Letztes Update am Sa, 13.07.2019 13:53

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tropensturm „Barry“ näherte sich der US-Küste



14 Jahre nach „Katrina“ befürchten US-Meteorologen einen Hurrikan mit „lebensgefährlichen Überflutungen“ im US-Bundesstaat Louisiana. Der Tropensturm „Barry“ war Samstagfrüh noch rund 100 Kilometer von der US-Küste entfernt, wie das US-Hurrikan-Zentrum (NHC) mitteilte. Die Experten gehen davon aus, dass der Sturm im Laufe des Samstags Hurrikanstärke erreicht und auf die US-Küste trifft.

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag den nationalen Notstand für Louisiana ausgerufen. Nach Angaben der Meteorologen hatte „Barry“ in der Nacht auf Samstag eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Als Hurrikan gilt ein Sturm ab einer Stärke von 119 Stundenkilometern.

Die Behörden in Louisiana beschleunigten die Evakuierungsmaßnahmen. Mehrere Fluglinien stellten ihre Flüge nach New Orleans ein. Im Tiefland um Plaquemines Parish im Süden verließen Tausende ihre Häuser.

Einige Bewohner von Plaquemines Parish weigerten sich trotz der Evakuierungspflicht, ihr Zuhause zu verlassen. Der 60-jährige Mechaniker Keith Delahoussaye sagte: „Wir sind während einiger heftiger Stürme geblieben, obwohl wir es nicht hätten sollen.“ Er beobachte aber den Anstieg des Mississippi-Pegels, sagte Delahoussaye: „Wenn das Wasser steigt, gehen wir.“

Der Pegel des Mississippi erreichte in New Orleans bereits eine Höhe von 5,18 Metern - und damit Hochwasserstand. Der Fluss sollte Meteorologen zufolge auf bis zu 5,79 Meter anschwellen. New Orleans ist durch 6,10 Meter hohe Deiche geschützt.

Der Gouverneur von Louisiana, John Bel Edwards, erklärte, New Orleans und seine 400.000 Einwohner seien gut auf den Sturm vorbereitet. Er mahnte die Menschen jedoch zur Vorsicht. „Niemand sollte diesen Sturm auf die leichte Schulter nehmen. Ich bitte alle dringend darum, informiert zu bleiben“, schrieb Edwards auf Twitter.

Die Bürgermeisterin von New Orleans, LaToya Cantrell, hatte die Bürger am Freitagabend dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Der Partystimmung in der für ihr Nachtleben berüchtigten Metropole taten die Warnungen jedoch keinen Abbruch. Im Viertel French Quarter tranken Nachtschwärmer am Freitag „Hurrikan-Cocktails“ und zogen singend durch die Straßen.

Sollte sich „Barry“ zu einem Hurrikan entwickeln, wäre es der erste in der diesjährigen atlantischen Hurrikan-Saison, die von Juni bis November dauert. NHC warnte vor „verbreiteten schweren Überflutungen“ in Flussgebieten.

Ein großer Teil der Golfküste, vor allem aber Louisiana, weise bereits einen „extrem hohen Pegelstand“ auf, erklärte die Expertin Jill Trepanier von der Louisiana State University. „Die heftigen Regenfälle und eine mögliche heftige Sturmflut könnten zu gefährlichen Sturzfluten führen“, sagte Trepanier weiter.

Ein für Sonntag geplantes Konzert der „Rolling Stones“ in New Orleans wurde wegen „Barry“ um einen Tag verschoben. „Wir sind bei euch - wir stehen das mit euch durch“, schrieb die Band an ihre Fans.

Der verheerende Hurrikan „Katrina“ hatte im August 2005 rund 80 Prozent von New Orleans überflutet. Etwa 1.800 Menschen starben damals, Hunderttausende mussten ihre Wohnungen verlassen. Nach den Statistiken der US-Behörden war „Katrina“ mit einem Schaden von 150 Milliarden Dollar (133 Milliarden Euro) die teuerste Naturkatastrophe in der US-Geschichte.




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