Letztes Update am Sa, 20.07.2019 17:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstration gegen Boris Johnson in London



Mit einer riesigen Boris-Johnson-Puppe am Himmel haben Demonstranten am Samstag gegen den voraussichtlich neuen britischen Premierminister protestiert. Unter dem Motto „Nein zu Boris, Ja zu Europa“ zogen sie mitten durch London. Der Protestzug wurde von „March for Change“ organisiert, einem Zusammenschluss EU-freundlicher Gruppen.

Die Puppe „sieht vielleicht ein bisschen nach unbeschwertem Spaß aus, aber sie hat eine ernsthafte Botschaft“, sagte Tom Brufatto, einer der Organisatoren. Die aufblasbare Boris-Puppe namens „Baby Blimp“ erinnert an „Baby Trump“, eine riesige Figur am Himmel, die den US-Präsidenten Donald Trump während seines Besuchs in London im vergangenen Monat verspottete. In Großbritannien wird mit dem Wort „Blimp“ sowohl ein Luftschiff als auch ein selbstgefälliger Erzkonservativer bezeichnet.

Die Boris-Puppe trägt ein T-Shirt mit einem roten Doppeldeckerbus und dem Schriftzug „350 Millionen Pfund“ darauf. Dies ist eine Anspielung auf eine Kampagne, mit der Johnson Wähler beim Brexit-Referendum in die Irre geführt haben soll. Er hatte damals behauptet, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund (knapp 400 Millionen Euro) an die EU weiterleiten müsse. Dieses Geld könne besser in den staatlichen Gesundheitsdienst NHS investiert werden. Was Johnson jedoch verschwieg: Großbritannien erhält einen erheblichen Teil seiner Beiträge zurück, etwa für die Landwirtschaft.

Am Dienstag soll das Ergebnis der Abstimmung unter den rund 160.000 Tory-Mitgliedern für die Nachfolge von Premierministerin Theresa May bekannt gegeben werden. Haushoher Favorit ist Johnson, dem viele zutrauen, enttäuschte Brexit-Wähler wieder ins Boot zu holen. Seinem Konkurrenten Außenminister Jeremy Hunt, werden kaum Chancen eingeräumt. Bereits am Mittwoch soll der neue Premierminister May dann ablösen.

Der Alterspräsident des britischen Unterhauses, Kenneth Clarke, hat unterdessen vor einem vertragslosen harten Brexit unter einem Premier Johnson gewarnt. „Es wird zunehmend wahrscheinlich, dass Großbritannien tatsächlich am 31. Oktober die EU ohne Abkommen verlässt“, sagte der Tory-Politiker laut Vorabmeldung dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

Clarke verwies dabei auf Johnsons Ankündigungen während des parteiinternen Wahlkampfs bei den Konservativen. Viele von Johnsons Äußerungen seien „derart unbesonnen, dass die Gefahr besteht, dass er sich in der No-Deal-Falle wiederfindet“. Johnson hatte angekündigt, sein Land am 31. Oktober aus der EU zu führen - notfalls auch ohne Deal.




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