenn ich auf die 100 zurückblicke, waren einige unglaublich cool. 100 Siege hier in Wimbledon. Wer hätte das gedacht?“, verlautete der Schweizer Rekord-Grand-Slam-Sieger.

Durch seinen Erfolg in 2:36 Stunden krönte sich Federer auch als bald 38-Jähriger zum ältesten Grand-Slam-Halbfinalisten seit Jimmy Connors bei den US Open 1991. „Es war schwierig. Der Anfang war brutal. Es war wichtig für mich, im zweiten Satz dann in Führung zu gehen“, analysierte der Ex-Weltranglistenerste. Ab dem zweiten Satz kontrollierte Federer das Tempo der Ballwechsel besser und schlug auch stärker auf.

Nadal konnte sich gegen Querrey auch auf seinen Aufschlag verlassen. Er sorgte dafür, dass erstmals überhaupt zwei Spanier (Anm.: Roberto Bautista Agut qualifizierte sich zuvor) im Wimbledon-Halbfinale stehen. Für Nadal gab es noch weitere gute Nachrichten: Der Linkshänder löste als erster Spieler sein Ticket für die ATP-Finals der besten acht Akteure des Jahres im November in London.

Federer will dort auch antreten und das am besten als neunfacher Wimbledon-Champion. „Er ist so gut, kann jedem Spieler auf jedem Belag wehtun. Ich hoffe aber, dass das Spiel in meine Richtung geht“, sagte der Wimbledon-Rekordsieger im Hinblick auf das Duell mit Nadal.




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