Letztes Update am Do, 11.07.2019 09:54

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Urteil im Prozess gegen obersteirischen Arzt in Sicht



Der Prozess gegen den oststeirischen Arzt Eduard Lopatka ist am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Es ist bereits die zweite Auflage eines Verfahrens, das im ersten Rechtsgang mit Freispruch geendet hatte. Das Oberlandesgericht hob das Urteil auf, und seit Februar wurde nun ein zweites Mal verhandelt. Angeklagt ist das jahrelange Quälen der vier Kinder des Beschuldigten.

Der erste Prozess, in dem der Richter einen „verspäteten Rosenkrieg“ nach der Scheidung sah, endete bereits nach zwei Tagen mit einem Freispruch des Arztes. Dagegen berief der Staatsanwalt und bekam vom Oberlandesgericht recht. In der Begründung hieß es, die Beweise seien nicht ausreichend gewürdigt worden.

So einen Nichtigkeitsgrund wollte der neue Richter Martin Graf offenbar nicht ermöglichen, also wurden alle Details breit ausgewalzt. Immer wieder kamen neue Anträge seitens der Kinder, aber auch von Exfreundinnen oder anderen Beteiligten. Zuletzt schienen die Kinder nicht einmal mehr den eigenen Anwälten zu trauen, denn sie legten ihre Beweise gleich dem Richter selbst vor - was so in der Strafprozessordnung nicht vorgesehen ist.

Der praktische Arzt soll die vier damals minderjährigen, mittlerweile erwachsenen Kinder jahrelang gequält haben. Er drohte laut Anklage immer wieder mit Selbstmord, soll eine Tochter medikamentenabhängig bzw. drogensüchtig gemacht haben und ihnen auch mehrmals verdorbenes Essen vorgesetzt haben. Der Arzt leugnete großteils die Anschuldigungen, auch die Vorwürfe von Ex-Frau und Ex-Freundin bezeichnete er als unwahr. Seine Frau, die ebenfalls Ärztin ist und im Wohnhaus ihre Praxis hatte, wollte von den Vorgängen nie etwas bemerkt haben.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Am siebenten Verhandlungstag der zweiten Prozessrunde sollte nochmals ein Psychiater zu Wort kommen, der die Kinder untersucht hat. Die Beiziehung eines Kinderpsychologen lehnte das Gericht ab, da alle vier Kinder zu Prozessbeginn bereits volljährig waren. Sofern keine weiteren Anträge gestellt werden, dürfte es am Donnerstag ein Urteil geben.




Kommentieren