Letztes Update am So, 21.07.2019 11:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Don Quijote“ als Schauspiel bei Bregenzer Festspielen



Die Bregenzer Festspiele haben wieder ein Schauspiel ins Programm aufgenommen. Nachdem am Donnerstag die Hausoper „Don Quichotte“ gezeigt wurde, folgte am Samstag die Erstaufführung von Jakob Noltes Fassung des Theaterstücks „Don Quijote“ am Theater am Kornmarkt. Das Premierenpublikum zeigte sich von Jan Bosses Inszenierung begeistert.

Don Quijote von La Mancha hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Mitmenschen gegen das Böse zu verteidigen. Er sieht sich selbst als Held, erleidet aber meistens brutale Niederlagen, weshalb er seinen Beinamen erhält: Der Ritter von der traurigen Gestalt. Er ist der weltberühmte Kämpfer gegen Windmühlen und in Bregenz kämpft er auch gegen die Nebelmaschine. Don Quijote und sein Helfer Sancho Panza tauchen aus dichtem Nebel auf und dieser liegt auch während der ganzen Vorstellung über der Geschichte - er vernebelt im übertragenen Sinne quasi die Sinne der Hauptfigur.

Regisseur Jan Bosse ist dafür bekannt, ein Erzähler großer Geschichten zu sein. Bei Don Quijote führt er die beiden Darsteller körperlich durchaus an die Grenzen. Vor allem Wolfram Koch als Sancho Panza ist enorm gefordert. Einerseits trägt er einen künstlichen Bauch und ein Kleid mit enorm viel Stoff, das er zusammengerafft in seiner Hose unterbringt. Man merkt ihm bisweilen an, dass er daran ganz schön zu schleppen hatte. Andererseits zieht er das Bühnenbild immer wieder über die Bühne – Bühnenbildner Stéphane Laimé stellt einen großen mobilen Holzkasten auf, der unterschiedliche Spielorte darstellt und diverse Spielebenen anbietet. Don Quijote als Roadmovie, das quasi aus der Kiste erzählt wird.

Wolfram Koch spielt den Sancho Panza nicht dümmlich, sondern freundlich und durchaus bemüht, seinem Ritter gut zu dienen und ihn immer wieder auch einen Schritt zur Realität zu führen. Vor allem die Schlussszene macht deutlich, wie viel Freundschaft und Nähe sich zwischen den Männern während der gemeinsamen Reise entwickelt hat.

Ihm gegenüber gibt Ulrich Matthes einen sensiblen, nachdenklichen Don Quijote. Engagiert ist er auf der Suche danach, ein Held zu sein. Er wirkt der Realität etwas entrückt, aber durchaus glaubwürdig. Ulrich Matthes und Wolfram Koch – die beiden Größen der deutschsprachigen Theaterszene bilden ein perfektes Duo und sind mit viel Spiellust bei der Sache, das Stück bietet auch sehr viel Raum für deren komödiantisches Talent. Auffallend sind zusätzlich die verschiedenen Erzählebenen, die es den Figuren auch ermöglichen, aus der Geschichte herauszutreten und über ihre Figuren oder auch das Werk an sich zu reflektieren bzw. zu diskutieren.

Einziger kleiner Kritikpunkt des Abends war die Länge. Ein paar Striche, vor allem im ersten Akt, hätten dem Werk durchaus gut getan. Das hinderte das Publikum nicht daran, die beiden Akteure und das Produktionsteam am Ende mit sehr viel Applaus zu belohnen. In Bregenz ist „Don Quijote“ noch zwei Mal zu sehen, die Berlin-Premiere gibt es dann am 12. Oktober.




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