Letztes Update am Sa, 20.07.2019 20:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Briten suchen nach Antwort auf Tankerkrise im Golf



Nach der Beschlagnahme eines unter britischer Flagge fahrenden Tankers sieht Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt die Sicherheit in der Straße von Hormuz gefährdet. Der Vorfall lasse ernsthafte Fragen mit Blick auf die internationale Schifffahrt aufkommen, sagte Hunt am Samstag vor Journalisten. Der Krisenstab seiner Regierung habe ausführlich über die Lage beraten.

Am Montag werde das Parlament darüber informiert, welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollen. Hunt hatte dem Iran zuvor mit ernsten Konsequenzen gedroht. Es gehe aber nicht um militärische Optionen, sondern um eine diplomatische Lösung, so Hunt.

Inzwischen wurde der iranische Geschäftsträger in London einbestellt, und Hunt äußerte sich nach einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Mohammad Javad Zarif kritisch über das Vorgehen der Islamischen Republik. Großbritannien stufte die Festsetzung des Tankers in der für den Ölhandel wichtigen Wasserstraße als „feindseligen Akt“ ein und weist die Darstellung des Iran zurück, das Schiff „Stena Impero“ sei in einen Unfall mit einem iranischen Fischerboot verwickelt gewesen.

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA teilte mit, Zarif habe bei dem Telefongespräch hingegen juristische Schritte gegen den beschlagnahmten Öltanker „Stena Impero“ ins Spiel gebracht. „Der Stopp des britischen Tankers erfolgte wegen maritimer Verstöße und auf Wunsch der hiesigen Hafenbehörden“, sagte Zarif den Angaben zufolge bei dem Telefonat.

Der Stopp des britischen Tankers sei daher legitim gewesen und der Fall müsse dementsprechend auch juristisch überprüft werden. Trotzdem solle der Vorfall nicht zu Spannungen zwischen den beiden Ländern und einer Eskalation der Krise am Persischen Golf führen, erklärte der iranische Chefdiplomat laut IRNA.

Der vom Iran festgesetzte Öltanker wurde nach Angaben des britischen Außenministers in den Gewässern des Omans gestoppt. Es bestehe weiterhin der Wunsch, die Situation nicht eskalieren zu lassen, schrieb Hunt weiter im Kurznachrichtendienst. Teheran habe aber eindeutig gegen internationale Gesetze verstoßen.

Großbritanniens Verteidigungsministerin Penny Mordaunt hatte den Vorfall bereits zuvor als „feindliche Handlung“ in den Gewässern des Omans bezeichnet, wie der britische Nachrichtensender Sky News berichtete. Ihr Ministerium wollte die Zitate allerdings nicht bestätigen.

Unterdessen veröffentlichten die iranischen Revolutionsgarden ein Video, das die Beschlagnahme der „Stena Impero“ zeigen soll. In dem Film nähern sich Schnellboote dem Schiff, dessen Name klar zu sehen ist. Bewaffnete und maskierte Soldaten seilen sich von einem über dem Tanker fliegenden Hubschrauber ab. Mit derselben Taktik hatte die britische Marine vor zwei Wochen einen iranischen Tanker vor der Küste von Gibraltar festgesetzt. Ein Vertreter der Revolutionsgarden sagte, die „Stena Impero“ sei von einem britischen Kriegsschiff eskortiert worden. Dies habe versucht, die Festsetzung zu verhindern. Auf dem Video ist kein britisches Kriegsschiff zu sehen.

Die EU zeigte besorgt über das Vorgehen des Iran. Das Festsetzen der „Stena Impero“ löse „tiefe Besorgnis“ aus, erklärte das EU-Büro für Auswärtige Angelegenheiten am Samstag in Brüssel. „In einer bereits angespannten Lage bringt diese Entwicklung Risiken für eine weitere Eskalation mit sich und unterläuft die anhaltenden Bemühungen, einen Weg zu Beilegung der gegenwärtigen Spannungen zu finden“, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Die 23 Besatzungsmitglieder des vom Iran festgesetzten britischen Öltankers „Stena Impero“ sind nach Angaben ihrer Reederei wohlauf. „Der Besatzung geht es den Umständen entsprechend gut“, sagte der Chef des Schifffahrtsunternehmens Stena Bulk, Erik Hanell, am Samstag dem schwedischen Sender SVT in Göteborg. Gleichzeitig dementierte Hanell Berichte, wonach sich das Schiff während des Zwischenfalls am Freitag in iranischen Gewässern befunden habe.




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