Letztes Update am Sa, 20.07.2019 09:34

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


263 Einsatzkräfte übten in OÖ für Ernstfall bei Zugsunglück



Zusammenstoß zweier Personenzüge, 42 Verletzte, Eingeklemmte, schreiende Menschen, Personen mit Amputationsverletzungen, unwegsames Gelände - dieses Bild hat sich den Helfern bei der Einsatzübung „Nachtzug 2019“ Freitagabend in Wernstein am Inn bzw. Schardenberg (Bezirk Schärding) geboten. 263 Einsatzkräfte und insgesamt 335 Personen waren an der Aktion beteiligt, berichtete die Feuerwehr.

Möglich war die Aktion, weil die Bahnstrecke zwischen Passau und Schärding derzeit noch bis Mittwoch wegen Bauarbeiten total gesperrt ist. Bei dem Szenario wurde die organisations- und grenzüberschreitende Zusammenarbeit geübt. Feuerwehr und Rotes Kreuz mit Kräften aus Wernstein und dem Bezirk Schärding sowie Passau (Bayern), Polizei, Klinikum Schärding und ÖBB arbeiteten Hand in Hand.

Sieben eingeklemmte Personen waren zu befreien - von sieben Feuerwehren mit vier hydraulischen Rettungsgeräten. Neben Autos übernahmen auch der Hubschrauber und Feuerwehrboote den Abtransport der Verletzten. Herausfordernd war, sich über die steile Böschung einen Zugang zu den Bahngleisen zu schaffen - sowie die enge Zufahrt und kaum Wendemöglichkeiten für Großfahrzeuge, resümierte die Feuerwehr.

Zehn Polizisten leisteten nach den Erstmaßnahmen Tatortarbeit und lenkten den Verkehr. Eine der neu angeschafften Polizeidrohnen lieferte Bilder aus der Luft und bot dadurch einen Lageüberblick.

92 Sanitäter, sechs Ärzte sowie sechs Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams sorgten unter Einbindung des Bayrischen Roten Kreuzes für die schnelle Versorgung und den Abtransport der Verletzten sowie psychische Betreuung der Unverletzten. Aber auch der Aufbau eines Betroffenen-Informations-Zentrums und das in Österreich neu ausgerollte Patientenleitsystem waren Teil des Szenarios.

Im Klinikum Schärding wurde der Alarm- und Einsatzplan aktiviert: Acht Ärzte sowie zwölf Pflegekräfte nahmen den Notfalldienst für die Übung auf. Weiteres Personal der Klinikleitung und der Verwaltung wurde angefordert, während der normale Betrieb ohne Abstriche weiterging.

Das Übungsziel der mehrere Jahre vorbereiteten Aktion wurde zu 100 Prozent erreicht, stellten die Übungsleiter fest, wenngleich es äußerst fordernd gewesen sei. Alle Einsatzorganisationen hatten zur Dokumentation Übungsbeobachter eingesetzt. Deren Betrachtungen werden in eine gemeinsame Nachbesprechung einfließen. Die ÖBB betonten die geringe Unfallwahrscheinlichkeit, trotzdem sei es wichtig, Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Das werde durch so eine Großübung möglich, dankte Pressesprecher Karl Leitner den Teilnehmenden.

Die gesperrte Bahnstrecke auf der zurzeit größten Baustelle der ÖBB in Oberösterreich ermöglichte eine derartige Übung erst. In Wernstein werden neue Gleisanlagen geschaffen, drei Eisenbahnkreuzungen aufgelassen. Am Freitag erreichten die noch bis 2021 dauernden Arbeiten den Höhepunkt: Über den Lindenbach wurde eine neue, 40 Meter lange und 2.500 Tonnen schwere Brücke gespannt, die in einem Stück neben der bestehenden, alten Brücke errichtet und nun in ihre endgültige Lage eingeschoben wurde. ÖBB, Land Oberösterreich und die Gemeinde Wernstein investieren gemeinsam in die Modernisierung des Bahnhofs, insgesamt 43,9 Mio. Euro, als Teil des Ausbaus der Strecke Wels - Passau zur Hochleistungsstrecke, so die ÖBB.




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