Letztes Update am So, 21.07.2019 15:43

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Warnungen vor Eskalation im Iran-Konflikt



Die Regierung in London verurteilt die Festsetzung eines britischen Handelsschiffes in der Straße von Hormuz durch den Iran als „feindseligen Akt“ und erwägt einem Medienbericht zufolge Sanktionen gegen Teheran. Die Islamische Republik warnte Großbritannien am Sonntag wiederum vor einer Verschärfung der Lage.

Angesichts der Spannungen in der Region sei das „gefährlich und unklug“, twitterte der Botschafter in London, Hamid Baeidinejad. Die USA kündigten an, erstmals seit der Irak-Invasion 2003 wieder Soldaten nach Saudi-Arabien zu entsenden.

Der Ton zwischen Teheran und London wird zunehmend rauer: Der Vorgang werde als ein „feindlicher Akt“ gewertet, sagte Verteidigungsministerin Penny Mordaunt am Samstag. Außenminister Jeremy Hunt warnte den Iran vor einem gefährlichen Kurs. In einem Schreiben an den UNO-Sicherheitsrat verurteilt die Regierung das iranische Vorgehen als illegalen Eingriff in das Völkerrecht, weil das Recht auf Durchreise nicht behindert werden dürfe. Der Tanker habe sich in Hoheitsgewässern des Oman befunden, als er vom iranischen Militär beschlagnahmt worden sei. „Wir suchen nicht die Konfrontation mit dem Iran“, heißt es in dem Brief. Aber eine Bedrohung der freien Schifffahrt sei „inakzeptabel und eskalierend“.

In der Golf-Region hatte es zuletzt mehrfach Angriffe auf Tanker gegeben, für die die USA den Iran verantwortlich machen. Die Führung in Teheran bestreitet die Anschuldigungen allerdings.

Den Vorwurf des Iran, der Tanker habe gegen Schifffahrtsregeln verstoßen, wies die Londoner Regierung zurück. Nach iranischen Angaben soll der Tanker in einen Unfall mit einem Fischerboot involviert gewesen sein und dessen Notruf ignoriert haben. Allerdings räumte die Führung in Teheran auch ein, dass der Vorfall eine Reaktion auf die Festsetzung eines iranischen Tankers durch die britische Marine vor Gibraltar Anfang des Monats gewesen sei. Dem Iran wird vorgeworfen, mit dem Tanker gegen EU-Sanktionen Öl nach Syrien liefern zu wollen. „Die Revolutionsgarden haben auf die britische Entführung des iranischen Tankers reagiert“, sagte Parlamentspräsident Ali Larijani in einer im Fernsehen übertragenen Sitzung.

Die Revolutionsgarden veröffentlichten ein Video, dass die Beschlagnahmung der „Stena Impero“ zeigen soll. Dabei seilten sich Soldaten in ähnlicher Weise von einem Hubschrauber ab, wie bei dem Aufbringen des iranischen Tankers durch die britische Marine. Der Iran hatte für die Festsetzung seines Tankers Gegenmaßnahmen angekündigt.

Der britische Tanker war am Freitag von Eliteeinheiten des iranischen Militärs in der Straße von Hormuz aufgebracht worden, durch die ein Fünftel der globalen Erdöltransporte transportiert werden. Er soll zu weiteren Untersuchungen im Hafen von Bandar Abbas bleiben, wie der Iran mitteilte. Die 23-köpfige Besatzung sei wohlauf. Bei ihr handelt es sich um 18 Inder sowie Seeleute aus Lettland, den Philippinen und Russland. Ein zweiter Tanker war am Freitag nur kurzzeitig festgehalten worden.

Großbritannien erwägt nun laut einem Bericht des „Daily Telegraph“ diplomatische und wirtschaftliche Sanktionen. Dazu gehöre das mögliche Einfrieren von Vermögen. Großbritannien könnte demnach darauf drängen, dass die Sanktionen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union gegen den Iran erneut verhängt werden, die nach dem Atom-Abkommen aufgehoben wurden.

Die Spannungen in dem Konflikt haben sich verschärft, seitdem US-Präsident Donald Trump das Abkommen von 2015 im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt hat. Die übrigen Vertragsstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland wollen das Abkommen mit dem Iran erhalten. Trump hat neue Sanktionen verhängt, um das Land zu einem weiterreichenden Vertrag über dessen Atom- und Raketenprogramm zu zwingen. Wegen der Spannungen haben die USA schon im vorigen Monat eine Verstärkung ihrer Truppen in der Region angekündigt. Die Entsendung von rund 500 Soldaten nach Saudi-Arabien sei Teil davon, hieß es in US-Militärkreisen.




Kommentieren