Letztes Update am Sa, 20.07.2019 13:55

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„El Chapo“ in Hochsicherheitsgefängnis eingeliefert



Der mexikanische Drogenbaron Joaquín „El Chapo“ Guzmán hat am Freitag seine lebenslange Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Staat Colorado angetreten. Der 62-Jährige sei in der Haftanstalt „ADX Florence“ eingetroffen, teilte die US-Gefängnisbehörde mit. „ADX“ steht für „administrative maximum“ und damit für die höchste Sicherheitsstufe.

In dem zwei Stunden Autofahrt südlich von Denver gelegenen Gefängnis leben rund 400 Häftlinge. Darunter sind einige der berüchtigsten Häftlinge der USA - wie etwa der „Unabomber“ Ted Kaczynski, der Attentäter beim Bostoner Marathonlauf, Dschochar Zarnajew, oder der mutmaßlich an der Vorbereitung der Terroranschläge vom 11. September 2001 beteiligte Zacarias Moussaoui. Aufgrund seiner isolierten Lage und den rigorosen Sicherheitsvorkehrungen trägt das Gefängnis auch den Beinamen „Alcatraz der Rockies“ - unter Bezug auf die berüchtigte Gefängnisinsel vor San Francisco.

Zwei Mal ist es „El Chapo“ in seinem Heimatland Mexiko bereits gelungen, aus dem Gefängnis zu entkommen. Doch noch einmal dürfte Joaquin Guzman eine solche Flucht wohl nicht mehr schaffen.

Bereits über seine bisherigen Haftbedingungen in einem New Yorker Gefängnis, wo er seit seiner Auslieferung 2017 von Mexiko einsitzt, hatte sich Joaquin „El Chapo“ Guzman wiederholt beschwert. Eine dickere Decke konnte er sich vor Gericht erstreiten, die gewünschten Ohrenstöpsel blieben ihm aber verwehrt.

Von seiner Zelle in Colorado aus könnte ihm seine Haftzeit in Manhattan im Rückblick noch als relativ harmlos erscheinen. Die 1994 gebaute Anstalt ist laut Amnesty International auf die extreme Isolierung von Häftlingen spezialisiert.

Die meisten dortigen Insassen sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation in Einzelhaft - das trifft natürlich auch auf „El Chapo“ zu, der bereits in New York eine Einzelzelle bewohnte. Die meisten Einzelzellen im ADX Florence sind laut Amnesty nur etwa siebeneinhalb Quadratmeter groß. Kontakt zu Mitinsassen haben die meisten Häftlinge laut Amnesty nur während der täglichen bis zu zwei Stunden „Erholungszeit“, in der sie ihre körperliche Fitness trainieren können.

Die als besonders gefährlich geltenden Insassen werden den Menschenrechtlern zufolge für diese Übungen aber einzeln in Käfige in einem Hof gesperrt, die nicht viel größer sind als ihre Zellen. Mit anderen Häftlingen kommunizieren können sie nur durch die Gitterstäbe. Der frühere Wärter Robert Hood beschreibt die Anstalt als „getreue Version der Hölle“. ADX Florence sei „viel schlimmer als der Tod“.

Allerdings haben einige Häftlinge immerhin Fernseher in ihren Zellen, wie die auf Überwachung von Haftbedingungen spezialisierte US-Organisation Corrections Information Council berichtet. Manche dürfen sich auch in ihren Zellen mit Bastelarbeiten, Malen und Zeichnen und Häkeln beschäftigen - Aktivitäten, auf die „El Chapo“ allerdings nicht unbedingt erpicht sein dürfte.

Guzman galt einst als der mächtigste Drogenbaron der Welt. Für Schlagzeilen sorgte der langjährige Chef des berüchtigten Sinaloa-Kartells mit zwei spektakulären Gefängnisausbrüchen. Ein halbes Jahr nach seiner letzten Flucht im Juli 2015 wurde er in seinem Heimat-Bundesstaat Sinaloa festgenommen und ein Jahr später an die USA ausgeliefert. Dort kam er in New York in Einzelhaft, 23 Stunden am Tag musste er allein in seiner Einzelzelle zubringen.

Im November begann in New York „El Chapos“ Prozess. Im Februar wurde er in sämtlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter wegen Drogenschmuggels in großem Stil, Waffenhandels und Geldwäsche. Als Strafmaß setzte das New Yorker Gericht am Mittwoch eine lebenslange Haft plus symbolische weitere 30 Jahre fest. „El Chapos“ Verteidiger kündigten umgehend Berufung an.

Das New Yorker Gericht ordnete zudem an, 12,6 Milliarden Dollar (11,2 Milliarden Euro) aus Guzmans Vermögen zu beschlagnahmen. Die Summe bezieht sich auf die geschätzten Einnahmen, die „El Chapos“ Sinaloa-Kartell in den vergangenen Jahrzehnten erzielt hatte.

Der linskgerichtete mexikanische Staatschef Andras Manuel Lopez Obrador erklärte am Donnerstag, die Summe sei zu hoch angesetzt. In jedem Falle habe aber sein Land Anspruch auf alle beschlagnahmte Gelder aus „El Chapos“ Geschäften. Die gegen den Drogenbaron verhängte Haftstrafe kritisierte Lopez Obrador als „hart“ und „unmenschlich“.




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