Letztes Update am Sa, 20.07.2019 12:06

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationales Auschwitz Komitee trauert um Heller



„Mit Trauer und Dankbarkeit“ hat das Internationale Auschwitz Komitee am Samstag an das Engagement der verstorbenen ungarischen Philosophin Agnes Heller erinnert. Trotz Diffamierungen habe sie nie zum „populistischen Hetztreiben der Orbans dieser Welt“ geschwiegen. „Agnes Heller, ihre Empathie und ihr kritisch leuchtender Geist werden uns gerade in diesen Zeiten fehlen.“

Heller wurde 1929 geboren und verlor ihren Vater und viele weitere Angehörige durch den Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkrieges. In Ungarn sei sie bis ins hohe Alter antisemtischen Diffamierungen ausgesetzt gewesen, heißt es in der Aussendung. Dennoch habe sie in Erinnerung an die Entwicklung des Faschismus in Europa in ihrem Werk den Hass der Populisten präzise analysiert und vor Gleichgültigkeit angesichts dieses Hasses gewarnt.

Heller war eine Schülerin des ungarischen marxistischen Philosophen Georg Lukacs (1885-1971). Nach dem ungarischen Volksaufstand von 1956 stellte sie den sogenannten real existierenden Sozialismus - der die sowjetische Herrschaft über Osteuropa und damit ihre Heimat Ungarn einschloss - in Frage und wurde zur Dissidentin. 1977 emigrierte sie nach Repressionen des kommunistischen Regimes nach Australien. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Nach der demokratischen Wende 1989 kehrte sie nach Ungarn zurück.

Heller hat bis zuletzt Bücher verfasst und war als Rednerin aktiv. Im August sollte sie die Gastrede bei der Eröffnung des diesjährigen Europäischen Forums Alpbach zum Thema „Freiheit und Sicherheit“ halten.




Kommentieren