Letztes Update am Do, 11.07.2019 12:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Urteil im Prozess gegen obersteirischen Arzt in Sicht



Es ist der siebente und voraussichtlich letzte Prozesstag im Fall des oststeirischen Arztes Eduard Lopatka am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht. Auf dem Programm standen weitere Videos, außerdem die ergänzende Befragung eines Psychiaters bezüglich der Kinder. Außerdem wollte der Richter vom Angeklagten wissen, wie es um seine Finanzen steht.

Der Mediziner hatte vor seiner Suspendierung ein monatliches Nettogehalt von 10.000 Euro angegeben, mittlerweile bekommt er nach eigener Aussage Notstandshilfe. Warum er auf seinen Immobilienbesitz keinen Zugriff hat, wurde nicht erörtert.

Die Suspendierung des praktischen Arztes ist nach wie vor aufrecht. Eine endgültige Entscheidung darüber soll es erst nach Abschluss des Verfahrens geben. Der Richter erkundigte sich, welche medizinischen Berufe Lopatka trotz seiner Suspendierung ausüben könnte, was sich aber nicht klären ließ.

Dann wurden wieder Videos und Audioaufnahmen vorgespielt, die die Anwälte der Kinder beantragt hatten. „Das ist alles widerrechtlich aufgenommen und nichts Neues“, sprach sich die Verteidigerin dagegen aus. Gezeigt wurden die Aufnahmen trotzdem. Zu sehen waren der Angeklagte und seine Ex-Frau bei Gesprächen über seinen psychischen Zustand, auch Telefonate waren zu hören. „Du hast mit Suizid gedroht, zwölf oder 15 Mal“, war die Stimme der Frau zu vernehmen. „Das ist das Allerschlimmste für mich. Immer, wenn ich gehen wollte, hast du angefangen“, warf sie ihm vor. Bei den Videos wurde deutlich, dass die Familie den Vater offenbar permanent überwacht und Beweise gesammelt hatte.

Staatsanwalt Christian Kroschl sprach in seinem Schlussplädoyer von einer „Chronologie des gänzlichen Versagens von Eltern“. Die Kinder bezeichnete er als „absolut glaubwürdig“, auch der Gutachter habe „ihr Leiden klar und schlüssig“ dargelegt. Der Angeklagte habe seine Familie „jahrelang mit seinem theatralischen Verhalten unter Druck gesetzt“, befand der Ankläger.

„Uns interessieren hier nicht die verschimmelte Marmelade oder der abgelaufene Mozzarella, sondern die Suiziddrohungen, die Selbstverletzungen und die verbalen Drohungen gegenüber den unmündigen Kindern“, betonte der Staatsanwalt. „Wenn so etwas für Kinder keine Qual ist, was dann?“, gab er zu bedenken.

Das Verhalten von Lopatka habe dazu geführt, dass die Kinder dauerhaft traumatisiert seien. Er versuchte auch „seine Kinder und die Ex-Frau als Lügner darzustellen, das ist aber misslungen“. Er selbst „nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau“, befand der Ankläger. Lopatka habe zugegeben, den Kindern ein wenig Alkohol gegeben zu haben. Dagegen sei auf einem Video zu sehen, wie die Kleinen „ein Wettsaufen mit Bier veranstalten“, prangerte der Staatsanwalt an.

Das Verhalten des Arztes „diente nur dazu, andere zu manipulieren“. Die psychiatrische Gutachterin Adelheid Kastner hatte befunden, Lopatka sei es nicht in erster Linie um das Quälen, sondern um die Aufmerksamkeit gegangen. Ganz entließ Kroschl auch die Mutter nicht aus der Verantwortung: „So ein Versagen muss man erst zusammenbringen, wenn beide Eltern Ärzte sind.“

Für den Nachmittag wurde ein Urteil erwartet.




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