Letztes Update am Do, 18.07.2019 14:20

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iranische Revolutionsgarden halten Tanker fest



Die iranischen Revolutionsgarden haben einen „ausländischen Tanker“ im Persischen Golf festgesetzt. Das Schiff habe geschmuggeltes Öl von iranischen Booten zu ausländischen Schiffen bringen sollen, teilten die Revolutionsgarden am Mittwoch über ihre Website „Sepah News“ mit, ohne Angaben zu Herkunft oder Namen des Schiffes zu machen. Zwölf ausländische Crewmitglieder seien festgenommen worden.

Nach Angaben der Revolutionsgarden wurde das Schiff am Sonntag südlich der iranischen Insel Larak in der Meerenge von Hormus festgesetzt. Es liefen „rechtliche Verfahren“ zu dem Schiff. Die Garden wiesen Berichte „westlicher Medien“ zurück, wonach der Iran seit mehreren Tagen einen anderen Tanker festhalte. Der Iran hatte am Dienstag mitgeteilt, einem ausländischen Tanker nach einem Notruf zu Hilfe gekommen zu sein.

Demnach wurde das Schiff nach einem technischen Problem „für notwendige Reparaturen“ in iranische Gewässer geschleppt. Die Organisation TankerTrackers teilte mit, dass der unter panamaischer Flagge fahrende Tanker „Riah“, der in der Straße von Hormus andere Schiffe mit Treibstoff versorgte, am Sonntag in iranische Gewässer gefahren sei. Anschließend sei sein Positionssignal nicht länger zu empfangen gewesen.

Seit dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben die Spannungen in der Golfregion massiv zugenommen. Seit Anfang Mai gab es mehrere Angriffe auf Tanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate und im Golf von Oman, für die Washington den Iran verantwortlich machte. Teheran wies jede Verantwortung zurück.

Ende Juni brachte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten, den Iran und die USA an den Rand einer militärischen Konfrontation. US-Präsident Donald Trump stoppte erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff.

Zudem gibt es Streit zwischen London und Teheran über einen in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker. Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Supertanker „Grace 1“ vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt. Der Kapitän und drei weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, sind aber inzwischen wieder auf freiem Fuß. Der Iran protestierte, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof in Gibraltar ordnete jedoch an, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Erst am Dienstag warnte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei, der Iran werde den „Diebstahl“ des Schiffs „nicht unbeantwortet lassen“. Am Wochenende gab es aber erste Anzeichen von Entspannung. Der britische Außenminister Jeremy Hunt stellte eine Freigabe des Schiffes durch die Behörden in dem britischen Überseegebiet in Aussicht, sollte der Iran zusichern, dass die Ladung nicht für Syrien bestimmt ist. Auch sein iranischer Amtskollege Mohammad Javad Zarif betonte, dass Teheran den Konflikt diplomatisch lösen wolle.




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