Letztes Update am Fr, 12.07.2019 21:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IS-Selbstmordanschlag auf afghanischer Hochzeit



Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsfeier im Osten Afghanistans sind am Freitag mindestens sechs Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden. Das sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs von Nangarhar, Attaullah Chogjani, der Presse und korrigierte damit frühere Angaben von fünf Toten und 40 Verletzten.

Unterdessen erhoben Menschenrechtler den Vorwurf, afghanische Spezialeinheiten hätten in einem Krankenhaus vier Zivilisten getötet.

Den Anschlag auf die Hochzeitsfeier im Bezirk Pachir Agam nahe der Grenze zu Pakistan reklamierte die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich. „Alle Dorfbewohner hatten sich zu der Hochzeitszeremonie versammelt“, sagte Augenzeuge Saleem Jan, der verletzt und ins Krankenhaus gebracht wurde. Er habe zunächst nicht verstanden, was passiert sei. „Als ich den Kopf umdrehte, sah ich dutzende Verletzte auf dem Boden liegen.“

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf der afghanischen Armee unterdessen vor, in der Nacht auf den 9. Juli in der zentralafghanischen Provinz Wardak vier Zivilisten in einem Krankenhaus erschossen zu haben. Wie HRW unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, betraten die Mitglieder eines Spezialkommandos des afghanischen Militärs die Klinik und erschossen zwei Patientenbegleiter, einen Laboranten und einen Wachmann.

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Weder das afghanische Verteidigungsministerium noch die US-Truppen in Afghanistan äußerten sich zunächst zu dem Bericht. Ob US-Soldaten den Einsatz unterstützten, war unklar. Die Klinik wird von der schwedischen Hilfsorganisation Swedish Committee for Afghanistan (SCA) betrieben. Sie war bereits 2016 angegriffen worden. An dem Angriff mit drei Toten beteiligt waren mutmaßlich afghanische und ausländische Soldaten.

Erst vor wenigen Tagen waren historische Gespräche zwischen den afghanischen Konfliktparteien in der katarischen Hauptstadt Doha zu Ende gegangen. Das Treffen auf Einladung Katars und Deutschlands endete am Montagabend mit einer gemeinsamen Absichtserklärung für einen Friedensplan. Direkte Gespräche mit Vertretern der Regierung von Präsident Ashraf Ghani kamen wegen der ablehnenden Haltung der Taliban aber nicht zustande.

Vertreter der USA und der Taliban verhandelten ebenfalls vergangene Woche über die Bedingungen eines Waffenstillstands in Afghanistan. Die USA, die vor fast 18 Jahren in Afghanistan einmarschiert waren, wollen möglichst bald eine Friedensvereinbarung mit den Taliban erzielen. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien geben, dass Afghanistan nie mehr zum Rückzugsort für Extremisten wird, wie es vor dem 11. September 2011 der Fall war.

Am Freitag schloss sich Pakistan, das die Taliban während ihrer ersten Herrschaftsperiode in Afghanistan unterstützt hatte, einem gemeinsamen Appell der USA, Russlands und Chinas an, wonach die Aufständischen einer Waffenruhe und Verhandlungen mit der Regierung zustimmen sollen. Direkte Gespräche zwischen beiden Seiten sollten „so bald wie möglich den Rahmen für einen Frieden hervorbringen“, heißt es in der Erklärung der vier Staaten.




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