Letztes Update am Mo, 22.07.2019 11:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IAEO-Chef Amano gestorben



Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien, Yukiya Amano, ist tot. Das teilte die in Wien ansässige internationale Organisation am Montag auf ihrer Internetseite mit und sprach von „tiefer Trauer“. Erst in der Vorwoche war durch Medienberichte bekannt geworden, dass der 72-jährige Japaner einen vorzeitigen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen mit März 2020 beabsichtigte.

Eigentlich wäre sein Mandat noch bis November 2021 gelaufen. Die IAEO-Flagge am UNO-Gebäude in Wien werde auf halbmast gesetzt, gab die Behörde bekannt. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich betroffen. „Mit Yukiya Amano verlieren die internationale Gemeinschaft und der Amtssitz Wien eine wichtige Persönlichkeit im Kampf um den nuklearen Frieden“, hieß es. „Unter seiner Führung leistete die IAEO wesentliche Beiträge zu mehr Sicherheit in dieser Welt und hatte in Bezug auf das Atomabkommen mit dem Iran eine maßgebliche Rolle. Mein Mitgefühl ist in diesen Stunden bei seiner Familie und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der IAEO“, betonte Van der Bellen.

Strikte Sachlichkeit war Amanos Programm. Er war so etwas wie die Verkörperung der Unaufgeregtheit. Leise und stets in sachlichem Ton trat er auf. Das galt auch in der aktuell härtesten Bewährungsprobe der Behörde: der Überwachung des laut Abkommens rein zivilen Charakters des iranischen Atomprogramms. Amano wusste, dass die Behörde ihre Aufgabe nur durch strikte Unparteilichkeit erfüllen kann. Die Partner des Abkommens - Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland - sowie die 2018 ausgestiegenen USA schauten äußerst genau auf die Prüfergebnisse der IAEA.

Amano hatte Ende 2009 die Nachfolge von Mohammed ElBaradei angetreten, der für sich und seine Behörde den Friedensnobelpreis geholt hatte. Unter Amano rückten auch IAEA-Aufgaben in den Vordergrund, die vorher kaum öffentlich wahrgenommen worden waren. Amano sprach vermehrt über die Chancen der Nuklearenergie bei der Bekämpfung von Krebs oder Hunger. Schon früh kündigte er an, die Behörde zwischen ihren beiden Aufgaben - der Überwachung und der Förderung der Nutzung von Atomenergie - ausbalancieren zu wollen.

Für den Japaner, in seiner Funktion einer der weltweit wichtigsten Fürsprecher der Atomenergie, war das Unglück im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in seinem Heimatland Japan ein „Weckruf“. Dort war es im März 2011 nach einem Erdbeben zu einer Kernschmelze gekommen. 2012 sagte er der Deutschen Presse-Agentur, seitdem sei die Atomenergie noch sicherer geworden, auch wenn Unglücke wie in jeder Industrie nie ganz auszuschließen seien. Er wies weiters darauf hin, dass menschliches Versagen in Fukushima eine entscheidende Rolle gespielt habe.

Der 1947 in der Küstenstadt Yugawara geborene Amano hatte in Tokio Jus studiert und trat 1972 in die Dienste des japanischen Außenministeriums ein. Als Experte für Atomfragen führte er viele internationale Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung und war als Diplomat unter anderem in Washington und Brüssel tätig. Seit 2005 war er Japans IAEA-Botschafter.

Die IAEO spielt weltweit eine entscheidende Rolle bei der Überwachung der friedlichen Nutzung der Kernenergie. So überprüft sie seit 2016 mit strengen Kontrollen die Einhaltung der Auflagen des Atomabkommens mit dem Iran. Die Organisatoin hat 171 Mitgliedstaaten. Der Chef der Atomenergiebehörde wird von den Vertretern der 35 Staaten gewählt, die zusammen den Gouverneursrat bilden.




Kommentieren