Letztes Update am Do, 18.07.2019 20:12

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Todesstrafe nach Mord an zwei Touristinnen in Marokko



Im Prozess um die mutmaßlich islamistisch motivierte Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen in Marokko sind drei Angeklagte zum Tode verurteilt worden. Ein Anti-Terror-Gericht im marokkanischen Salé folgte damit am Donnerstag der Forderung der Staatsanwaltschaft, die die drei Hauptverdächtigen zuvor als „blutrünstige Monster“ bezeichnet hatte.

Angeklagt waren insgesamt 24 Verdächtige aus der radikalislamischen Szene. Die drei Hauptverdächtigen hatten den Mord an den jungen Frauen aus Dänemark und Norwegen im Dezember gestanden.

„Es gibt keinen Gott neben Gott“, sagte der Hauptverdächtige Abdessamad Ejjoud, der in traditioneller salafistischer Kleidung vor Gericht erschien, während der letzten Anhörung. „Lass ihn mir vergeben“, fügte er an. Auch die beiden anderen Hauptverdächtigen baten Gott um Vergebung.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Dezember die Todesstrafe für Ejjoud und seine beiden Komplizen, den 33-jährigen Rachid Afatti und den 27-jährigen Younes Ouaziyad, gefordert. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass Ejjoud der Anführer des für die Morde verantwortlichen Jihadistennetzwerks war.

Auch Helle Petersen, die Mutter des dänischen Mordopfers, hatte die Todesstrafe gegen die Täter gefordert. Die Todesstrafe ist in Marokko seit 1993 nicht mehr vollstreckt worden.

Die 24-jährige dänische Studentin Luisa Vesterager Jespersen und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin Maren Ueland waren im Dezember beim Zelten im Atlas-Gebirge brutal ermordet worden. In einem nach dem Mord verbreiteten Video hatten die mutmaßlichen Täter dem Anführer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der beiden Opfer. Der Fall hatte über Marokko hinaus für Entsetzen gesorgt.

Die Familie des norwegischen Mordopfers nahm nicht am Prozess teil. Das Gericht in Salé ordnete jedoch an, dass die drei Hauptverdächtigen den Eltern der getöteten Maren Ueland zwei Millionen Dirham (rund 180.000 Euro) Entschädigung zahlen müssen.

Die Forderung der Eltern des dänischen Mordopfers nach einer Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Dirham vom marokkanischen Staat wies das Gericht jedoch ab. Die Anwälte der Familie hatten Marokko „moralische Verantwortung“ für die Ermordung ihrer Tochter vorgeworfen, da die Behörden die Verdächtigen nicht hinreichend überwacht hätten.

Alle außer den drei Hauptangeklagten hatten sich während des Prozesses als IS-Anhänger bezeichnet. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 15 Jahren.

Kevin Zoller Guervos wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Zoller Guervos war in dem elf Wochen dauernden Prozess der einzige nicht-marokkanische Angeklagte. Er hat die spanische und die schweizerische Staatsangehörigkeit inne und ist zum Islam konvertiert. Er soll den Haupttätern beigebracht haben, wie sie verschlüsselte Nachrichten verschicken und Waffen benutzen.

Nach Auffassung der Ermittler waren die Verdächtigen von der IS-Ideologie inspiriert, hatten aber keinen Kontakt zu den Dschihadisten in Syrien oder dem Irak. Der IS selbst reklamierte die Tat nie für sich.




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