Letztes Update am Sa, 20.07.2019 18:16

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eskalation am Golf: Großbritannien droht Iran in Tankerkrise



Die Eskalationsspirale am Persischen Golf dreht sich weiter. Iranische Revolutionsgarden haben in einer Meeresenge kurz hintereinander zwei britische Tanker festgesetzt; nur einer konnte weiterfahren. Im Schulterschluss mit den USA drohte Großbritannien dem Iran daher mit ernsthaften Konsequenzen. London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, Soldaten nach Saudi-Arabien - dem Erzfeind des Irans - zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Die Verlegung dient nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom der Abschreckung. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region. Trump will sich in der Krise eng mit der britischen Regierung abstimmen. Erst am Donnerstag hatte er erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt sprach am Samstag von einem riskanten iranischen Manöver. Die Aktion am Freitagabend deute darauf hin, dass der Iran einen „gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens“ beschreite, schrieb Hunt auf Twitter. Über mögliche Gegenmaßnahmen wollte das Außenministerium in London zunächst keine Auskunft geben. In London wollte sich der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) noch am Samstag erneut mit der Krise befassen. Am Freitag hatte Hunt erklärt, Großbritannien wolle sich um eine diplomatische Lösung der Krise bemühen.

Für Hunt ist ein Vorfall im britischen Gibraltar wohl der Auslöser des iranischen Vorgehens. Dort war Anfang Juli ein Tanker aus dem Iran mit Öl, das für Syrien bestimmt gewesen sein soll, an die Kette gelegt worden. Die Lieferung verstoße gegen EU-Sanktionen, hieß es. Am Freitag ordnete der Oberste Gerichtshof Gibraltars an, das Schiff weitere 30 Tage festzuhalten, bis zum 20. August.

Die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zeigte sich einem Sprecher zufolge angesichts der Zwischenfälle tief besorgt und forderte die sofortige Freilassung des nun festgesetzten britischen Schiffs. „In einer bereits angespannten Lage bringt dies das Risiko einer weiteren Eskalation mit sich und untergräbt laufende Bemühungen, die gegenwärtigen Spannungen zu überwinden“, hieß es am Samstag.

Deutschland und Frankreich zeigten sich solidarisch mit Großbritannien. „Die Bundesregierung verurteilt die Festsetzung von zwei Handelsschiffen im Golf auf das Schärfste“, erklärte ein Sprecher des deutschen Außenministeriums. „Dies ist ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die zivile Schifffahrt, der eine ohnehin angespannte Lage gefährlich weiter verschärft.“

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Straße von Hormus verschifft.

Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif hingegen erklärte auf Twitter, es sei der Iran, der im Persischen Golf und in der Straße von Hormus die Sicherheit garantiere. „Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren“, so Sarif. Großbritannien müsse aufhören, „ein Zubehör des Wirtschaftsterrorismus der USA“ zu sein.

Die arabischen Golf-Anrainerstaaten reagierten zunächst ungewöhnlich ruhig auf die Vorfälle. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, die als regionale Gegenspieler des Irans gelten, schwiegen zunächst. Lediglich das kleine Königreich Bahrain verurteilte die Beschlagnahmung des britischen Tankers aufs Schärfste.

Der Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte zuletzt um 1,14 US-Dollar auf 63,07 Dollar zu.

Die Iranischen Revolutionsgarden hatten nach eigenen Angaben zunächst den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Die Behörden der Provinz Hormusgan teilten mit, die „Stena Impero“ sei in den Hafen von Bandar Abbas eskortiert worden.

Die schwedische Reederei „Stena Bulk“, der das Schiff gehört, teilte dagegen mit, der Tanker habe sich an sämtliche internationalen Vorschriften gehalten. Mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern gefahren sei. Nach iranischen Angaben stammen 18 der 23 Besatzungsmitglieder der „Stena Impero“ aus Indien. Drei kommen demnach aus Russland und je einer von den Philippinen und aus Lettland.

Kurz nach dem ersten Zwischenfall wurde auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Mesdar“ des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Wie die Firma mitteilte, wurde die „Mesdar“ nach dreieinhalb Stunden wieder freigegeben. Die bewaffneten Sicherheitskräfte hätten das Schiff verlassen.

Die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete zu diesem Vorfall, die Besatzung sei routinemäßig von der Marine über die Umweltvorschriften im Persischen Golf aufgeklärt worden.

US-Präsident Trump beauftragte unterdessen den republikanischen Senator Rand Paul, eine Aufnahme von Gesprächen mit dem Iran auszuloten. Der Senator habe seine Hilfe angeboten, erklärte Trump. „Wir werden sehen, was passiert.“

Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Diese sollen das Land von den Finanz-und Ölmärkten abschneiden. Die USA und der Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.




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