Letztes Update am Mo, 15.07.2019 18:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei erinnert an Vereitelung von Putschversuch



Die Türkei hat am Montag an die Vereitelung des Putschversuchs vor drei Jahren erinnert. Präsident Recep Tayyip Erdogan legte am Mittag Blumen am Denkmal für die Opfer des gescheiterten Militärputsches vor dem Präsidentenpalast in Ankara nieder.

Später nahm er an einer Sondersitzung des Parlaments teil, bevor er nach Istanbul reisen wollte, um am Abend an der Bosporus-Brücke ein Museum zur Erinnerung an den Umsturzversuch zu eröffnen.

„Die Türkei sendet eine machtvolle Botschaft der Einheit und Solidarität an die Welt: Lieber sterben, als den Verrätern und Putschisten erlauben, unser Land, unsere Freiheit und unsere Würde zu zerstören“, schrieb Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin auf Twitter. Der Putschversuch von Juli 2016 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Landes und prägt bis heute die Politik der Türkei sowie ihr Verhältnis zu ihren Verbündeten.

Am 15. Juli 2016 hatte ein Teil des Militär versucht, die Regierung Erdogan zu stürzen und die Macht in der Türkei zu ergreifen. Bei heftigen Gefechten mit regierungstreuen Militärs und Polizisten in Ankara und Istanbul wurden 251 Menschen getötet und fast 2200 weitere verletzt. Auch dutzende Putschisten wurden getötet. Zehntausende Menschen folgten in der Nacht einem Aufruf Erdogans, sich auf den Straßen und Plätzen den Putschisten entgegenzustellen.

Nach offiziellen Angaben waren rund 8000 Soldaten mit 35 Kampfflugzeugen, 37 Helikoptern und 74 Panzern an dem versuchten Staatsstreich beteiligt. Die Putschisten mussten ihre Pläne offenbar vorziehen, um einer Aufdeckung zuvorzukommen. Die Opposition warf der Regierung später vor, sie habe vorab von den Plänen erfahren, aber die Putschisten gewähren lassen, um anschließend besser gegen sie vorgehen zu können.

Noch in der Putschnacht machte Erdogan die Bewegung seines einstigen Verbündeten Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Er wirft der islamischen Bruderschaft vor, über Jahre Militär, Polizei und andere Institutionen unterwandert zu haben. Mehr als 150.000 Staatsbedienstete wurden seit dem Putschversuch entlassen und über 55.000 Verdächtige inhaftiert. Noch immer gibt es fast wöchentlich Festnahmen.

Die Türkei wirft ihren westlichen Verbündeten vor, sie nach dem Putschversuch nicht ausreichend unterstützt zu haben. Ankara ist insbesondere verärgert über die Weigerung der USA, Gülen auszuliefern. Der islamische Prediger lebt seit 1999 im Exil in Pennsylvania. Den mutmaßlichen Putschistenführer Adil Öksüz vermutet Ankara in Deutschland. Die deutsche Bundesregierung gibt an, keine Kenntnis von seinem Aufenthaltsort zu haben.

Erdogan verkündete sein Militär betreffend indes, das Raketenabwehrsystem S-400 gemeinsam mit Russland bauen zu wollen. „Jetzt ist das Ziel eine gemeinsame Produktion mit Russland“, sagte er am Montag in Ankara. Die umstrittene Auslieferung der S-400 von Russland an die Türkei hatte am Freitag begonnen. Inzwischen ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara das neunte Flugzeug mit Raketenteilen auf dem Luftwaffenstützpunkt Mürted (früher Akinci) bei Ankara gelandet. Erdogan sagte weiter, die Lieferungen würden im April 2020 abgeschlossen sein.

Der Kauf des Systems sorgt seit Monaten für Streit zwischen der Türkei und den USA. Washington befürchtet nach eigenen Angaben, dass Russland über das empfindlichen Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten der neuen US-Tarnkappenflugzeuge F-35 gelangt. Die Türkei ist Partner beim Bau der F-35 und soll etwa 100 Jets bekommen. Die USA drohen mit Sanktionen und damit, die Türkei Ende Juli aus dem F-35-Programm zu werfen.




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