Letztes Update am So, 21.07.2019 14:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Teheran warnt London bei Tankerstreit vor Eskalation



Der Iran hat die britische Regierung vor einer Eskalation der Krise um den beschlagnahmten Öltanker gewarnt. Es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten, twitterte Botschafter Hamid Baeidinejad am Sonntag. Dies sei besonders in der derzeitigen Lage gefährlich und unklug. Die britische Regierung prüft hingegen eine „Reihe von Optionen“ gegen den Iran.

Das sagte Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood am Sonntag dem Nachrichtender Sky News. Der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) hatte zuvor zwei Mal über die gefährliche Situation beraten.

Außenminister Jeremy Hunt will die diplomatischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Teheran am Montag bekanntgeben. Unbestätigten Medienberichten zufolge könnte auch das Einfrieren von iranischem Vermögen eine der Möglichkeiten sein. Das Außenministerium in London wollte zunächst keine Stellungnahme dazu abgeben. Militärische Aktionen hatte Hunt bereits zuvor abgelehnt, aber er hatte im Schulterschluss mit den USA mit „ernsthaften Konsequenzen“ gedroht.

„Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet“, sagte der iranische Diplomat Baeidinejad, der sein Land in Großbritannien vertritt. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ am Freitag in der Straße von Hormuz mit der Begründung gestoppt, dass er nach einer Kollision mit einem Fischereischiff einfach weitergefahren sei. Außerdem soll die „Stena Impero“ ihr GPS-System ausgeschaltet, auf der falschen Richtungsspur von Süden in die Straße von Hormuz eingefahren sein und umweltschädigende Materialien am Bord gehabt haben.

Nach Angaben der Hafenbehörde in Bandar Abbas im Südiran, wo der Tanker festgesetzt ist, dürfen die 23 Besatzungsmitglieder das Schiff bis zum Ende der Untersuchungen nicht verlassen. Ihnen gehe es jedoch gut. Von den 23 Besatzungsmitgliedern sind 18 aus Indien, drei aus Russland und je eines aus den Philippinen und Lettland.

In der Krise um Öltanker hat der Oman Großbritannien und den Iran zu einer diplomatischen Lösung gedrängt. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt des Schiffes durch die Straße von Hormuz zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium am Sonntag. Die beteiligten Parteien müssten jetzt Zurückhaltung üben.

Die Festsetzung der „Stena Impero“ hatte die Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts erneut vermehrt. Die USA kündigten zur Abschreckung die Verlegung von Soldaten nach Saudi-Arabien an, dem Hauptrivalen des Iran in der Region.

Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt der Oman weiterhin gute Beziehungen zum Iran. Dem Sultanat auf der Arabischen Halbinsel fällt es angesichts der verschärften Rhetorik gegen Teheran aber zunehmend schwer, die Rolle eines neutralen Vermittlers zu spielen. Auch in anderen Konflikten in der Region wie in Syrien, dem Jemen und der diplomatischen Krise mit Katar bemüht sich der Oman um Neutralität.

Die iranischen Behörden machten die Freigabe des Schiffes indes von der „Kooperation“ der Besatzung abhängig. Die Untersuchung zu dem Vorfall, der zur Festsetzung geführt hatte, hänge „von der Kooperation der Besatzungsmitglieder auf dem Schiff ab“.

Das erklärte der Chef der Hafen- und Schifffahrtsbehörde der iranischen Provinz Hormozgan, Allahmorad Afifipour, am Sonntag. Außerdem müssten die iranischen Behörden Zugang zu den zur Klärung „notwendigen Beweisen“ erhalten, forderte Afifipour. Die Behörden bemühten sich darum, „alle Informationen so schnell wie möglich zusammenzutragen“.

Ungeachtet zahlreicher internationaler Appelle hält der Iran den britischen Tanker „Stena Impero“ weiter fest. Das Schiff war am Freitag von den iranischen Revolutionsgarden beschlagnahmt worden, weil es gegen „internationale Schifffahrtsregeln“ verstoßen haben soll. Womöglich ist der Schritt aber auch eine Vergeltungsmaßnahme für die andauernde Festsetzung eines iranischen Tankers im britischen Gibraltar.




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