Letztes Update am Sa, 20.07.2019 13:16

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Briten warnen Iran wegen Tanker vor gefährlichem Kurs



Der Iran hat mit der Festsetzung eines britischen Öltankers in der Straße von Hormuz die Spannungen in der Region verschärft. Das Schiff sei in einen Unfall mit einem iranischen Fischerboot verwickelt gewesen und habe dessen Notruf ignoriert, berichtete die iranische Nachrichtenagentur FARS am Samstag.

Es sei mitsamt seiner 23-köpfigen Besatzung zu weiteren Untersuchungen in einen iranischen Hafen gebracht worden. Der britische Außenminister Jeremy Hunt warnte den Iran vor einem gefährlichen Kurs und drohte mit ernsten Konsequenzen. Großbritannien werde überlegt, aber robust reagieren. Es gehe aber nicht um militärische Optionen, sondern um eine diplomatische Lösung.

Die deutsche Regierung verurteilte die Festsetzung des britischen Tankers „auf das Schärfste“. „Dies ist ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die zivile Schifffahrt, der eine ohnehin angespannte Lage gefährlich weiter verschärft“, erklärte das Außenministerium in Berlin. „Eine weitere regionale Eskalation wäre sehr gefährlich. Sie würde zudem alle laufenden Bemühungen um einen Ausweg aus der derzeitigen Krise unterminieren.“ Die deutsche Regierung forderte eine sofortige Freilassung des Schiffs und der Besatzung. Ähnlich äußerte sich Frankreich. Das französische Außenministerium verurteilte die Festsetzung des britischen Tankers scharf und äußerte „große Besorgnis“ über den Vorfall.

Die USA kündigten indes die Entsendung weiterer Soldaten an. US-Präsident Donald Trump kündigte an, mit der Regierung in London über den neuen Vorfall zu sprechen. Das US-Militär will erstmals seit der Irak-Invasion im Jahr 2003 wieder Soldaten in Saudi-Arabien stationieren. Die Entsendung von rund 500 Soldaten sei Teil der bereits im vergangenen Monat angekündigten Truppenverstärkung in der Region, hieß es in US-Militärkreisen.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten den Tanker, der auf dem Weg in einen saudi-arabischen Hafen war, am Freitag kurz hinter der Straße von Hormuz gestoppt. Er wurde in den Hafen der Stadt Bandar Abbas gebracht, teilten die iranischen Behörden mit. Die Besatzung der „Stena Impero“ dürfe bis zum Ende der Untersuchung dass Schiff nicht verlassen.

Der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA zufolge soll der unter britischer Flagge fahrende Tanker bei der Einfahrt in die Meerenge sein Kennsignal ausgeschaltet haben, auf der falschen Seite der Fahrrinne gefahren sein und Warnungen der Revolutionsgarden ignoriert haben. Die schwedische Reederei „Stena Bulk“, der das Schiff gehört, wies die Vorwürfe zurück. Das Schiff habe alle internationalen Vorschriften eingehalten.

Mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern fuhr. Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die „Stena Impero“ gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormuz passiert hatte.

Kurz darauf wurde der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Mesdar“ des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde die „Mesdar“ nach dreieinhalb Stunden wieder freigegeben. Die bewaffneten Sicherheitskräfte hätten das Schiff verlassen.

Die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur FARS berichtete zu diesem Vorfall, die Besatzung sei routinemäßig von der Marine über die Umweltvorschriften im Persischen Golf aufgeklärt worden.

Die Straße von Hormuz zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gehört zu den wichtigsten Schifffahrtswegen weltweit. Ein Fünftel der globalen Erdöltransporte werden durch die Meerenge verschifft. Zuletzt kam es hier vermehrt zu Zwischenfällen mit Öltankern, für die die USA den Iran verantwortlich machten.

Hunt äußerte sich am Samstag besorgt, dass der Iran scheinbar einen „gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens“ einschlagen habe, nachdem die Briten rechtmäßig einen iranischen Tanker vor Gibraltar festgesetzt hätten. Großbritannien werde die Sicherheit seiner Schifffahrt gewährleisten, twitterte er. Der Konflikt mit dem Iran hatte sich verschärft, nachdem die britische Marine einen iranischen Tanker aufgebracht hatte. Die britischen Behörden vermuten, dass er unter Verstoß gegen EU-Sanktionen Öl nach Syrien schmuggeln sollte. Der Iran hatte daraufhin mit Gegenmaßnahmen gedroht.

Die Spannungen am Persischen Golf und insbesondere zwischen dem Iran und den USA haben erheblich zugenommen, seit US-Präsident Donald Trump das internationale Atomabkommen mit dem Iran im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt hat. Dies schürte die Furcht, dass es zu einer militärischen Konfrontation kommen könnte. Nach dem Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch den Iran im Juni hatte Trump nach eigenen Angaben einen Vergeltungsschlag erst kurzfristig gestoppt, weil die Totenzahl unverhältnismäßig gewesen wäre. Am Donnerstag hatten die USA den Abschuss einer iranischen Drohne gemeldet, doch die Führung in Teheran widersprach dem umgehend. Trump will den Iran zu einem weiter reichenden Abkommen über sein Atom- und Raketenprogramm zwingen. Dazu verhängte er neue Sanktionen, die die Wirtschaft der Islamischen Republik schwer zusetzen. Die übrigen Vertragsstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland wollen das Atomabkommen mit dem Iran erhalten.




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