Letztes Update am Mi, 17.07.2019 11:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Keine Chance auf erneute Flucht für „El Chapo“



Zwei Mal ist es „El Chapo“ gelungen, in Mexiko aus Gefängnissen zu entkommen. Doch noch einmal dürfte er eine solche Flucht wohl nicht mehr schaffen. Der Drogenboss wird voraussichtlich in einer extrem abgesicherten Haftanstalt in einer entlegenen Gegend der Rocky Mountains untergebracht, wenn er am Mittwoch in New York - wie allgemein erwartet - zu lebenslänglicher Haft verurteilt werden sollte.

Das „ADX Florence“ im Staat Colorado wird wegen seiner harschen Haftbedingungen von manchen als Hölle auf Erden beschrieben. Aufgrund seiner isolierten Lage und den rigorosen Sicherheitsvorkehrungen trägt das Gefängnis auch den Beinamen „Alcatraz der Rockies“ - unter Bezug auf die berüchtigte Gefängnisinsel vor San Francisco.

„ADX“ steht für „administrative maximum“ und damit für die höchste Sicherheitsstufe, den sogenannten Supermax-Standard. In dem zwei Stunden Autofahrt südlich von Denver gelegenen Gefängnis nahe dem alten Bergbaustädtchen Florence leben rund 400 Häftlinge.

Darunter sind einige der berüchtigtsten Häftlinge der USA - wie etwa der „Unabomber“ Ted Kaczynski, der Attentäter beim Bostoner Marathonlauf, Dschochar Zarnajew, oder der mutmaßlich an der Vorbereitung der Terroranschläge vom 11. September 2001 beteiligte Zacarias Moussaoui.

Bereits über seine bisherigen Haftbedingungen in einem New Yorker Gefängnis, wo er seit seiner Auslieferung 2017 von Mexiko einsitzt, hatte sich Joaquin „El Chapo“ Guzman wiederholt beschwert. Eine dickere Decke konnte er sich vor Gericht erstreiten, die gewünschten Ohrenstöpsel blieben ihm aber verwehrt.

Von seiner Zelle in Colorado aus könnte ihm seine Haftzeit in Manhattan im Rückblick noch als relativ harmlos erscheinen. Die 1994 gebaute Anstalt ist laut Amnesty International auf die extreme Isolierung der Häftlinge spezialisiert.

Die meisten dortigen Insassen sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation in Einzelhaft - sie kommt natürlich auch auf „El Chapo“ zu, der bereits in New York eine Einzelzelle bewohnte. Die meisten Einzelzellen im ADX Florence sind laut Amnesty nur etwa 7,50 Quadratmeter groß. Kontakt zu Mitinsassen haben die meisten Häftlinge laut Amnesty nur während der täglichen bis zu zwei Stunden „Erholungszeit“, in der sie ihre körperliche Fitness trainieren können.

Die als besonders gefährlich geltenden Insassen werden den Menschenrechtlern zufolge für diese Übungen aber einzeln in Käfige in einem Hof gesperrt, die nicht viel größer sind als ihre Zellen. Mit anderen Häftlingen kommunizieren können sie nur durch die Gitterstäbe. Der frühere Wärter Robert Hood beschreibt die Anstalt als „getreue Version der Hölle“. ADX Florence sei „viel schlimmer als der Tod“.

Allerdings haben einige Häftlinge immerhin Fernseher in ihren Zellen, wie die auf Überwachung von Haftbedingungen spezialisierte US-Organisation Corrections Information Council berichtet. Manche dürfen sich auch in ihren Zellen mit Bastelarbeiten, Malen und Zeichnen und Häkeln beschäftigen - Aktivitäten, auf die „El Chapo“ allerdings nicht unbedingt erpicht sein dürfte.




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